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Geisterfahrt der Linie 66 in Bonn: Fahrer muss Strafe zahlen

Linie 66 in Bonn : Ehemaliger Fahrer muss nach Geisterfahrt Strafe zahlen

Ein ehemaliger Linie-66-Fahrer muss 2500 Euro zahlen. Nach der Geisterfahrt im Dezember 2019 hatte der 48-Jährige im vergangenen Jahr einen Autounfall aufgrund seiner Epilepsie-Erkrankung.

In der Nacht zum 22. Dezember 2019 wurde der Fahrer der Straßenbahnlinie 66 zwischen Siegburg und Bonn auf der Höhe der Haltestelle Sankt Augustin Zentrum plötzlich ohnmächtig. Es folgten bange Minuten. Mit zwei Waggons raste die Bahn zunächst mit Tempo 80 führerlos an insgesamt acht Haltestellen vorbei, bevor Fahrgäste die Tür zur Fahrerkabine aufbrechen und die Bahn an der Haltestelle Adelheidisstraße stoppen konnten. Der Zug passierte auf seiner Geisterfahrt mehrere Bahnübergänge, deren Schranken noch geöffnet waren. Nun soll der Fahrer, ein heute 48-jähriger Familienvater, 2500 Euro Strafe zahlen. Und zwar unter anderem, weil er seinen Arbeitgeber über eine bestehende Epilepsie-Erkrankung nicht informiert hatte.

Eine Bonner Amtsrichterin sprach einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Gefährdung des Bahn-, Schiffs- oder Luftverkehrs sowie wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs gegen den Fahrer aus. Außerdem wurde dem Mann der PKW-Führerschein entzogen. Das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde hingegen eingestellt, wie Amtsgerichtsdirektorin Birgit Niepmann am Mittwochvormittag bestätigte. Die Strafe für die vorsätzliche Gefährdung resultiere dabei allerdings gar nicht aus dem Vorfall mit dem Geisterzug, so Niepmann weiter. Vielmehr sei der 48-Jährige am 31. März 2020 mit seinem Privatwagen gegen einen Ampelmast an der Kreuzung der Straßen Am Josephinum und Kölnstraße geprallt. Die Ursache sei – wie auch bei der nächtlichen Straßenbahn-Geisterfahrt drei Monate zuvor – ein epileptischer Anfall gewesen.

Fahrer hatte erst kurz zuvor bei den Stadtwerken angefangen

Der Fahrer arbeitete erst seit dem 1. August 2019 für die Bonner Stadtwerke: Dem Beginn des Arbeitsverhältnisses unmittelbar vorausgegangen war eine Einstellungsuntersuchung am 31. Juli, bei der er seine bestehende Erkrankung nicht erwähnte. Am 13. September absolvierte der 48-Jährige offenbar erfolgreich eine praktische Prüfung. Seither fuhr er Straßenbahnen für die Stadtwerke. Nach dem zum Glück weitgehend glimpflich ausgegangenen Zwischenfall mit der Linie 66 hatte der Fahrer angegeben, dass er vor seiner Einstellung zehn Jahre lang keinen Anfall mehr erlitten habe. Daher habe er seine Erkrankung nicht erwähnt. Explizit danach gefragt worden, sei er ohnehin nicht.

Weil er aber spätestens nach der Geisterfahrt hätte gewarnt sein müssen, wurde sein Autounfall vom vergangenen März rechtlich anders gewertet: Die Richterin ging nicht, wie im ersten Fall von Fahrlässigkeit aus, hier sei ein Vorsatz gegeben. Bei dem Unfall löste der Airbag des Renault Espace aus, das Fahrzeug wurde stark beschädigt und es entstand ein Sachschaden von rund 10.000 Euro an der Ampelanlage. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig. Legt der 48-Jährige nicht binnen zwei Wochen Einspruch ein, entspricht der Strafbefehl einem Urteil.