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Feuerwehreinsatz in Römerstraße in Bonn: Gasaustritt im Keller

Feuerwehreinsatz in Bonn-Graurheindorf : Bewohner bemerkten Kohlenstoffmonoxid in ihrem Wohnhaus rechtzeitig

In einem Wohnhaus an der Römerstraße in Bonn ist am späten Dienstagabend Gas ausgetreten. Wachsame Bewohner bemerkten den Geruch und alarmierten die Feuerwehr. Ein Technischer Defekt hatte sich offenbar angekündigt

Nur mit viel Glück sind die acht Bewohner zweier Reihenhäuser an der Bonner Römerstraße einer Katastrophe entgangen. Am späten Dienstagabend bemerkten sie noch rechtzeitig, dass giftige Abgase aus der Ölheizung im Keller nach oben stiegen. Laut Feuerwehr handelte es sich dabei auch um Kohlenmonoxid, das nach nur wenigen Atemzügen tödlich sein kann. Die Ursache ist nach ersten Untersuchungen ein technischer Defekt. Es gab offenbar Alarmzeichen, die zwar beachtet, aber nicht richtig interpretiert wurden.

Die Mieter sind am Mittwochmorgen noch immer geschockt. Der Mann, der im Erdgeschoss wohnt, steht an der Terrassentür und zündet sich eine Zigarette nach der anderen an. „Ich fühle mich nicht mehr sicher in meiner Wohnung“, erzählt er den Tränen nahe. Nur knapp sind er und drei andere Bewohner, die auf drei Etagenwohnungen verteilt leben, dem Tod entgangen. Diese Gewissheit wirkt erst einige Stunden nach dem Unglück, das glücklich endete, richtig nach.

Warngeräte der Feuerwehr schlugen vor der Haustür an

Was in der Nacht passiert ist, schildert der Mann folgendermaßen: Die Mieter hatten sich in der obersten Etage versammelt, um sich über den Vermieter auszutauschen. Zuletzt hatte es Unstimmigkeiten gegeben. Kurz vor Mitternacht löste sich dann die Runde auf. „Als ich ins Treppenhaus ging, bemerkte ich einen komischen Geruch. Es war auch ein bisschen diesig.“ Er schnappte sich noch seinen Hund und verließ sofort mit allen anderen das Gebäude. Die Warngeräte der hinzugerufenen Feuerwehr schlugen schon an der Haustür an, weil die Kohlenmonoxid-Konzentration bei mehr als 500ppm (Anteile pro Million) lag, was tödlich ist (siehe „Kohlenmonoxid).

Die Einsatzleitung schätzte die Situation richtig ein, wie am Morgen danach der Sohn der vierköpfigen Familie berichtet, die im Nachbarhaus lebt. „Die haben Sturm geklingelt und uns aus den Betten geholt.“ Die Keller der beiden Reihenhäuser sind seit Kriegszeiten miteinander verbunden. Als die Wehrleute mit Atemschutzgeräten den Nachbarkeller betraten, war auch dort die Kohlenmonoxid-Konzentration gefährlich hoch. Doch für alle acht Menschen gab ein Arzt Entwarnung. Nachdem die Heizung ausgeschaltet und die beiden Häuser gelüftet waren, konnten alle Bewohner wieder in die Räume zurückkehren. Doch warum dort plötzlich Abgase landeten, wo sie nicht hin sollten, blieb unklar.

Zunächst toten Vogel im Kamin als Ursache vermutet

Es wurde zunächst vermutet, dass ein toter Vogel den Schornstein verstopft hatte. „Das kommt relativ häufig vor. Die Tiere halten sich gerne am Rand des Rohrs auf, weil es dort warm ist“, erklärt Alexis Gula, der Sprecher des Bundesverbandes für das Schornsteinfegerhandwerk mit Sitz in Sankt Augustin ist. Die giftigen Dämpfe benebelten sie, wodurch sie in das Rohr fielen. Durch die Blockade würden die Abgase nicht mehr richtig abziehen. Doch der Schornstein war frei. Stattdessen entdeckten die Installateure laut Vermieter Kondenswasser, das sich in einem Rohr gesammelt hatte und die Abgase in das Haus leitete. „Aber für beide Fälle gibt es Sicherheitsmechanismen, bei denen sich die Heizung automatisch abschaltet,“ erklärt Gula.

Genau das war vorher mehrmals passiert, wie Mieter und Vermieter übereinstimmend berichten. Die neue Heizung, die erst im Sommer aufgebaut und im September vom Schornsteinfeger abgenommen worden war, hatte zunächst tadellos funktioniert. Vor zwei Wochen sei sie dann ausgefallen. Das sorgte für Ärger bei den Mietern, weil sie nicht mehr richtig heizen konnten. „Ich rief den Techniker an und bestellte sicherheitshalber Heizöl“, erzählt der Vermieter. Nach einer Überprüfung lief wieder alles – doch es folgte ein weiterer Ausfall. Schließlich habe ein Mitarbeiter des Heizungsherstellers am Unglückstag das Gerät untersucht und es wieder zum Laufen gebracht.

Wer die Verantwortung für die fehlgeleiteten Abgase trägt, darüber möchte Alexis Gula nicht spekulieren – dafür müsse der Fall zunächst genauer begutachtet werden. „Fest steht jedoch, dass das ganz böse hätte enden können.“ Der Vermieter habe richtig gehandelt, indem er nach dem Ausfall einen Fachbetrieb zu Rate gezogen habe und zuvor die neue Heizung durch einen Schornsteinfeger habe abnehmen lassen. „Der Hauseigentümer muss sich dann darauf verlassen können.“ Normalerweise seien Heizungen in Deutschland sehr sicher, weil regelmäßige Wartungen und Untersuchungen der Feuerstätte gesetzlich vorgeschrieben seien. Für ein Höchstmaß an Sicherheit empfiehlt Gula, zusätzlich zum herkömmlichen Brandmelder einen Kohlenmonoxid-Warner aufzuhängen. „Ein gutes Produkt kostet etwa 60 Euro, hält zehn Jahre und rettet Leben.“ Darüber sind sich nun auch die Bewohner der beiden Häuser bewusst. Sie wollen so schnell wie möglich nachrüsten.