1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Galeria Karstadt Kaufhof: Stadt und Aachener Grund senken Miete der Bonner Filiale

Tauziehen um Galeria-Konzern : Rettungsangebot für Bonner Karstadt-Filiale

Die Stadt Bonn und die Aachener Grundvermögen haben Karstadt eine Mietsenkung um mehr als 50 Prozent in Aussicht gestellt. Dem Galeria-Konzern liegt ein entsprechendes Angebot vor, Stadt und Aachener Grund sehen nun das Unternehmen am Zug.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan und die Aachener Grundvermögen ringen um eine Lösung, die Schließung der Karstadt-Filiale noch abzuwenden. Wichtige Dreh- und Angelpunkte der Verhandlungen sind die Höhe der Miete für das Haus in der Poststraße und die Laufzeit eines neuen Mietvertrags.

Das bestehende Konstrukt sieht folgendermaßen aus: Die Stadt verpachtet ihr Grundstück an die Aachener Grundvermögen, die auch als Vermögensverwalterin der katholischen Kirche auftritt. Die Aachener Grundvermögen wiederum vermietet ihre Liegenschaft an Karstadt.

Mietvertrag mit 20-jähriger Laufzeit

Sowohl die Stadt als auch die Aachener Grundvermögen sind bereit, auf erhebliche Teile ihrer bisherigen Forderungen zu verzichten. In einer gemeinsam veröffentlichten Pressemitteilung von Dienstagabend heißt es: „Nach mehreren intensiven Verhandlungsrunden hat Aachener Grund eine erneut deutlich reduzierte Miete um jetzt mehr als 50 Prozent mit einer 20-jährigen Laufzeit angeboten.“ Sridharan hat zudem nach Rücksprache mit der Politik eine Dringlichkeitsentscheidung eingeholt, die ihn ermächtigt, den bisher von der Stadt erhobenen Pachtzins um ein Drittel abzusenken.

Aus der Pressemitteilung lässt sich ablesen, dass sowohl Aachener Grund als auch der OB die Konzern-Geschäftsführung am Zug sehen. Dort heißt es: „Ob Galeria Karstadt Kaufhof den Doppelstandort Bonn mit der nur 300 Meter entfernten Kaufhof-Filiale auf der Remigiusstraße fortführt, ist nun eine geschäftspolitische Entscheidung“. Der Geschäftsführer der Aachener Grund, Frank Wenzel, sprach von einem „klaren Bekenntnis zu Karstadt und dem Standort Bonn“.

In eine ähnliche Stoßrichtung äußert sich Sridharan: „Wir sind sicher, mit unseren jeweiligen Angeboten für die deutliche Reduzierung der Mietkosten beziehungsweise Erbbauzinsen unsererseits die Voraussetzung geschaffen zu haben, die Filiale in Bonn erhalten zu können. Jetzt liegt es in der Hand von Galeria Karstadt Kaufhof, eine Entscheidung zu fällen.“ Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht zum Sachverhalt.

Insolvenzverfahren seit 1. Juli

Zum 1. Juli ist das Insolvenzverfahren für verschiedene Gesellschaften der Galeria-Gruppe eröffnet worden. Der Rechtsanwalt Frank Kebekus, der für den GA am Dienstag nicht zu sprechen war, ist als Sachwalter bestellt. Er hat die Geschäftsführung zu überwachen. Anfang April hatte der Konzern die Aufnahme unter das Rettungsschirmschutzverfahren beantragt. Der Generalbevollmächtige Arndt Geiwitz sprach von einem zu befürchtenden Umsatzverlust von mehr als einer Milliarde Euro im laufenden Jahr.

Sodann hatte der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof ein Sanierungskonzept vorgestellt. Zunächst hieß es, von 172 Filialen würden 80 deutschlandweit schließen. Im Juni war von 62 Filialen die Rede, zuletzt sprach Kebekus von 56 Filialen. Die Bonner Kaufhof-Filiale und die Sportarena in der Remigiusstraße standen nicht auf dieser Streichliste.

Am vergangenen Freitag meldete das Magazin Spiegel, es bestünde die Hoffnung, weitere Filialen vor der Schließung retten zu können. Es zitierte Kebekus mit den Worten: „Wir reden noch mit einigen Vermietern, und ich hoffe, dass wir am Ende weniger als 50 Standorte schließen müssen.“ Angekündigt war die Schließung des Bonner Karstadt, für die 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, für Ende Oktober. Das Rettungsschirmverfahren ermöglicht den vorzeitigen Ausstieg aus dem Mietvertrag, der regulär bis Mitte 2026 läuft.

Wechselbad der Gefühle

Die Betriebsratsvorsitzende der Bonner Filiale, Therese Thrun, sprach gegenüber dem GA von einem Wechselbad der Gefühle innerhalb der Belegschaft. „Viele Kunden sprechen uns gegenüber ihre Solidarität aus, viele unterschreiben unseren Aufruf, das Haus zu erhalten.“ Sie hofft auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen. „Bis zum 31. Oktober hat Karstadt auf jeden Fall noch auf“, sagte ein Verkäufer dem GA. Wie es danach weitergehe, wisse man noch nicht.

OB Sridharan teilte mit, er habe unmittelbar nach Bekanntgabe der Schließung das Gespräch mit der Galeria-Geschäftsführung gesucht und versucht, die Spielräume für einen Erhalt des Hauses auszuloten. Der SPD-Bundestagsabgeordnete für den Rhein-Sieg-Kreis, Sebastian Hartmann, und die OB-Kandidatin der SPD für Bonn, Lissi von Bülow, hatten Gespräche mit dem Betriebsrat und Kebekus geführt. Vergangene Woche zeigten sie sich „verhalten optimistisch, dass ein Erhalt der Bonner Filiale möglich ist“. Bei einer Schließung stünde „die Innenstadt auf der Kippe“, so von Bülow.

Die OB-Kandidatin der Grünen, Katja Dörner, erklärte: „Die Rettung von Karstadt in Bonn wäre nicht nur von wesentlicher Bedeutung für die Beschäftigten, sondern auch für die Attraktivität der Bonner Innenstadt.“ SPD und Grüne hatten von der Stadt ein Entgegenkommen bei der Pacht gefordert. Michael Faber, OB-Kandidat für die Linke, sagte am Dienstag: „Die Stadt ist an ihre Grenzen gegangen, was das Entgegenkommen in Sachen Karstadt anbetrifft. Wenn das Signa und Benko als hinter Karstadt stehenden Investoren nicht ausreicht, hat das für die Beschäftigten tragische Folgen. Die Verantwortung dafür trägt dann alleine der Eigner von Karstadt.“