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Kommentar zum Tode von Hans Lennarz in Beuel: Gedanken zum Abschied

Kommentar zum Tode von Hans Lennarz in Beuel : Gedanken zum Abschied

Mit Hans Lennarz verliert Beuel einen engagierten Politiker und Vereinsmenschen. Seine Charaktereigenschaften waren etwas, was aktuell droht, in dem Stadtteil verloren zu gehen, findet GA-Redakteur Holger Willcke.

Die Nachricht von seinem Tod hat unwillkürlich bei vielen Beuelern Erinnerungen geweckt. Hans Lennarz war ein Mensch, der auf vielen Bühnen Hauptrollen gespielt hat. Was ihn aber stets auszeichnete: Er drängte sich nie in den Vordergrund. Das schätzte man an ihm.

Sein Tatendrang bis ins hohe Alter war getragen von Demut, Nächstenliebe und Warmherzigkeit. Er hatte Mutterwitz und zweifelsohne eine gehörige Portion Schlitzohrigkeit. Seine Art Probleme zu lösen, war seiner rheinischen Mentalität geschuldet. Ob als Politiker oder Vereinsmensch: Hans Lennarz räumte Schwierigkeiten, Missverständnisse und Probleme am liebsten hemdsärmelig aus dem Weg. Frei nach dem Motto: Probleme gibt es nicht – man kennt sich, man hilft sich. Diese Überzeugung ist ein Stilmittel, das aktuell in Beuel droht, verloren zu gehen.

Wer Hans Lennarz ganz privat hat kennenlernen dürfen, spürte im Gespräch schnell, was ihm als gläubigem Katholik wichtig war: Aussöhnung auf allen Ebenen, aber besonders mit Frankreich. Als Augenzeuge des historischen Kirchenglockentauschs von 1964/65 zwischen Mirecourt und Beuel war sein Bestreben, dass aus den ehemaligen Kriegsfeinden Freunde wurden. Mehr als 50 Jahre investierte er Zeit und Herzblut in die Städtepartnerschaft mit Mirecourt. Das war wahrscheinlich seine größte Lebensleistung im Ehrenamt.

Als Lennarz 2013 den Vorsitz im Partnerschaftskomitee abgab, kam es zu einem bewegenden Moment: Der damals schon schwer erkrankte und mittlerweile verstorbene Jean-Marie Bastien machte sich von Mirecourt nach Beuel auf und verabschiedete als Überraschungsgast Hans Lennarz. Zwei alte Männer, die die Versöhnung vorbildlich gelebt haben, lagen sich in den Armen und weinten zusammen Freudentränen.

Lennarz hinterlässt viele Spuren in Beuel. Kaum ein anderer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so nachhaltig für Beuel engagiert wie er. Er wird fehlen.