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Gewitter über Bonn und der Region: Bilanz der Unwetter-Nacht

Bilanz nach Gewittern : Mehr als 800 Unwetter-Einsätze in Bonn und der Region

In Bonn und der gesamten Region haben Sturm, Gewitter und Starkregen am Mittwochabend für vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume und überflutete Straßen gesorgt. Eine Bilanz der Schäden des Unwetters.

Die Gewitter, die seit dem frühen Mittwochabend über Bonn und die gesamte Region zogen, haben vielerorts Schäden hinterlassen. Umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen bescherten den Feuerwehren der Region bis zum Donnerstag viele Einsätze.

In Bonn rückten die Einsatzkräfte vornehmlich wegen vollgelaufener Keller und umgestürzter Bäume aus. Neben den rund 70 Einsatzkräften im Dienst waren zusätzliche 300 unterwegs, um insgesamt 411 Einsatzstellen abzuarbeiten.

Zu einem kuriosen Einsatz kam es in der Unterführung Hagenstraße in Mehlem:  Wie fast regelmäßig bei den vergangenen Unwettern stand die Unterführung wieder unter Wasser. Das hinderte einen Autofahrer gegen 18.30 Uhr allerdings nicht daran, zu versuchen, seine Fahrt fortzusetzen – durch die dort zusammengeströmten Starkregenfluten. Das bekam ihm freilich schlecht, denn derweil war der Wasserstand so hoch, dass das Auto zu schwimmen begann. Der Autofahrer saß hilflos in seinem Fahrzeug fest, so Polizeisprecher Frank Piontek: „Die Türen ließen sich nicht mehr öffnen, denn das Wasser stand bis zu den Fenstern.“ Drei Streifenbeamte trafen an der Unglücksstelle ein und wateten, ohne zu zögern, in voller Montur zu dem treibenden Auto. Mit vereinten Kräften gelang es ihnen, das Fahrzeug auf Grund zu ziehen. Der Gerettete ließ sein Fahrzeug wenig später abschleppen.

Der Kulturgarten in der Rheinaue ist glimpflich davon gekommen. „Es hat ein paar Schäden an Licht und Technik gegeben“, sagt Sandro Heinemann, Geschäftsführer der Rheinevents GmbH. „Das ist nicht total schlimm. Es hat sich gezeigt, dass alles gut gesichert war.“ Die Veranstaltungen am Mittwoch und Donnerstag hat er vorsichtshalber abgesagt. „Aber spätestens am Freitag sind wir wieder spielbereit.“

Deutlich schlimmer hat es das Melbbad erwischt. Wasser hat das Gelände des Freibades überflutet und ist in einen Technikraum gelaufen. Nach einer ersten Prüfung seien die Schäden so gravierend, dass das Melbbad voraussichtlich in dieser Freibadsaison nicht mehr öffnen können wird, teilte die Stadt mit. Bereits gekaufte Tickets sollen erstattet werden, so die Stadt.

In städtischen Einrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen habe es kleinere Wassereinbrüche gegeben. Das teilte die Stadt am Donnerstagnachmittag in einer Pressemitteilung mit. „Schwerer getroffen hat es die Till-Eulenspiegel-Grundschule“, heißt es in der Mitteilung weiter. Sie müsse von Donnerstag voraussichtlich bis kommenden Mittwoch schließen, da Wasser in den Keller eingedrungen und der Strom ausgefallen sei. Auch in Schlossbachschule und Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums gab es Wassereintritte. Ein größerer Ast stürzte auf das Dach des Frankenbades.

392 Einsätze im Rhein-Sieg-Kreis

In Siegburg war die Feuerwehr wegen der Folgen des Unwetters auch am Donnerstag weiterhin im Einsatz. „Wir haben noch einige Bäume, die wir beseitigen müssen“, sagte Feuerwehrchef Torsten Becker am Mittag. Zu 118 Einsätzen waren seine Wehrleute da schon ausgerückt. Im Rhein-Sieg-Kreis hat es in Folge der extremen Wetterlage insgesamt 392 Wasser- und Sturmeinsätze gegeben. Wie der Kreis mitteilte, waren die Rettungskräfte von Mittwoch, 18.30 Uhr, bis Donnerstag, 7 Uhr, im Dauereinsatz. In der Feuer- und Rettungsleitstelle gingen insgesamt 1744 Anrufe ein. „So heftig haben wir das lange nicht mehr erlebt“, sagte Torsten Becker.

