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Jan Loh in der Fabrik 45: Gedenken an den "Alle-mal-malen-Mann"

Jan Loh in der Fabrik 45 : Gedenken an den "Alle-mal-malen-Mann"

Zum ersten Todestag von Jan Loh gab es in der Fabrik 45 in Bonn eine Gedenkveranstaltung mit zahlreichen Zeichnungen des "Alle-mal-malen-Manns".

Laura und ihre Freundinnen hatten es Jan Loh offenbar angetan. "Die drei schönen Abendfeen im Café Göttlich" schrieb der Mann, der eigentlich Johannes Gödde hieß, im Oktober 2002 unter seine Schwarz-Weiß-Skizze. Bisher war die Zeichnung nur eine persönliche Erinnerung an ein lustiges Treffen bei Cocktails und Prosecco. Von Freitag- bis Sonntagabend gehörten die "Abendfeen" zu den Exponaten einer Präsentation in der Fabrik 45. Anlässlich des ersten Todestages von Jan Loh, der mehr als zwei Jahrzehnte als "Alle-mal-malen-Mann" durch die Bonner Kneipen tourte, wurde am Hochstadenring mit einer Ausstellung an das Bonner Original erinnert.

Die abgewetzte Aktentasche und das klapprige Fahrrad waren Lohs Markenzeichen. Ausgestattet mit Block, Kohle- und Bleistiften war er Abend für Abend in der City, der Altstadt oder am Rhein unterwegs. Das Nachtleben war ohne ihn kaum vorstellbar. "Soll ich euch alle ma' maaaaalen?", sprach Loh die Gäste zu vorgerückter Stunde in Kneipen, Wirtshäusern und Biergärten an - manchmal freundlich, manchmal in einem mürrischen Ton.

"Man musste ihn zu nehmen wissen. Dann hatte man wirklich eine gute Begegnung mit ihm", erinnerte sich Özi, der selbst Künstler in Bonn ist. Er ließ sich von Jan Loh mehrmals porträtieren. Anlässlich der Gedenkfeier hatte Özi diesmal ein Bild von Jan Loh gemalt, das am Eingang des Kunst- und Kulturdomizils an der Viktoriabrücke aufgestellt war.

"Er war schon kauzig", sagte Tobias. "Die Treffen mit ihm waren immer etwas Besonderes und man konnte nicht wissen, wie sie enden." Der "Alle-mal-malen-Mann" hatte Tobias bei einer Geburtstagsfeier mit Freunden in der Zone Blues Bar gezeichnet. "Aber nach einiger Zeit war er offen und zugewandt. Dann hatte man einen schönen Abend mit ihm. Wenn er wollte, hatte er viel zu erzählen." Initiiert hat die Gedenkveranstaltung René-Marius Westfehling. Er startete Anfang des Jahres einen Aufruf und bat um Bilder, die zum Todestag von Jan Loh gezeigt werden sollten. Mehr als 150 Scans erhielt er daraufhin. "Ich war wirklich sehr überrascht, wie viele Zeichnungen uns angeboten wurden", sagte der 37-Jährige. Dabei war auch ein Bild vom 2. Februar 2018, also vier Wochen vor seinem Tod.

Lange überlegen, weshalb er diese Gedenk- und Kunstaktion für Jan Loh organisierte, musste Westfehling nicht. "Er war über Jahrzehnte ein Original in dieser Stadt, der sein Ding unbeirrt durchzog. Er liebte den Kontakt zu anderen und die Konfrontation mit ihnen. Dadurch ist er für viele unvergessen." Immer wieder traf Loh auf Brautpaare. Für Frischvermählte hatte er stets einen ganz besonderen Wunsch. "Der lieben Angela und dem lieben Stephan eine wundervolle Ehezeit in Liebe und Glückseligkeit", schrieb er etwa einem Paar unter seine Zeichnung.

Zitiert wurde Jan Loh in der der Ausstellung auch selbst. "In Bonn hat man Dorf, Kleinstadt und Großstadt. Das ist der Reichtum Bonns: Das man hier das Kleine, Gemütliche, Dörfliche hat, aber das Großstädtische auch", hat er einmal gesagt. Am 8. März 2018 ist Jan Loh im Alter von 86 Jahren gestorben. Und auch das gehörte zu seiner Persönlichkeit: Erst bei der Beerdigung in Kessenich wurde sein richtiger Name bekannt.

Was jetzt aus der Vielzahl der Bilder wird, das weiß Westfehling noch nicht. "Das ist wirklich eine einmalige Sammlung. Die sollte man festhalten", wünscht er sich. Wie oder wo die Erinnerung an Loh archiviert oder aufgenommen werden könnte, dafür gibt es noch keine konkreten Pläne.