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GA-Serie "Bonner Köpfe": Galerist Bernd Bentler lebt seinen Traumberuf

GA-Serie "Bonner Köpfe" : Galerist Bernd Bentler lebt seinen Traumberuf

Bernd Bentler studierte erst Physik und Chemie, widmete sich dann aber seinem Traum und begann eine Lehre zum Vergolder. Nach seiner Ausbildung eröffnete seine eigene Galerie.

Früher lockten Vaccherin Mont d'Or oder Bleu de Termignon, Tapenaden und Tabouleh anspruchsvolle Genussmenschen an. Jetzt sind es die Werke von Günther Uecker, Heinz Mack und Otto Piene, Mitglieder der Künstlergruppe ZERO, die sich in ihren Gemälden vom Licht Nordafrikas inspirieren ließen. Der Süden ist also immer noch präsent – zwar nicht mehr für den Gaumen, dafür aber für die Augen. „Das ist wirklich die Krönung eines rundum erfüllten Geschäftslebens. Ich bin dankbar dafür, dass ich seit fast 40 Jahren das tun kann, was mich bereichert und glücklich macht“, sagt Bernd Bentler und schaut sich in seiner neuen Galerie in der Friedrichstraße um.

Einst wurden in den Geschäftsräumen südländische Köstlichkeiten verkauft. Nach zweimonatigem Umbau hat Bentler gemeinsam mit Lebensgefährtin Jenny Geißler daraus eine moderne und gradlinige Galerie mit angeschlossener Rahmen- und Vergolderwerkstatt gemacht. Durch ein besonderes Lichtsystem strahlen Farben und Konturen der ausgestellten Werke in brillanten Nuancen.

Bevor sich Bentler in der Bonner City niederließ betrieb der 64-Jährige 37 Jahre lang eine Galerie in der Beethovenallee in Bad Godesberg. „In dieser Zeit habe ich wirklich tolle Begegnungen gehabt. Bei vielen ist aus dem geschäftlichen Verhältnis von Galerist zu Kunde eine tiefe Freundschaft entstanden“, zieht er dankbar Bilanz.

Dass er sich auf seine Intuition verlassen kann, diese Erfahrung hat Bentler schon mehrfach in seinem Leben gemacht. Nach Grundschulzeit in Duisdorf und anschließender streng konservativer Erziehung in einem niederländischen Internat kam der gebürtige Westfale als junger Mann zurück an den Rhein. „Zum Studieren“, erzählt er. „Chemie und Physik.“ Doch schon bald wusste er, dass das nicht sein Metier ist. „Mir wurde klar, dass ich mich nicht mein Leben lang damit beschäftigen will“, sagt er.

Er ließ sich exmatrikulieren, stellte seine Eltern vor vollendete Tatsachen und begann eine Lehre zum Vergolder. „Damit war ich wirklich glücklich“, ergänzt er – auch wenn sein Vater überhaupt nicht damit einverstanden war, dass sich einer seiner fünf Kinder für die „brotlose Kunst“ entschieden hatte. Schnell folgte die Eröffnung einer eigenen Galerie. Und wieder konnte sich Bentler auf sein Bauchgefühl verlassen. „Ich habe frühzeitig auf die Künstler der ZERO-Gruppe gesetzt. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.“

Heute räumt er allerdings auch jungen Freischaffenden Platz in seiner Galerie ein. Beispielsweise André Schweers, Bettina Hachmann und Marius Singer, einer der Kunstpreisträger der Stadt Bonn. Skulpturen von Markus Lüpertz und Thomas Röthel vervollständigen seine Ausstellung. Zwar sei ein Galerist immer auch ein Geschäftsmann, aber „ich achte stets darauf, dass ein Bild zur Person und zur Umgebung passt“, betont er. Dazu gehört auch, dass der Chef die Bilder persönlich ausliefert und beim Kunden aufhängt oder positioniert. Und wenn sich der Kauf als Fehlgriff herausstellt? „Kein Problem“, wiegelt er ab. „Ich nehme alles wieder zurück. Irgendwann habe ich garantiert das richtige Bild für jeden Kunden.“

In seiner Freizeit schnürt Bentler gerne die Wanderschuhe. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Töchtern geht es nicht nur ins Siebengebirge. „Nein“, ergänzt Jenny Geißler. „Wir unternehmen immer wieder Wandertouren auf Mallorca und auf Terschelling.“

Nach solchen Auszeiten kehrt Bentler jedoch gerne in den Alltag zurück. „Ich lebe seit fast 40 Jahren meinen Traum. Jeden Morgen freue ich mich auf den Tag. Was will man mehr?“, fragt er und hat für sich die einzig richtige Antwort parat. „Mehr geht wirklich nicht!“ Und auf dieses Hochgefühl will er so schnell auch nicht verzichten. „Auch wenn ich in diesem Jahr das Rentenalter erreiche, werde ich mich noch lange nicht zurückziehen. Die neue Galerie, die Begegnung mit Menschen – das alles will ich noch lange in vollen Zügen genießen.“