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Flagge zeigen gegen Krieg und Terror: Friedenslauf der Gesamtschule Bonn

Flagge zeigen gegen Krieg und Terror : Friedenslauf der Gesamtschule Bonn

1400 Bertolt-Brecht-Schüler starten im Sportpark Nord zu einem Friedenslauf. Klassenkameraden aus Syrien, haben Terror und Krieg am eigenen Leib erlebt.

Mit hochrotem Kopf passiert Luca die Ziellinie und ist ganz außer Atem. „Geschafft“, freut er sich und greift erst einmal nach einer Flasche Wasser. „Ich habe fünf Runden durchgehalten“, ruft er sichtlich stolz seinen Klassenkameraden zu. Doch nicht die sportliche Leistung des 13-Jährigen faszinierte Margarete Ruhnke am Freitagmorgen im Sportpark Nord. „Ich freue mich besonders über die vielen Banner im Stadion, die von den Schülern gestaltet wurden“, sagte die Leiterin der Bertolt-Brecht-Gesamtschule.

„Eine Träne zu trocknen, ist ehrenvoller, als Ströme von Blut zu vergießen“, stand dort in großen Buchstaben geschrieben. Oder: „Vergib anderen, nicht weil sie Vergebung verdienen, sondern weil DU Frieden verdienst“ und „Wer seinen Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig.“ „Ich bin wirklich beeindruckt, wie intensiv sich die Schüler mit dem Thema Krieg und Frieden auseinandergesetzt haben“, kommentierte Ruhnke die Aktion. Erstmals trafen sich die insgesamt 1400 Schüler aller Klassen der Bertolt-Brecht-Gesamtschule zu einem kombinierten Sponsoren-/Friedenslauf. „Das passt genau in unser Konzept. Schließlich sind wir eine Unesco-Schule, wo die Themen Weltfrieden, Menschenrechte, interkultureller Dialog sowie Umweltschutz im täglichen Schulleben fest verankert sind“, so Ruhnke.

Ein halbes Jahr lang hatte Klaus-Dieter Soika, Lehrer für Sport und Deutsch sowie Mitglied der Schulleitung, diesen Sponsorenlauf vorbereitet. Jeweils zwei Jahrgangsstufen – rund 340 Schüler – gingen gleichzeitig an den Start. Die letzten Runden vor Mittag drehten dann die Oberstufenschüler. Auch die Internationalen Klassen legten sich bei dieser Aktion kräftig ins Zeug. „Ich bin vor zwei Jahren aus Syrien geflohen. Ich weiß, wie wichtig Frieden ist“, sagte Shade. Zwar sei die Angst deutlich weniger geworden, aber „ich kenne den Terror. So etwas will ich nie mehr erleben. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Familie für immer in Frieden leben kann.“

Erlös geht an das Europäische Friedenstheaterfestival

Was sie sonst nur aus den Nachrichten kannte, hat Esther vor ein paar Tagen hautnah erlebt. „Als die herrenlose Tasche am Busbahnhof gefunden und sofort alles abgesperrt wurde, da habe ich realisiert, wie aktuell die Terrorgefahr ist“, erzählte die Schülerin. Dennoch sei sie nicht ängstlicher als zuvor. „Nein, ich bin vielleicht wachsamer, aber nicht ängstlicher als früher.“ Doch wie kann jeder zum Frieden beitragen? „Wenn die Menschen einfach nett wären, dann wäre es möglich. Sie müssen einfach alle nur nett zueinander sein“, meinte Shade.

Einen Teil der Sponsorengelder, die für jede Runde gezahlt werden, wird die Gesamtschule an „Bina Mira“, ein Europäisches Friedenstheaterfestival für Jugendliche, spenden. „Erstmals engagiert sich eine Bonner Schule nicht für humanitäre Hilfe, sondern für unsere Friedensarbeit“, freute sich Heinz Jussel von „Bina Mira“, der in den Sportpark Nord gekommen war. „Nicht nur im Nahen Osten ist der Friede brüchig, sondern auch in Osteuropa bekämpfen sich rivalisierende Volksgruppen.“ Den anderen Teil der Sponsorengelder will die Schule für eigene Projekte einsetzen. „Wofür, das werden wir entscheiden, wenn wir wissen, wie viel Geld zusammengekommen ist“, erklärte Schulleiterin Ruhnke.