1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Fitnessstudios in Bonn: Mehr Kündigungen im Lockdown

Kostenpflichtiger Inhalt: Mit den Kräften am Ende : Fitnessstudios in Bonn kämpfen ums Überleben

Den Fitnessstudios in Bonn brechen durch den Lockdown die Einnahmen weg, Corona-Hilfen kommen nur verspätet an. Mehrere Studios berichten, wie sie ihre Mitglieder dennoch bei der Stange halten wollen. Kritik daran gibt es zum Teil allerdings von Verbraucherschützern.

Den Fitnessstudios geht es schlecht. Auch in Bonn kämpfen die Betreiber ums Überleben. Nach der Wiedereröffnung im Mai 2020 sind die Studios nun seit November wieder geschlossen. Inzwischen greifen manche Studios zu Maßnahmen, die bei Verbraucherschützern Kritik hervorrufen: einseitige Vertragsverlängerungen. „Aus unserer Sicht ist das nicht zulässig“, so Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Manche Studios lassen Beitragszahlungen für die Zeit des Lockdowns weiterlaufen und verlängern zusätzlich den Vertrag. Andere setzen während der Lockdown-Monate die Zahlungen aus und verlängern im Fall einer Kündigung den Vertrag um die Dauer der Schließung. In diesem Fall sollte der Kunde „mit Augenmaß“ entscheiden, so Semmler. „Obwohl auch das, nach unserer Ansicht, nicht einseitig vom Studio festgelegt werden darf, sollten Verbraucher diese Möglichkeit überdenken, wenn es für sie sinnvoll ist.“

So macht es auch das Bonner Studio „Sport Treff 2.0“. Das Studio stützt sich hierbei unter anderem auf ein Urteil des Amtsgerichts Ibbenbüren, das in einem ähnlichen Fall zugunsten des Studiobetreibers entschieden hat. „Sport Treff 2.0“ verschickte die Mitteilung über die Vertragsverlängerung allerdings mehrere Monate nach bereits erfolgter Kündigung. Dies sei eher ungewöhnlich: Wenn das Studio eine Beendigung des Vertrages für einem bestimmten Zeitpunkt bestätigt hat, kann dies nicht ohne Weiteres rückgängig gemacht und der Vertrag einseitig verlängert werden, meint Carolin Semmler.

 Corona-Hilfen fließen nicht wie angekündigt

Die Inhaber von „Sport Treff 2.0“ seien grundsätzlich immer zum Dialog mit den Kunden bereit, sagt die Geschäftsführerin Nadja Klag. Für sie und ihren Mann, Harald Schmidt-Klag, ist die Vertragsverlängerung eine legitime Maßnahme, die generell von den Kunden auch akzeptiert werde. Es sei eine Win-Win-Situation für Studio und Kunden, da das Studio nach dem Lockdown weiterhin genutzt werden könne. Die finanzielle Situation sei grenzwertig: „Die staatlichen Hilfen sind bei uns bisher nur teilweise geflossen“, berichtet Schmidt-Klag. Von November- und Dezemberhilfen seien bisher nur Abschläge angekommen. Der Umstieg auf digitales Training habe zwar gut geklappt: Ein Youtube-Kanal, Podcasts, Home-Workouts via Zoom werden von den Mitgliedern gut angenommen. „Dass das nur eine Zwischenlösung ist und das Training vor Ort nicht ersetzen kann, ist aber für alle klar“, so Schmidt-Klag.

Ähnliche Erfahrungen haben auch andere Fitnessstudios in Bonn gemacht; alle unabhängigen Studios berichten von verzögerten Hilfszahlungen. Dimitri Ott, Trainer im Studio „Simple Move“ an der Graurheindorfer Straße, berichtet: um Kündigungen vorzubeugen, habe das Studio Beitragszahlungen für den Lockdown komplett eingestellt. „Da wir von gerade mal 150 Mitgliedern leben, sind bei uns 15 Abmeldungen schon zehn Prozent weniger Umsatz“, so Ott. Auch hier wird auf Online-Workouts gesetzt, darüber hinaus hat das Studio Geräte an die Mitglieder verliehen.

Die Fitnessstudio-Kette „Fitness First“, die am Bonner Markt eine Filiale betreibt, ist etwas besser aufgestellt als die kleinen, unabhängigen Studios. „Wir sind ein finanzstarkes Unternehmen“, so Christophe Collinet von der„Life Fit Group“, zu der „Fitness First“ gehört. Doch auch hier habe der zweite Lockdown zu großen Umsatzeinbußen geführt. Generell werde der Mitgliedsbeitrag weiter eingezogen, doch den Mitgliedern werden Kompensationen angeboten, etwa in Form von Gutscheinen für Personal Training.

Viele Mitglieder trainieren lieber im Studio

Frank Röhrig und Ralph Marquis, die das „Studio50“ im Brückenforum betreiben, berichten von einem Mitgliederverlust von 15 Prozent seit dem ersten Lockdown. Neuanmeldungen seien fast ganz ausgeblieben. Kunden, die ihren Beitrag unterstützend weiter zahlen, können zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Erstattung wählen: Das Anhängen von Bonusmonaten an die Vertragslaufzeit sei hier eine Option, so Röhrig. Bei Kündigungen werde in Rücksprache mit den Kunden ebenfalls teilweise eine Vertragsverlängerung entsprechend der Lockdown-Monate gewählt. Das Studioangebot richtet sich an ältere Menschen, die somit auch häufiger zur Corona-Risikogruppe gehören. Dennoch: „Bis auf wenige Ausnahmen würden alle gerne wieder zum Sport gehen“, so Ralph Marquis.

Einen Vorteil für ihr Studio beschreibt Valentina Stoyanova, Inhaberin des Studios „Unique Fitness“ in der Nähe des Alten Friedhofs. Sie bietet ausschließlich Fitnesskurse an, kein Gerätetraining, weshalb hier die Verlagerung in die Wohnzimmer der Mitglieder möglicherweise besser als anderswo funktioniert habe. Doch auch hier kommen nicht so viele Mitglieder hinzu wie kündigen. Wenn gekündigt werde, werde sich oft darauf verständigt, die Zahlungen weiterzuführen und Gratismonate anzuhängen. Ob die Zukunft der Studios gesichert ist, hänge davon ab, ob die Studios Anfang März wieder öffnen dürfen - und ob Hilfszahlungen zuverlässig eintreffen. Valentina Stoyanova dazu: „Sonst wird’s echt schwierig.“