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Fridays for Future Bonn: 2500 Demonstrierende - Extinction Rebellion mit Sitzblockade

Nach Fridays-for-Future-Demo in Bonn : Erste große Klimaschutz-Demo seit Ausbruch der Corona-Pandemie

Zur Demo und Kundgebung von Fridays for Future in Bonn sind rund 2500 Menschen durch die Innenstadt gezogen. Im Anschluss macht die Bewegung Extinction Rebellion mit einer Sitzblockade am Koblenzer Tor auf die Klimaproblematik aufmerksam.

Es war eine lange Pause für die Fridays for Future-Bewegung: Monatelange hatten sie ihre Aktivitäten ins Internet verlagert, jetzt zogen sie erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder in großer Zahl durch die Innenstädte. Auch in Bonn trafen sich am Vormittag etwa 2500 Demonstranten auf der Hofgartenwiese, um anschließend eine etwa zwei Kilometer weite Strecke abzuschreiten.

„Die Kooperation mit der Stadt lief dieses Mal ganz gut. Wir konnten auch mit Hilfe eines Anwalts durchsetzen, dass während der Demo wieder Parolen gerufen werden dürfen“, erklärte Fridays-Sprecherin Franzi Bassenge. Vor dem Protestzug gab es einen etwa 45-minütigen Redeblock. Hierbei wurde am Bonner Beispiel die sich mittlerweile ausgebildete Heterogenität der Bewegung deutlich. Seit die damals 15-jährige Greta Thunberg am 20. August 2018 erstmals aus Protest den Schulbesuch verweigerte, ist die Bewegung aus einer reinen Schülerinitiative zu einem Sammelbecken verschiedener Interessensgruppen angewachsen. So waren auf der Hofgartenwiese Mitglieder von Attac, Extinction Rebellion, LGBT oder Sea-Watch  anzutreffen.

Auch Ver.di-Vertreter nahmen an Klima-Demo teil

Wurden zu Beginn landesspezifische soziale Aspekte der geforderten Energiewende durch die Bewegung eher vernachlässigt, fließen nun Strömungen mit ein, welche auch darauf einen Fokus setzten. Davon zeugt etwa die Teilnahme von Verdi-Vertretern an der Demonstration. „Das sich Ver.di mit der Klimaproblematik auseinandersetzt, war überfällig. Letztes Jahr hat unser damaliger Vorsitzender Frank Bsirske das endlich auf die Agenda gesetzt“, sagte der anwesende Gewerkschaftssekretär Andreas Rausch. „Wir wollen die von FFF gesetzten Impulse aufgreifen. Ein Ausbau der erneuerbaren Energien und des ÖPNV inklusive anständiger Bezahlung der Bus- und Bahnfahrerinnen und  Bahnfahrer ist dringend notwendig“, so Rausch.

Mitglieder vom Verein für zivile Seenotrettung Sea-Watch bewerteten hingegen die globalen Auswirkung durch die drohende Klimakatastrophe. „Der globale Süden hat am meisten mit den Folgen der Erwärmung zu kämpfen, zu der die Menschen dort am wenigsten beigetragen haben. Wir müssen uns auf eine große Welle von Klimaflüchtlingen gefasst machen“, so ein Mitglied des Vereins.

Aber auch zahlreiche Einzelpersonen unterschiedlichen Alters schlossen sich der Versammlung an. Unter anderem eine Frau mit Kleinkind auf dem Arm, die sich darum bemühte, von ihrer munteren Tochter nicht die Maske von der Nase gezogen zu bekommen. „Sie weiß zwar noch nicht, worum es geht, aber ich bin für sie heute hier“, sagte die junge Mutter. Währenddessen kritisierten zwei Damen vom Verein „Omas Gegen Rechts“ einige Meter weiter die Neigung der politischen extremen Rechten, die Klimaproblematik zu leugnen.

Aufruf zur Stichwahl ohne Wahlempfehlung

Ein wesentlicher Anliegen der Veranstalter war der Aufruf zur Stichwahl am kommenden Sonntag. Eine konkrete Wahlempfehlung wurde nicht gegeben. Unter so manchem Teilnehmer war allerdings eine gewisse Tendenz spürbar. Malte Kleinwort von „Parents for Future“ verspürte „neue Hoffnung“ auf kommunaler Ebene angesichts der „neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat“. Vom amtierenden Oberbürgermeister Ashok Sridharan sei er „hochgradig enttäuscht“. „Herr Sridharan hat den Klimanotstand ausgerufen, aber keinerlei Taten folgen lassen. Von der Verkehrswende spüre ich in Bonn nichts“, so Kleinwort. Ähnlich bewertete es die Fridays-Aktivistin Franziska Rau. „Wir sind hier, weil wir wütend und enttäuscht sind von unserer und allen Regierungen“, so die Bonner Studentin. „Noch gibt es aber Hoffnung“, fügte sie hinzu.

Um 13 Uhr wurde die Veranstaltung nach einer Abschlusskundgebung vor dem Kunstmuseum offiziell beendet. Die Organisatoren zeigten sich vom Ablauf und Teilnehmerzahl zufrieden. „Die Disziplin hinsichtlich Abstand und Maske war sehr gut. Wir hofften auf eine vierstellige Zahl von Teilnehmern. Die haben wir erreicht“, sagte  Bassenge.

Extinction Rebellion errichteten Blockade auf Adenauerallee

Während sich der Demonstrationszug mit seinen schätzungsweise 2500 Teilnehmern am Hofgarten seinem Ende zuneigte, begaben sich etwa 15 Personen aus den Reihen von Extinction Rebellion für eine Blockade auf die Adenauerallee. Mit den Worten „Entschuldigen Sie, aber das ist ein Notfall“, leitete Niko Froitzheim die Blockade ein, die für kurze Zeit für größere Verkehrsstörungen entlang der B 9 sorgte. Weil es sich um eine im Vorfeld nicht abgesprochene Aktion handelte, wurde diese kurz darauf von der Polizei aufgelöst.

Daraufhin entschlossen sich die Demonstranten ein sogenanntes „Swarming“ am Koblenzer Tor durchzuführen. Dabei wurden Autofahrer über „zwei bis drei Rotphasen auf den Klimawandel aufmerksam gemacht, wie es Froitzheim darstellte. Die Polizei, die mit großem Aufgebot anwesend war, ließ zwei Rotphasen für die Agitation zu. „Wir haben diese Aktion jetzt zweimal zugelassen, danach wird aber Schluss sein“, sagte ein Beamter vor Ort. Beide Seiten zeigten sich kompromissbereit. „Es hält sich noch alles im Rahmen“, bestätigte ein weiterer Polizist, während Demonstranten Flugblätter an die Autofahrer verteilten. Von einer zunächst geplanten Sitzblockade wurde abgesehen. Mit den Veranstaltern der Demo von Fridays For Future, so ergab eine Nachfrage, war die Aktion nicht abgesprochen gewesen.

Die Polizei vor Ort habe die Aktion der Demonstranten als sogenannte Eilversammlung gewertet, wie ein Behördensprecher dem General-Anzeiger auf Nachfrage mitteilte. „Die Kollegen haben die Situation vor Ort in Augenschein genommen und festgestellt, dass keine Gefährdung oder Notsituation vorliegt“, so der Sprecher. Stattdessen habe man mit den Demonstranten Auflagen geklärt, an die sich diese auch gehalten hätten. Andernfalls wären grundsätzlich auch Straftatbestände wie Gefährdung des Straßenverkehrs oder Nötigung in Betracht gekommen.