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20 Jahre „Aktion Deutschland Hilft“: Gemeinsamer Kampf gegen die immer größer werdende Not in der Welt

20 Jahre „Aktion Deutschland Hilft“ : Gemeinsamer Kampf gegen die immer größer werdende Not in der Welt

Seit dem 6. März 2001 koordiniert die „Aktion Deutschland Hilft“ mit Sitz in Bonn humanitäre Hilfseinsätze weltweit. Über eine halbe Milliarde Euro Spendengelder wurden schon gesammelt. Geschäftsführerin Manuela Roßbach gewährt Einblicke.

Der Kosovo-Krieg 1999 war Anlass, dringend nötige Spenden besser zu bündeln und sicher zu verteilen. So kam es zum Zusammenschluss deutscher Hilfsorganisationen unter dem Dach der „Aktion Deutschland Hilft“. Sie wurde vor genau zwei Jahrzehnten in Köln gegründet, bevor man 2006 nach Gronau in Bonn umzog.

Beim Konflikt im Kosovo wurde nach Angaben der geschäftsführenden Vorständin Manuela Roßbach deutlich, dass bei Spenden an Hilfsorganisationen nicht beachtet wurde, „ob die jeweiligen Organisationen überhaupt über ausreichend Kapazitäten verfügten – wie Helfer, Hilfsgüter oder entsprechende Logistik – um die erhaltenen Spenden zielführend für Hilfsmaßnahmen einzusetzen“, so Roßbach.

Daher taten sich 20 Organisationen zusammen, um nach dem Grundsatz „Gemeinsam schneller helfen“ statt in Konkurrenz nun als Einheit bei großen Katastrophen und Notsituationen im Ausland um Spenden zu bitten. Diese werden dann entsprechend der individuellen Hilfskapazitäten unter den in Krisengebieten tätigen Organisationen aufgeteilt. Diese Zusammenarbeit schaffe Vertrauen in der deutschen Bevölkerung, sodass man in „20 Jahren rund 580 Millionen Euro für 61 humanitäre Hilfseinsätze weltweit“ sammeln konnte, so Roßnach. So wurden mehr als 2400 Hilfsprojekte in 130 Ländern umgesetzt.

Dazu zählen unter anderem Einsätze nach dem Tsunami in Südost-Asien 2004, dem schweren Erdbeben auf Haiti 2010 oder der Dreifachkatastrophe 2011 in Japan. Es werden aber auch Projekte in Deutschland unterstützt, wie beispielsweise nach den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013, der hohen Zuwanderung von Asylsuchenden 2015 oder auch derzeit während der Corona-Pandemie.

Seit 2001 sei man zudem „involviert in die Weiterentwicklung humanitärer Standards“ und führe regelmäßig Bewertungen der gemeinsamen Hilfsmaßnahmen durch, berichtet Roßbach. Außerdem werden regelmäßige Fortbildungen angeboten. Sie vermutet, dass man künftig noch mehr auf Unterstützung angewiesen sei. „In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, mehr als verdoppelt“, erklärt Roßbach. Allein 2021 stieg ihre Zahl von 170 auf 235 Millionen.

Das Geld für die Bewältigung dieser Not ist „schlicht nicht verfügbar“, beklagt die Vorständin. Gründe für das Elend seien neben der Corona-Pandemie auch langanhaltende Krisen wie die Kriege in Syrien und im Jemen sowie die wachsende Zahl der Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen. Letztere sind auch Folgen des Klimawandels. „Deshalb wollen wir in Zukunft noch mehr Projekte im Bereich Katastrophenvorsorge umsetzen“, sagt Roßbach. Vorsorge wie Warnsysteme, Notfallpläne und erdbebensicheres Bauen könnten im Vorhinein „Menschenleben retten und Leid verhindern“.

Derzeit hilft die Organisation weltweit unter anderem bei der Bekämpfung der Pandemie, durch Verteilung von Masken, Hygienekits oder die Errichtung von Handwaschstellen in Regionen, in denen solche Dinge nicht oder kaum vorhanden sind. Zudem ist laut Roßbach die medizinische und Lebensmittelversorgung in Syrien und dem Jemen auch aktuell extrem wichtig.

„Erreicht uns die Nachricht einer plötzlichen Naturkatastrophe oder einer Krise, die sich zu einer humanitären Katastrophe zuspitzt, wird über die Zentrale ein Austausch mit Mitarbeitern der Hilfsorganisationen organisiert, die in dem Krisenland aktiv sind“, sagt Roßbach. Danach folgen tägliche Telefonkonferenzen zum weiteren Vorgehen. Zudem werden Spendenaufrufe gestartet und Informationsarbeit betrieben.

Durch die Pandemie arbeitet ein Großteil der Belegschaft im Homeoffice, was schon seit 2018 ermöglicht wird und daher seit März 2020 sofort umsetzbar war. Die Deutschen haben sich in den vergangenen Monaten sehr solidarisch gezeigt, findet Roßbach: „Wir haben mit 40,2 Millionen Euro rund zwölf Prozent mehr Spenden erhalten als im Vorjahr“.