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Fridays for Future Bonn: Bewegung fordert mehr Radwege und günstigen ÖPNV

Vorschläge für Verkehrswende : Fridays for Future fordert mehr Radwege in Bonn

Die Bewegung Fridays for Future in Bonn hat am Mittwoch in einer Pressekonferenz vorgestellt, wie eine Verkehrswende in der Bundesstadt gelingen könnte. Sie bemängelt zu wenig Radwege und zu teuren Nahverkehr.

„Eine Stadt wie Bonn benachteiligt Menschen, die kein Auto haben“, sagt Celine Giese vom Bonner Ableger der Klimabewegung Fridays for Future. „Die Hälfte der Haushalte mit niedrigem Einkommen hat kein Auto. Das ist sozial höchst ungerecht.“ Deshalb erarbeitete die Bewegung zusammen mit „Parents for Future“ einen zweiten Maßnahmenkatalog aus, der im Speziellen den Verkehr beleuchtete. Am Mittwochabend stellten sie ihn in einer Online-Pressekonferenz vor, bei der auch mehrere OB-Kandidaten und Stadtverordnete dabei waren. Von ihnen kam vor allem viel Lob, aber auch Kritik über die Umsetzbarkeit.

Um zu zeigen, wie eine Verkehrswende mit weniger Autoverkehr in der Innenstadt und mehr Fahrradwegen gelingen könnte, stellten sie das als Beispiel Gent vor. Die zweitgrößte Stadt Belgiens habe den Innenstadtbereich in sechs Sektoren aufgeteilt. Wer mit dem Auto in einen anderen Stadtteil wolle, müsse über einen Ringverkehr um die Bezirke herumfahren. Damit habe sich nach einem Jahr der Radverkehr um gut 25 Prozent erhöht, der motorisierte Individualverkehr in den Wohngegenden sei hingegen um 58 Prozent gesunken. Auch die Einwohner sollen den Änderungen mehrheitlich positiv gegenüberstehen (55 Prozent).

In der Stadt Bonn sehen die Klimaaktivisten kleine Fortschritte. „Bonn hat einige neue Fahrradweg“, sagt Ilja Illert. Diese befinden sich zum Teil aber auf der Straße und seien ein größeres Risiko für die Fahrradfahrer. „Wir sind 2020 aber leider nicht Fahrradhauptstadt geworden.“ Dabei habe ein Strategiekonzept aus dem Jahr 2011 gerade das in Bonn gefordert. Ein wichtiger Punkt sei zudem der ÖPNV. „Wir müssen leider anmerken, dass er unpünktlicher und teuer geworden ist“, sagt er. „Oft stehen die Busse zudem im Stau, weil es wenig Bevorzugung für sie im Stadtverkehr gibt.“ Punkte, an denen sich etwas ändern müsse, seien: Tempo 30 im Stadtbereich, das für mehr Sicherheit sorge, mehr attraktive Park-, Ride- und Bike-Systeme und ein Parksystem mit einheitlichen Kosten. Außerdem fordern sie mittelfristig ein Bürgerticket, das für alle Bonner verpflichtend sein soll.

Ebenso sollten die Parkgebühren erhöht werden, um die Menschen dazu zu bringen, mit einem anderen Verkehrsmittel in die Stadt zu kommen. In Bonn fehle es zu sehr an Fahrradwegen. Deshalb fordert die Bewegung eine Hauptverkehrsachse für Fahrradfahrer. Dafür schlägt die Bewegung die Thomastraße von der Weststadt über den Hauptbahnhof zur Kaiserstraße in die Südstadt vor.

Kritische Fragen dazu, wie die Umsetzung am Ende konkret aussehen soll, kamen von mehreren Stadtverordneten. So fragte Bert Moll, Ausschuss für Planung, Verkehr und Denkmalschutz, beim Thema Autofreie Innenstadt: „Wo sollen die ganzen Flächen in einem citynahen Bereich entstehen, wo die Leute umsteigen können?“ Die Bewegung müsse sich ganz realpolitisch damit beschäftigen, wo sie Umstiegsmöglichkeiten sehe.

Rolf Beu vom Planungs- und Verkehrsausschuss fügte zum Thema preiswerter ÖPNV an: „Die Stadt Bonn kann die Tarife nicht selbst festlegen. Für ein Bürgerticket fehle leider noch jede gesetzliche Grundlage. Wir können das nicht verpflichtend machen.“