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Neues Hilfsangebot : Graurheindorfer helfen sich gegenseitig in der Corona-Krise

Neues Hilfsangebot : Graurheindorfer helfen sich gegenseitig in der Corona-Krise

Der Ortsausschuss hat eine Corona-Hilfe gegründet. Mehr als 50 Helfer machen mit und erledigen zum Beispiel für Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen die Einkäufe – oder führen den Hund aus.

„Herzlichen Dank. Wieviel Geld bekommen Sie von mir?“, ruft Hannelore Heuser Michael Göth und Nele Höck aus sicherer Entfernung zu. „21,41 Euro“, antwortet Göth. „So wenig?“: Die 76-Jährige kann es kaum glauben. Aber zwei Dinge auf ihrer Einkaufsliste haben Vater und Tochter trotz des Abfahrens von vier Geschäften nicht bekommen: Toilettenpapier. Es war der erste Einsatz für die beiden ehrenamtlichen Helfer der Corona-Hilfe des Ortsausschusses Graurheindorf. Einige Ortsbewohner, die sich trotz Absage der Säuberungsaktion „Picobello“ am Treffpunkt eingefunden hatten, haben sie Mitte März gegründet.

„Wir haben spontan beschlossen, dass wir helfen möchten“, sagt Michael Moser, Beisitzer im Ortsausschuss. Gesagt, getan: Mithilfe eines Sponsors hatten sie bis Sonntag 2000 Infozettel gedruckt und an alle Haushalte verteilt. Darauf zu lesen: Der Ortsausschuss möchte Menschen, die durch die Infektion mit dem Corona-Virus besonders gefährdet sind – zum Beispiel Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen – Hilfe anbieten bei Einkäufen oder auch Spaziergängen mit dem Hund. Melden sollte sich auch, wer Helfer werden möchte.

Die Resonanz war groß: Über 50 Menschen erklärten ihre Bereitschaft. Wie Göth und seine Tochter, die gerade die Einkäufe für Heusers – von Brot über Wasser bis hin zu Möhren – auf der Treppe des Mehrfamilienhauses abgestellt haben. Warum sie mitmachen? „Um selbst solidarisch zu sein in unserem dörflichem Umfeld. Um zu zeigen, wo es lang geht und was wirklich wichtig ist. Das ist nicht Toilettenpapier“, so Göth. Die 14-jährige Nele sieht es ganz pragmatisch: „Ich mache mit, weil ich eh nichts anderes zu tun habe.“ Heinz Heuser (81) und seine Frau sind dankbar dafür: „Wir sind verunsichert und trauen uns nicht mehr vor die Tür.“

Auf das Schreiben reagiert hat auch eine 89-jährige Graurheindorferin. Nicht weil sie Hilfe in Anspruch nehmen, sondern 800 Euro für „die tolle Aktion“ spenden wollte. „Davon können wir jetzt Geld für Einkäufe vorstrecken und Material wie Einweghandschuhe kaufen“, sagt Moser. Bei ihm kommen alle Anfragen per Telefon und E-Mail an. Über die eigens gegründete WhatsApp-Gruppe oder per Telefon gibt er sie weiter. So rief ihn Anfang der Woche auch ein Graurheindorfer an, der in Spanien ist und derzeit nicht zurückkommt. Er machte sich Sorgen um seine über 80 Jahre alten Eltern und bat die Corona Hilfe, sich um sie zu kümmern. Seine Eltern sprächen allerdings nur russisch. Kein Problem: Ein Aufruf in der WhatsApp-Gruppe und Helferin Alina Erich (32) meldete sich. Die gebürtige Russin hat Kontakt zu dem Ehepaar aufgenommen, das sich sehr gefreut hat. „Ich habe mich gefreut, bezüglich der sprachlichen Barrieren unterstützen und selbst mal wieder russisch sprechen zu können. Das Ehepaar hat noch Vorräte. Nächstes Woche gehe ich dann einkaufen. Aber es geht mir um mehr als das Erledigen. Ich möchte, dass die Älteren wissen, dass sie nicht allein sind“, sagt Eirich.

„Wir freuen uns, wenn unser Angebot angenommen wird“, sagt Moser. Alle Helfer sind über die Corona-Schutzmaßnahmen informiert worden, liefern Einkäufe mit Abstand, Handschuhen und Schutzmasken aus. Sie führen alle auch einen Ausweis der Corona Hilfe mit sich und müssen während des Einsatzes ihren Personalausweis vorzeigen. „Das schützt vor Missbrauch und gibt Vertrauen“, so Moser.

Kontakt zur Corona Hilfe in Graurheindorf: m.moser@bonn-graurheindorf.de, Telefon 0171-7490142.