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Ausstellung im Bonner Stadtmuseum: Grüße aus „Bonn-sur-le-Rhin“

Ausstellung im Bonner Stadtmuseum : Grüße aus „Bonn-sur-le-Rhin“

Eine Ausstellung im Bonner Stadtmuseum zeichnet ein Bild der Bonner Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg. Den Besucher erwartet eine eindrucksvolle Schau mit Bildern, Requisiten und Texten.

Immer wieder habe er festgestellt, sagte Horst-Pierre Bothien, Kurator der am Dienstagabend im Stadtmuseum eröffneten Ausstellung „Bonn-sur-le-Rhin - Die Besatzungszeit (1918-1926)“, dass nur wenige Bonner Kenntnis von der siebenjährigen Besatzungszeit ihrer Stadt besitzen. „Die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges überlagern diese Zeit“, so Bothien. In einer eindrucksvollen Schau von Bildern, Requisiten und Texten vermitteln sich nun dem historisch interessierten Besucher in der noch bis zum 24. Februar 2019 zu sehenden Ausstellung, die Jahre des besetzten Bonns.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und vor dem Hintergrund der neu entstehenden Weimarer Republik mit ihren tiefen politischen und gesellschaftlichen Krisen erinnert die Ausstellung an eine Zeit, in der Bonn sich in eine Soldatenstadt wandelte. Bald ist es 100 Jahre her, dass am Freitag, den 13. Dezember 1918 Bonn für alle Bewohner sichtbar besetzt wurde. Ein historisches Foto der Ausstellung zeigt eine knapp 30 Kilometer lange und sechs Stunden dauernde Marschkolonne kanadischer Offiziere und Soldaten in ihren besten Uniformen, „spit and polish“ (wie aus dem Ei gepellt), in dem Moment, wo sie Bonn mit Überquerung der Rheinbrücke erreichen.

Wenige Tage zuvor hatte am 8. Dezember die über sieben Jahre dauernde Besetzung des damals rund 93 000 Einwohner zählenden Bonns begonnen. Mit dem Beschluss des Waffenstillstandsabkommens von Compiègne am 11. November 1918 hatten alle deutschen Soldaten die linke Rheinseite bereits verlassen müssen. Bis zum Anfang 1919 wurden bereits knapp 9000 Soldaten und 1500 Pferde in Bonn untergebracht.

Da vorhandene Kasernen nicht ausreichten, beschlagnahmten die Truppen Privatquartiere, Schulen und öffentliche Gebäude. Besonders betroffen waren neben dem Zentrum, Poppelsdorf, Kessenich und Graurheindorf. Ein Stadtplan zeigt die Barackenlager in der Stadt. Für Offiziere entstanden neue Siedlungen, von denen heute nur noch einige Bauten am Kaiser-Karl-Ring und in der Dorotheenstraße erhalten sind. Teilweise befanden sich bis zu 10 000 Soldaten in der Stadt. Ihre Postkartengrüße aus „Bonn-sur-le-Rhin“ gaben der Ausstellung ihren Namen.

Der Alltag der Bonner veränderte sich. Soldaten und Soldateneinheiten streiften durch die Stadt, man ging in Gastwirtschaften, fuhr Straßenbahn, kaufte ein. Überall begegnete man sich, vielfach entwickelten sich zwischenmenschliche Beziehungen. Es entstanden Freundschaften und Liebesbeziehungen genauso, wie es auch zu erheblichen Konflikten kam. Ein separates Nebeneinander war nicht möglich. In der Ausstellung wird davon ausgegangen, dass bei den 178 unehelich geborenen Kindern von Besatzungssoldaten „eine beiderseitige Zuneigung“ zugrunde lag. Unklar ist, woher die 297 Kinder stammen, deren Mütter die Auskunft über den Kindsvater verweigerten.

„Bonn-sur-le-Rhin – Die Besatzungszeit (1918 – 1926)“ bis 24. Februar im Stadtmuseum, Franziskanerstraße 9: mittwochs 9.30 bis 14, donnerstags bis samstags 13 bis 18 Uhr, sonntags 11.30 bis 17 Uhr.