Kundgebung auf dem Marktplatz Krieg in der Ukraine lässt die Bonner schaudern

Bonn · Bonnerinnen und Bonner zeigen bei Kundgebung auf dem Marktplatz große Solidarität mit der Ukraine. Unter den Demonstrierenden sind viele, die um Verwandte in dem Krisengebiet bangen. Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner sichert humanitäre Hilfe zu.

 „Der völkerrechtswidrige Angriff Putins macht uns fassungslos und lässt uns zutiefst erschaudern“, sagt Oberbürgermeisterin Katja Dörner bei der Demonstration auf dem Marktplatz.

„Der völkerrechtswidrige Angriff Putins macht uns fassungslos und lässt uns zutiefst erschaudern“, sagt Oberbürgermeisterin Katja Dörner bei der Demonstration auf dem Marktplatz.

Foto: Meike Böschemeyer

Zwei Augenblicke sind es, die einen besonders schaudern lassen an diesem Weiberdonnerstag, der in der Karnevalshochburg Bonn doch eigentlich den Jecken vorbehalten ist. Um 18.24 Uhr ruft die SPD-Bundestagsabgeordnete Jessica Rosenthal vor dem Rathaus zu einer Schweigeminute angesichts der russischen Angriffe auf die Ukraine auf. Mucksmäuschenstill ist es. Und sechs Minuten später läuten die Kirchenglocken und wiederum glasige Augen in den Gesichtern der Menschen, die dem überparteilichen Aufruf gefolgt sind, um ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk zu zeigen.

Der Marktplatz ist bis zu den Marktständen gefüllt an diesem Abend. Ukraine-Fahnen wehen durch die kalte Luft, gehalten meist von Ukrainern, die seit Jahren in Bonn leben. Voll der Sorge sind sie um ihre Familien und Freunde in der Heimat. Unter ihnen Katharina Humpert, die vor 20 Jahren mit ihren Eltern ins Rheinland kam.

„Sie hören die Rakten“

Seit dem Morgen steht sie in Kontakt mit ihren Cousins und Cousinen, die in einer Stadt mitten in der Ukraine leben, 1700 Kilometer entfernt von Bonn. „Sie hören die Raketen, wissen aber nicht, wo sie herkommen. Sie sitzen auf gepackten Koffern, aber wissen nicht, wo sie hinkönnen“, sagt sie. Die neunjährige Tochter der Cousine frage, ob auch nachts geschossen werde. Machtlos fühle sie sich, ohnmächtig.

Als der Fernsehreporter fragt, wie sie sich gefühlt habe an diesem Morgen, als die Kunde kam, dass das russische Militär die Ukraine angreift, schießen ihr die Tränen in die Augen. Ein Verwandter von Katharina Humpert zeigt ein Foto, das die Angehörigen in einem Bunker zeigt. Betretenes Schweigen.

Dörner: Der völkerrechtswidrige Angriff Putins macht uns fassungslos

Der Krieg in der Ukraine hat begonnen, und es nicht zu übersehen, dass die Angriffe Russlands in den Köpfen derjenigen, die an dieser Kundgebung teilnehmen, Spuren hinterlassen haben. „Der völkerrechtswidrige Angriff Putins macht uns fassungslos und lässt uns zutiefst erschaudern“, sagt Oberbürgermeisterin Katja Dörner. Sie zitiert Bundesaußenministerin Annalena Baerbock: „Wir sind fassungslos, aber nicht hilflos.“

Zugleich betont Dörner, dass „wir solidarisch zusammenstehen mit den Menschen in der Ukraine“. Dabei solle und dürfe es aber nicht bleiben. Im Bonner Verwaltungsrat habe man am Morgen beraten, dass die Stadt humanitäre Hilfe leisten wolle und werde, wenn die Menschen aus Osteuropa vor dem Krieg fliehen sollten. Die politischen Rednerinnen und Redner an diesem Abend – ob Christos Katzidis von der CDU, Katrin Uhlig und Alexandra Geese von den Grünen, Franziska Müller-Rech von der FDP, Rosenthal oder Jürgen Repschläger von der Linken – demonstrieren Geschlossenheit in ihrer Haltung und lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin für den Aggressor halten, der die Schuld an den Angriffen trägt.

Ehepaar will Zeichen für den Frieden setzen

Um 5 Uhr morgens vermeldeten die Nachrichtenagenturen die ersten Einschläge. Zu einer Zeit, da die meisten Bonnerinnen und Bonner noch geschlafen haben mögen. Michael Hörstke riss es genau zu dieser Stunde aus dem Schlaf. „Ich habe den Fernseher angemacht und mir gesagt: Jetzt ist es soweit.“ „Stoppt Putin“ steht auf dem Schild, das er bei der Kundgebung in die Höhe hält.

Er und seine Frau Brigitta sind auf den Marktplatz gekommen, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen, wie sie sagen. Am Morgen, sagt Michael Hörstke, habe er seine Tochter fest in den Arm genommen und sich leise gefragt: „Was werden wir euch für eine Welt hinterlassen?“ Geboren 1942, in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, wissen beide, was es bedeutet, wenn ein Diktator die Waffen sprechen lässt. Michael Hörstke befürchtet, dass Putin in der Ukraine ein ihm untergebenes Regime installieren wird. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, schiebt seine Frau hinterher.

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