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Auszeichnung im Alten Rathaus: Gisela Rubbert erhält das Bundesverdienstkreuz

Auszeichnung im Alten Rathaus : Gisela Rubbert erhält das Bundesverdienstkreuz

Gisela Rubbert hat sich ein Leben lang für Geflüchtete eingesetzt – und dabei auch nicht die Auseinandersetzung mit Behörden gescheut. Das bringt der Wahlbonnerin jetzt eine der höchsten Auszeichnungen des Bundes ein.

Nach einem ereignisreichen Leben, in dem sie sich jahrzehntelang mit viel Herzblut für die Schicksale von geflüchteten Kindern und jungen Erwachsenen eingesetzt und dabei auch nie die Konfrontation mit Behörden gescheut hat, erhielt Gisela Rubbert nun im Alten Rathaus von der Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner für ihr Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht.

1933 in Köln geboren, verbrachte Gisela Rubbert ihre ersten Jahre im Eifler Ort Dreiborn. Es war keine unbeschwerte Kindheit, denn bereits im Oktober 1939 seien die ersten Bomben in ihrer Gegend abgeworfen worden. So habe sie aus erster Hand die grauenhafte Realität des Krieges erfahren. „Es war wie ein Wunder, dass wir überlebt haben. Wir haben gegessen, was die Amerikaner weggeworfen haben. Das ist Krieg“, beschreibt sie die prekäre Situation. So blicke sie sorgenvoll auf die Situation in der Ukraine, doch auch mit einem Herzenswunsch: „Ich hoffe, dass die Menschen lernen, ihre Konflikte friedlich zu lösen.“

Leidenschaftlicher Einsatz in der neuen Heimat

Nach Bonn zog es sie erstmals 1962, nachdem ihr inzwischen verstorbener Mann als Bauingenieur eine Stelle gefunden hatte. Sie selbst führte ihre Arbeit als Erzieherin für Kindergarten und Hort dabei mit großem Enthusiasmus aus, da sie Kinder möge und finde, dass sie interessante Menschen seien. Auch deshalb habe sie sich entschieden, einen großen Teil ihres Lebens Tätigkeiten in ehrenamtlichen Institutionen zu widmen, die sich um die Schicksale von geflüchteten Kindern und jungen Erwachsenen kümmern.

Als einen einschneidenden Fall beschreibt sie dabei das Schicksal eines 15-Jährigen, der von den Taliban rekrutiert werden sollte, woraufhin seine Mutter alles verkauft und ihn weggeschickt habe. „Er hat sich mit Gürteln unter einen Zug gebunden, um nach England zu kommen“, so Rubbert. Der Grund für diesen Zielort: seine vorhandenen Englischkenntnisse.

Zur Not auch Hilfe auf Umwegen

Im Rahmen von Tätigkeiten bei der Pax-Christi-Gruppe und dem Verein Ausbildung statt Abschiebung sei sie auch immer wieder mit den Behörden aneinandergeraten. So sei im Rahmen der „Resettlement und Save-Me-Kampagne“ ihr Antrag an den Bürgerausschuss auf Aufnahme von 31 Irakern in Bonn zwar genehmigt, deren neue Aufenthaltsorte aus Datenschutz-Gründen allerdings nicht herausgegeben worden. Doch davon ließen sich Rubbert und ihre Mitstreiter nicht abhalten. Sie hätten kurzerhand einen Wagen mit Äpfeln, Spekulatius und allerlei anderem beladen, um im Anschluss jedes Heim abzufahren. Hartnäckigkeit, die von Erfolg gekrönt worden sei: „Wir fanden alle und begleiteten sie“, so Rubbert.

Engagement, das geehrt wird

Die feierliche Überreichung des Bundesverdienstkreuzes am Bande erfolgte so im Beisein ihrer beiden Kinder und zahlreicher Weggefährten. Oberbürgermeisterin Katja Dörner hielt die Auszeichnung für „mehr als angemessen“, so habe es sie persönlich gefreut, „ihnen diese Auszeichnung zu übergeben.“

Auch wenn sie nicht in der Bundesstadt geboren wurde, sei Bonn für sie nun schon seit Jahrzehnten zur Heimat geworden. Dabei komme die Entscheidung ihres Wohnorts auch nicht von ungefähr. „Wenn wir unsere Stände in Beuel aufgeschlagen haben, haben die Beueler uns oft Tee gebracht, während die Bonner immer nur Geld eingeworfen haben“, erzählt sie schmunzelnd. Auch wegen dieser Wärme sei Beuel für sie der schönste Teil von Bonn.