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Keine Schließungen vorgesehen: Hallen in Bonn sind gut ausgelastet

Keine Schließungen vorgesehen : Hallen in Bonn sind gut ausgelastet

Die Hallen der Stadt Bonn sind gut ausgelastet. Das geht aus einem Veranstaltungsstättenkonzept vor, das der Stadt nun vorliegt. Für Schließungen sieht ein Gutachter keinen Anlass.

Der Stadt liegt nun ein Veranstaltungsstättenkonzept vor. Auf 60 Seiten beschreibt das Kölner Beratungsunternehmen Cima den Zustand der insgesamt 55 Veranstaltungshallen im Stadtgebiet und analysiert darüber hinaus weitere 25 Stätten in der Umgebung, um auch den Wettbewerb nicht aus den Augen zu verlieren. Damit ist jetzt erst einmal ein Ausrufezeichen gesetzt. Denn die Geschichte des Bonner Hallenkonzepts hat schon langwierige Kapitel hinter sich. Das 1992 von der Politik beschlossene Hallenkonzept 2000 glich einer Bestandsaufnahme. Im Jahr 2005 beschloss die Politik ein neues Gutachten, das nun - 13 Jahre später - tatsächlich Schwarz auf Weiß zu lesen ist.

Die Kernbotschaft, die Gutachter Wolfgang Haensch am Mittwochnachmittag im Beisein von Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe zu verkünden hatte, lautet: "Die 55 Objekte in Bonn sind gut ausgelastet. Die Betreiber haben keine Schwierigkeiten, Kunden zu finden." Die Schlussfolgerung: Der Fachmann sieht keinen Überfluss und empfiehlt keine Schließungen, aber bei einigen wichtigen Hallen eine strategische Neuausrichtung. Als Stadt mit einem regen Vereinsleben seien auch die Hallen in den Stadtbezirken für das gesellschaftliche Miteinander wichtig.

Haensch sprach mehrere Handlungsempfehlungen aus, die allerdings zum Teil wenig überraschend sind: Beim Theater Bonn plädiert Cima in Anlehnung an das im September präsentierte Actori-Gutachten entweder für eine Instandsetzung von Oper und Schauspielhaus an Ort und Stelle (Kosten: 130 Millionen Euro) oder den Neubau der Oper und die Instandsetzung des Schauspiels in Bad Godesberg (Kosten: 161 Millionen). Beides sollte mit der Einrichtung einer provisorischen Interimsstätte einhergehen, um die Bauzeit kurz zu halten. "Beim Schauspiel muss man über eine weitere Nutzung nachdenken, die über die Aufführungen in den Abendstunden hinausgeht", sagte Haensch.

Auch bei der Stadthalle rät er zu einer Neuausrichtung. Eine Verkleinerung zu einem Bürgerhaus würde vermutlich zu einer Abwanderung von Veranstaltungen führen. Ein Ausbau des Tagungsbetriebs nach der notwendigen Sanierung sei sinnvoll. Für 2020 und 2021 sind insgesamt 25 Millionen Euro für die unter Denkmalschutz stehende Stadthalle vorgesehen, die während der Bauarbeiten wird schließen müssen.

Gutachter sieht Nachholbedarf bei Hallen für Rock- und Popkonzerte

Die Beethovenhalle müsse nach Fertigstellung auch "durch Gastspiele und andere Kulturveranstaltungen" gefüllt werden. Ausdrücklich betonte Sridharan, dass damit auch Karnevalsveranstaltungen gemeint seien. Das WCCB-Kongresszentrum sieht Haensch als Tagungs- und Kongresszentrum für nationale und internationale Veranstaltungen gut aufgestellt. Aus Sicht des Gutachters wäre es sinnvoll, wenn die städtische WCCB-Betreibergesellschaft BonnCC neben der Beethovenhalle auch die Stadthalle managen würde. Die übrigen städtischen Hallen könnten von den jeweiligen Trägern geleitet werden.

Einen Nachholbedarf sieht Haensch bei Hallen, die beispielsweise für Rock- und Popkonzerte geeignet sind. Das Brückenforum ist in die Jahre gekommen und bedarf bald einer Sanierung. Konzertveranstalter haben oft Probleme, weil die städtische Infrastruktur nicht den technischen Ansprüchen vieler Musiker genügt. Das "Westwerk" - der geplante Pop-Tempel in Endenich auf dem Alten Schlachthof-Gelände - wäre ein "gutes ergänzendes Angebot für 2000 bis 2500 Zuschauer", erklärte Haensch. Bezüglich der stagnierenden Verhandlungen mit der Investorengruppe um Holger Jan Schmidt (früher: Rheinkultur) gab sich Sridharan optimistisch, dass die Planungen voranschreiten.

Der OB zeigte sich ob der Nachricht, dass alle Hallen gut ausgelastet, sind "freudig überrascht". Appelbe hatte befürchtet, dass die Veranstalter, mit denen Haensch Interviews geführt hat, "möglicherweise von einer wirtschaftlichen Schieflage berichten". Die Stadt wird viele Millionen Euro in die Hand nehmen müssen, um den Sanierungsstau aufzulösen. Wie hoch dieser Sanierungsstau im Ganzen ist, kann der OB noch nicht absehen. Das Gutachten müsste nun evaluiert und in den politischen Gremien diskutiert werden, um dann in ein tatsächliches Handlungskonzept zu münden.