Die Siegburger Löschgruppen waren mit 75 ehren- und hauptamtlichen Kräften im Einsatz. Unterstützung erhielten sie von Kollegen aus Niederkassel. Über dem Stadtkern sowie in den Stadtteilen Zange, Deichhaus und Stallberg habe das Unwetter besonders gewütet. Die Folge waren abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, in Autos eingeschlossene Personen oder vollgelaufene Keller. An der Lindenstraße mussten die Anwohner zeitweise durch knietiefes Wasser waten. Auf dem alten Friedhof an der Johannesstraße stürzte ein Baum in das Dach der Nepomuk-Kapelle. An der Luisenstraße blockierte ein umgestürzter Baum die Spur in Richtung Innenstadt. Gegen 22 Uhr mussten die Wehrleute einen Zug der Linie S 12 evakuieren. Er war auf dem Weg nach Hennef wegen eines Oberleitungsschadens in Höhe der Händelstraße stehen geblieben. Die Wahnbachtalstraße (L 316) bleibt laut Polizei voraussichtlich über das gesamte Wochenende wegen Aufräumarbeiten zwischen Deichhaus und Kaldauen gesperrt.

Im Siegburger Freibad hat das Unwetter ebenfalls seine Spuren hinterlassen, weswegen das Oktopus am Donnerstag geschlossen blieb. Ein Baumgutachter untersuchte das Gefahrenpotential auf dem Areal, Bäume wurden gefällt, und Taucher säuberten die Becken von Ästen und Blättern. Laut Stadt erhalten Besucher das Geld für gebuchte Tickets automatisch zurück. Am Freitag gehe der Betrieb in Sport- und Nichtschwimmerbecken weiter.

Auch bei der Kreispolizeibehörde liefen am Mittwoch bis zum späten Abend 85 Unwettereinsätze auf. Laut Pressestelle ging es vor allem um die Sicherung von Gefahrenstellen, die durch Überflutungen, Wassereinbrüche, umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste entstanden waren. In Siegburg fanden die Beamten an der Bahnunterführung Bonner Straße und der Lindenstraße im Stadtteil Zange 25 Autokennzeichen, die sich vermutlich bei der Fahrt durch tiefe Pfützen gelöst hatten. Unter Vorlage der passenden Zulassungsbescheinigung erhalten Betroffene ihre Kennzeichen in der Polizeiwache Siegburg zurück.

Zu 63 Einsätzen rückte die Freiwillige Feuerwehr Sankt Augustin am Mittwochabend aus, ein weiterer folgte am Donnerstagmorgen. Umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller waren die häufigsten Alarmierungsgründe. An der Stadtbahnlinie 66 waren mehrere Bäume auf die Oberleitung gestürzt. Der Betrieb musste eingestellt werden. Dadurch strandete etwa in Hangelar eine Bahn. Aufgrund des Stromausfalls waren zudem alle Schranken an den Bahnübergängen geschlossen. Insgesamt waren mehr als 120 Wehrleute in Sankt Augustin im Einsatz.

In Hennef rückten 106 Feuerwehrleute in Folge des Sturmtiefs zu insgesamt 31 Einsätzen aus. Laut Feuerwehrsprecher Thomas Vitiello waren waren wegen Starkregens einige Straßen überflutet. Überwiegend beschäftigten die Feuerwehr aber umgestürzte Bäume oder Bäume, die umzustürzen drohten. Teilweise seien diese in Telefonleitungen hängen geblieben oder kurz davor gewesen, auf Häuser zu fallen. Nach drei Stunden endete der Feuerwehreinsatz.

In Troisdorf lag der Einsatzschwerpunkt in den Stadtteilen Mitte, Oberlar, Spich und Altenrath. Insgesamt 48 Mal wurde die Feuerwehr aufgrund des Unwetters gerufen, bis 23 Uhr war sie im Einsatz. 49 Alarmierungen arbeitete die Feuerwehr Lohmar ab. Unter anderem war ein Baum auf einen Lastwagen gestürzt, der gerade auf die Autobahn 3 auffahren wollte. Der Fahrer wurde dabei nicht verletzt.

Viele vollgelaufene Keller im Siebengebirge

Das Unwetter hielt auch die Freiwilligen Feuerwehren in Bad Honnef und Königswinter bis in die Nacht hinein in Atem. 32 Einsätze meldeten die Rettungskräfte allein in Königswinter, sowohl im Berg- als auch im Talbereich. 150 Feuerwehrleute waren zwischen 18.25 und 22.30 Uhr überwiegend mit dem Auspumpen vollgelaufener Keller beschäftigt. Koordiniert wurden die Einsätze vom Lagezentrum in Oberdollendorf aus.

