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Protest gegen Stadtverwaltung: Gebühren führen zu Misstönen

Protest gegen Stadtverwaltung : Gebühren führen zu Misstönen

Mal laut, mal leise, mal solo, mal als Kombo: In den Sommermonaten sind in der Innenstadt viele Straßenmusiker unterwegs. Doch seit einiger Zeit stören Misstöne die Szene - und das im übertragenen Sinne.

Denn die Stadt verlangt Gebühren von denen, die die Straße als Bühne nutzen. Daraufhin hat sich ein Aktionsbündnis von Musikern gegründet. Auf dessen Unterschriftenlisten haben schon einige hundert Bonner unterschrieben und ihre Solidarität mit den Musikern erklärt.

Mit Musikern wie Jean-Luc Mahoro und Jakob Ude: Auf dem Remigiusplatz packt Mahoro seine Gitarre aus. Ude legt die Gitarrentasche auf die Straße. Noch hetzen die Passanten vorbei, keiner achtet auf die unscheinbaren Teenager. Bis Ude "Feeling good" von Michael Bublé anstimmt. Schon nach den ersten Klängen bildet sich eine Menschentraube um die beiden Freunde herum.

Irgendwann sind es so viele Zuhörer, dass es kaum ein Durchkommen auf der schmalen Marktbrücke gibt. Kennengelernt haben sich die beiden im Chor. Seit mehreren Monaten ziehen sie als Straßenmusiker umher. Dabei verdienen sie sich etwas zum Taschengeld hinzu, "um nicht im Supermarkt Kisten zu schleppen", sagt Mahoro. Nach einem Tag haben sie etwa 200 Euro zusammen. "Es ist aber auch oft weniger; das hängt mit vielen Faktoren zusammen", sagt Mahoro. Während die Gesangsleistung gleich bleibt, schwanken Wetter und Laune der Menschen.

Trotzdem gehört das Duo zu den Topverdienern. Die meisten müssen Straßenmusiker sich mit Tageseinnahmen von maximal 50 Euro zufriedengeben, ergaben die Recherchen des GA. Mahoro und Ude haben das Glück, mit ihrem Talent nicht ihren Unterhalt finanzieren zu müssen. Beide wohnen zu Hause und gehen noch in die Schule.

Anders sieht das bei Simon Wood aus. "Wenn ich singe, singe ich um mein Leben", erzählt er. Deswegen ist jeder Euro für ihn wichtig. Da trifft es Wood hart, dass er alleine bei der Stadt zehn Euro für eine zweitägige Spielerlaubnis bezahlen muss. Die hat die Verwaltung erhoben, um die Lärmbelästigung im Stadtgebiet möglichst gering zu halten.

Pro Stadtteil werden deshalb alle zwei Tage nur drei Spielerlaubnisse ausgestellt. Dass die etwas kosten, hat einen rechtlichen Hintergrund: "Weil die Verwaltungsgebührenordnung des Landes für solche Amtshandlungen, die im Interesse des Antragstellers liegen, eine Verwaltungsgebühr vorsieht", lautet die nüchterne Begründung der Stadt. 870 solcher Genehmigungen wurden 2013 erteilt, für die sich die Musiker persönlich bei einem Sachbearbeiter mit ihren Ausweispapieren vorstellen müssen. Ein Casting wie in München gibt es nicht.

Simon Wood und viele andere Straßenmusiker ärgern die Zusatzkosten. "Ich muss schon das Busticket bezahlen, mit den Gebühren bleibt dann nicht mehr viel übrig", sagt er. Ohnehin könne er den Geräuschpegel in der Fußgängerzone gar nicht übertönen. "Bonn ist für mich die “City of Music„, wir haben eine tolle Kulturszene, auch auf der Straße", sagt Wood. Letztere gehe durch die Gebühren kaputt. Für ihn hat es auch mit Freiheit zu tun, Musik zu machen, wo er möchte. Dass er sich nicht mitten in der Nacht wie ein Minnesänger lauthals vor Zimmerfenster stellt, ist für ihn klar. "Und sowieso verboten."

Gegen die Gebühren hat sich mittlerweile ein Aktionsbündnis formiert, das Unterschriften sammelt und vom Musiker John Harrison angeführt wird. Er hat auch den Folk Club Bonn ins Leben gerufen, der jeden ersten Freitag im Monat im Haus Müllestumpe zu hören ist. Mehrere hundert Namen hat er schon auf der Liste, bisher bekam er ausschließlich Zustimmung für die Abschaffung der Gebühren. "Die Menschen mögen die Musik, das bringt doch erst Atmosphäre in unsere Einkaufsstraßen", sagt er.

Deshalb müsse sich die Stadt um ihre Musiker sorgen und sie nicht zur Kasse bitten. Er kennt auch die Regelungen in anderen Städten: So muss man sich in Köln beispielsweise anmelden - aber ohne zu zahlen. Wie in Bonn muss nach etwa einer halben Stunde der eigene Standort gewechselt werden, elektrische Hilfsmittel wie Verstärker sind nicht erlaubt.

Warum man die Bonner Straßenmusikgebühr nicht streichen kann, verstehen Unterstützer wie Verena und Johanna, die von Harrison auf die Problematik angesprochen werden, nicht. "Wir halten gerne an, hören zu und geben etwas Kleingeld. Doch das landet dann wohl leider zum Teil im Stadtsäckel."