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Terrorprozess um Bonner Bombe: Freispruch für alle Angeklagten gefordert

Terrorprozess um Bonner Bombe : Freispruch für alle Angeklagten gefordert

Bereits zweieinhalb Jahre und mehr als 150 Verhandlungstage dauert der Prozess gegen vier mutmaßliche islamistische Terroristen in Düsseldorf. Nun sind die Plädoyers beendet.

Im Terrorprozess um die Bombe vom Bonner Hauptbahnhof und das Mordkomplott gegen einen rechtsradikalen Politiker haben die Verteidiger für alle Angeklagten Freisprüche beantragt. Am Dienstag argumentierten als letzte die Anwälte Jenny und Herbert Lederer für ihren Mandanten Tayfun S.: Als das Mordkomplott gegen den Vorsitzenden von Pro NRW verabredet worden sein soll, habe sich ihr Mandant bereits von der Gruppe getrennt gehabt, sagten sie vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Der 27-Jährige habe somit vier Jahre unschuldig in Untersuchungshaft gesessen - und das isoliert unter verschärften Bedingungen. Sogar die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe werde von der Justiz besser behandelt als Tayfun S. und müsse während des Prozesses nicht getrennt von ihren Anwälten hinter einer Trennscheibe sitzen, sagte Anwalt Lederer. Dabei habe Tayfun S. nicht einmal in den Augen der Bundesanwaltschaft einen einzigen Menschen getötet.

Zuvor hatten in den vergangenen Wochen bereits die Verteidiger der übrigen drei Angeklagten auf Freispruch plädiert. Die Plädoyers sind damit beendet. Einen Urteilstermin gab das Gericht noch nicht bekannt. Nächste Woche sollen die Angeklagten das letzte Wort haben. Der Prozess dauert bereits seit zweieinhalb Jahren und mehr als 150 Verhandlungstagen.

Marco G., ein zum Islam konvertierter Deutscher aus Bonn, soll am 10. Dezember 2012 eine selbst gebaute Rohrbombe in einer Sporttasche unter eine Bank an Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs gestellt haben. Die Bombe explodierte nicht. Die Bundesanwaltschaft geht von einem Konstruktionsfehler aus, die Verteidigung von einer Attrappe. Gemeinsam mit den drei weiteren Angeklagten soll Marco G. zudem einen Mordanschlag auf den Vorsitzenden der rechtsradikalen Partei Pro NRW geplant haben.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Quartett die Bildung einer terroristischen Vereinigung und Verabredung zum Mord vor. Die Islamisten waren im März 2013 in der Nähe des Wohnhauses des Rechtsradikalen in Leverkusen von der Polizei gestoppt und festgenommen worden. Ihr Auto war bereits mit Mikrofonen „verwanzt“ und wurde von der Polizei abgehört.