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Kindergärten in Bonn: Gemeinden geben Kitas ab

Kindergärten in Bonn : Gemeinden geben Kitas ab

Immer mehr evangelische Kirchengemeinden in Bonn ziehen sich als Träger eigener Kindergärten zurück, unter anderem aus finanziellen Gründen. Zwölf ehemalige Gemeindekindergärten sind bereits in der Trägerschaft der Gemeinnützigen Evangelischen Gesellschaft für Kind, Jugend und Familie (KJF). Die Kirchenkreise Bonn, Bad Godesberg-Voreifel und An Sieg und Rhein prüfen nun die Gründung eines Verbandes, der alternativ zur KJF Kitas rentabel betreiben soll.

Die sechs kleinen „Rheinpiraten“ Hamudi, Hazal, Ben, Celal, Catalino und Fabian fühlen sich wohl in ihrem Kindergarten. 2015 hat der Träger KJF (Gemeinnützige Evangelische Gesellschaft für Kind, Jugend und Familie) ein neues Gebäude in Limperich errichtet. Bis 2013 waren die „Rheinpiraten“ wie auch die „Beueler Pänz“ Kindergärten der dortigen evangelischen Gemeinde.

„Wir sind froh, durch den Trägerwechsel beide Einrichtungen in evangelischer Trägerschaft erhalten zu können“, schreibt die Gemeinde auf ihrer Homepage über den Wechsel zur KJF, die in der evangelischen Julius Axenfeld Stiftung beheimatet ist. „Die Übernahme der Trägerschaft erfolgte immer nur auf Initiative der abgebenden Kirchengemeinde. Ein aktives Bemühen oder gar Werben hat und wird es unserseits nicht geben“, erläutert wiederum KJF-Geschäftsführer Klaus Graf. Soweit Gemeinden aber Hilfe benötigten, sei die KJF immer für Gespräche offen.

Aktuell betreibt die KJF in Bonn 15 Kindergärten. Zwölf von ihnen gingen von evangelischen Gemeinden über. In den restlichen drei Fällen schuf die KJF in Abstimmung mit der Stadt neue Einrichtungen. Weitere zwölf Kitas sind noch in Trägerschaft von evangelischen Gemeinden.

„Gegenwärtig führen wir, auch über das Stadtgebiet hinaus, in mehreren Fällen Gespräche“, so Graf. Es sei zu erwarten, dass man 2016 weitere Trägerschaften von Gemeinden übernehme. Darüber hinaus sei man bemüht, dem Bedarf durch die Schaffung neuer Tagesstätten gerecht zu werden.

KJF wird als guter Partner angesehen

Und warum geben evangelische Gemeinden ihre Kindergärten an die KJF ab? Weil sie einerseits deren Fortbestand sichern und andererseits weiterhin ihre religionspädagogische Betreuung einbringen wollten, meint Graf. Die KJF werde dabei als guter Partner angesehen, der ein „hohes Maß an Sicherheit und Verlässlichkeit für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Beteiligten und eine qualitativ hochwertige Fortsetzung der Arbeit bietet“.

Die Gemeinden könnten die große Belastung für haupt- und ehrenamtliche Leitung sowie die Finanzen eben kaum mehr stemmen, nennt der evangelische Pressepfarrer Joachim Gerhardt Beweggründe für die Abgabe. „Der Trägeranteil liegt bei zwölf Prozent, alle Träger außerhalb der evangelischen und katholischen Kirchen haben nur neun Prozent“, klagt Gerhardt. Die Pauschalen des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) seien nicht auskömmlich. Die Personalkosten stiegen mit bis zu drei Prozent schneller als die Erhöhung der Kibiz-Pauschalen von 1,5 Prozent. Somit liege für die Kirchen der reale Trägeranteil sogar deutlich über zwölf Prozent, rechnet Gerhardt vor. Deshalb seien zum 1. Januar die drei Tagesstätten der Godesberger Thomasgemeinde an die KJF gegangen (der GA berichtete). Abgabebereit an Stadt oder KJF seien 2016 auch die beiden Kitas am Brüser Berg, eine in Lengsdorf und beide in Hardtberg, so Gerhardt.

Pfarrer bevorzugt Verbleib der Kita in seiner Gemeinde

Persönlich bevorzugt der Pfarrer unbedingt den Verbleib der Kita in seiner Luthergemeinde in der Südstadt. Kinder- und Jugendarbeit sei eine Säule der evangelischen Kirche, ob in Kitas, Jugendzentren, Kinderchören oder die Konfirmandenarbeit. „Wir nehmen mit unseren Kitas eine große gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahr und profitieren selbst von der Trägerschaft“, sagt Gerhardt.

Superintendent Eckart Wüster sieht das Thema pragmatischer. Das Kibiz stelle eben jede kleine Gemeindeeinrichtung vor riesige Probleme. „Und mir ist es lieber, man gibt seinen Kindergarten dann an die evangelische KJF statt an einen anderen Träger.“

Die Superintendenten der drei Bonner Kirchenkreise werben für die Erweiterung der Interessengemeinschaft und damit für die Gründung eines evangelischen Kita-Verbandes, der eine Alternative zur KJF-Trägerschaft wäre. Wüster: „Wir wollen damit unsere Interessen bündeln und weiterhin Einfluss auf Personalentscheidungen behalten.“

Und wie stemmt die KJF die wachsenden Anforderungen im Kita-Bereich? „Wir haben als gemeinnütziger Träger keine dauerhafte Gewinnerzielungsabsicht“, macht Geschäftsführer Klaus Graf klar. Man wende mit dem Bundesangestelltentarifvertrag in kirchlicher Fassung (BAT-KF) genau die gleichen Arbeitsrechtsregelungen wie alle Kirchengemeinden an. „Auch hier ändert sich dauerhaft nichts für die Mitarbeitenden.“

Das Kibiz führe aber auch die KJF zunehmend an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Erst im Verbund gelinge es, Kostenvorteile zu realisieren und durch flexibleren Personaleinsatz auf Engpässe zu reagieren. Aber er warne vor der landesweiten Entwicklung, sagt Graf: „Die unzureichenden Anpassungen der Kostenobergrenzen durch das Land haben dazu geführt, dass sich seit Jahren eine Schere immer weiter öffnet, die eine erfolgreiche Arbeit kaum noch zulässt.“