In Thomasberg und Heisterbacherrott wurden im Bereich der Dollendorfer Straße mehrere Keller überflutet. In der Altstadt stand der Keller unter der Produktionshalle eines Industriebetriebes rund 40 Zentimeter unter Wasser. Zudem versperrten umgestürzte Bäume zeitweise Fahrbahnen in Oberpleis, Fronhardt, Eisbach und Rauschendorf. Zu längeren Straßensperrungen kam es nach Auskunft der Feuerwehr indes nicht. In allen Fällen konnten die Kameraden schnelle Hilfe leisten. Zwei Brandmeldeanlagen lösten Alarm aus, vor Ort konnte jedoch kein Feuer festgestellt werden.

Auch in Bad Honnef gingen zahlreiche Anrufe bei der Freiwilligen Feuerwehr ein, weil Wasser in Kellerräume eindrang. An der Straße „Auf Penaten“ in Rhöndorf liefen gleich mehrere Keller voll. Überspült wurde zudem die Auffahrt zur B42 „Am Steinchen“. Zwei Autos fuhren sich dort fest. Ebenfalls überspült wurde die Abfahrt Bad Honnef der B42 in Fahrtrichtung Linz. Die Feuerwehr musste die Wassermassen abpumpen. Ein Baum, der nahe der Landesgrenze auf die Bundesstraße gestürzt war, wurde von den Einsatzkräften ebenfalls beseitigt.

Um 21.30 Uhr meldete der Haustechniker eines größeren Gebäudes in Rhöndorf, dass der Keller unter Wasser stehe – ein Einsatz, der die Wehrleute mehrere Stunden beschäftigen sollte.

Insgesamt arbeiteten die 58 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Honnef 21 Unwettereinsätze ab. Das DRK Bad Honnef versorgte die Kameraden mit Essen und Getränken.

Bilanz aus dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis

Im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis musste allein die Meckenheimer Feuerwehr zu 37 Einsätzen ausrücken. Neben Einsätzen im Stadtgebiet gab es für sie auch zwei in Wachtberg und einen in Alfter. Die Drehleiter aus Meckenheim wurde bei zwei Dachstuhlbränden nach Blitzschlag in Wachtberg eingesetzt. Die Löschgruppe Altendorf / Ersdorf wurde wegen eines umgestürzten Baums alarmiert, der die Hauptdurchfahrtsstraße im Ort versperrte. Im Ortsteil Lüftelberg liefen durch den vielen Regen etliche Keller voll, die durch die Feuerwehr ausgepumpt werden mussten. Zusätzlich gab es noch einen umgestürzten Baum, der die Zufahrtsstraße in das Wohngebiet am Bahnhof Kottenforst versperrte. Kurze Zeit später gab es noch eine Meldung über einen weiteren Baum, der direkt am Bahnhof umgestürzt war.

Im Ortskern von Meckenheim waren durch den kurzen Starkregen etliche Keller voll Wasser gelaufen, die nach und nach durch Kräfte der Feuerwehr Meckenheim leer gepumpt werden mussten. Die Meckenheimer Feuerwehr war mit 60 Einsatzkräften über mehrere Stunden bis in den späten Abend im Einsatz und bis in die Nacht mit einer Bereitschaft im Gerätehaus Meckenheim vertreten.

Im Rheinbacher Stadtgebiet kam die Feuerwehr am Mittwoch auf 20 Einsätze wegen des Unwetters. In 18 Fälllen handelte es sich um vollgelaufene Keller, die die Feuerwehr auspumpen musste. Dazu kamen ein umgestürzter Mast einer Telefonleitung in Flerzheim und ein umgestürzter Baum in Hilberath. 60 Männer und Frauen der Feuerwehr waren im Zuge des Unwetters im Einsatz.

Für die Swisttaler Feuerwehr lag der Einsatzschwerpunkt in Heimerzheim. Pressesprecher Christian Klein zufolge gab es insgesamt 22 Einsätze. Meist habe es sich um Wasser im Keller gehandelt, zum Teil seien die Einsätze aber auch durch den Sturm bedingt gewesen.

Die Feuerwehr Alfter musste zu 15 Einsätzen in der Gemeinde ausrücken. Bei den meisten Einsatzstellen kam es nur zu kleineren Schäden durch Sturm und Wasser. Mehrere umgestürzte Bäume, unter anderem auf der B56 und im Ort Alfter, wurden von der Feuerwehr beseitigt. Einige Straßen mussten für die Einsatzdauer kurzzeitig gesperrt werden. Insgesamt waren rund 35 Einsatzkräfte der Löschgruppen Witterschlick und Alfter sowie des Einsatzführungsdienstes aktiv.

Die Feuerwehr in Bornheim hatte am Abend lediglich einen Einsatz: Im Stadtteil Roisdorf musste die Bornheimer Feuerwehr aufgrund eines Wasserschadens ausrücken. Aufgrund des starken Regens war der Druck in der dortigen Kanalisation so groß geworden, dass das Wasser aus einer Toilette herauslief.