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Hardtbergbad in Bonn: So lief der Saisonauftakt im Freibad

Lebenselixier nicht nur für Nixen : So lief der Saisonauftakt im Bonner Hardtbergbad

Wie in allen Freibädern dürfen die Gäste auch nur in Schichten ins Hardtbergbad. Maximal 500 Besucher auf einmal sind hier erlaubt. Die Online-Buchung bereitet indes noch so manchem Badegast Probleme.

„Nein!“, lacht die agile Seniorin, die soeben das Wasser des Hardtbergbads verlassen hat. „Wir sind keine Wasserratten“, sagt sie, das sei keine schöne Bezeichnung. Ihre Schwimmfreundin Martina Webelhaus (59) hat sofort eine liebenswertere Version parat: „Wir sind alle Hardtbergbad-Nixen.“ Sie ist froh, dass nun auch das Freibad auf dem Hardtberg wieder geöffnet ist. Mit ihr konnten sich am Samstag vor Pfingsten rund 110 Badegäste darüber freuen, dass die knapp drei Millionen Liter Wasser in den vier Becken des hoch über Bonn gelegenen Freibads wieder zum Sport oder zur Abkühlung bereit standen. 

Bei einer Außentemperatur von 22 Grad konnte allerdings bei gleicher Wassertemperatur von einem Abkühlungseffekt noch nicht die Rede sein. „Da braucht auch nur eine Wolke am Himmel zu sehen sein“, sagt Schwimmmeister Jürgen Wohlfarth, „da brechen die Besucherzahlen sofort ein.“

Am Eröffnungstag waren jedoch nicht die kleinen Cumulus-Wölkchen an einem ansonsten strahlend blauen Himmel für das eher leer wirkende Freibad verantwortlich, sondern die durch die Corona-Pandemie notwendig gewordenen Einschränkungen. Statt den bis zu 4000 Gästen, die sich an heißen Tagen im Hardtbergbad tummeln, sind bis auf Weiteres nur jeweils 500 Personen pro Zeitblock zugelassen. Am Wochenende gibt es davon zwei: Am Vormittag von 10 bis 14 Uhr und nachmittags von 15 bis 19 Uhr. Dazwischen bleibt den Bad-Angestellten eine Stunde zur Desinfektion und Säuberung der gesamten Anlage. An den Wochentagen kommt noch eine dritte Frühschicht dazu, in der die Unentwegten von 6.30 bis 9 Uhr schwimmen können.

Gabi Petzer (75) gehört dazu. Sie ist glücklich, nun endlich wieder ihr Bad benutzen können. „Hier gehe ich fast täglich seit 1982 schwimmen. Das ist für mich Lebenselixier“, sagt sie. Die Freude, nun wieder täglich ihre Bahnen ziehen zu können, ist nur durch den Umstand getrübt, dass der Eintritt ins Bad nur noch über eine Online-Buchung funktioniert. „Ob ich hier morgen wieder reinkomme, ist mir noch völlig unklar“, sagt sie. Sie wisse einfach nicht, wie sie die in ihrem Handy gespeicherte Legitimation aufrufen kann, die sie  beim Betreten vorzeigen muss. Ihre Kinder haben ihr den Zugang für den ersten Tag eingerichtet.

Auch weitere Tage hat sie bereits gebucht und bezahlt. Dass sie in Corona-Zeiten keine Saisonkarte mehr kaufen kann, ist für sie ein zusätzliches Ärgernis. Mit dem nun täglich zu entrichtenden Eintrittspreis von 2,50 Euro zahle sie nun „mindestens das Doppelte“ wie in früheren Zeiten. „Ich habe dem Bäderchef auch schon geschrieben“, winkt Petzer resignierend ab, dass sie darauf nur „eine der üblichen Antworten“ bekommen habe, die ihr Problem nicht löst. „Und trotzdem“, sagt sie, „ist es schön, dass wir wieder hier sein können. Ich liebe das Bad.“

Wen auch immer man in dem Bad nach seinen Sorgen zu einer möglichen Ansteckungsgefahr durch Covid-19 fragt – für niemanden scheint die Badefreude getrübt zu sein. „Es wird hier doch alles dafür getan, dass nichts passieren kann“, ist sich Zaza Maskaric (45) aus Lengsdorf sicher. „Nur die Sperrung von Düne und Strandkörben ist doch übertrieben“, sagt ihr Begleiter und fügt an, dass es doch reiche, den Abstand einzuhalten. „Da haben wir kaum jemand dran zu erinnern“, bestätigt auch Wohlfarth. Die Gäste würden sich meist alle an die Regeln halten. Wie andernorts auch, sind alle Wege nur ohne Begegnungsverkehr zu gehen; Duschen und Toiletten sind teilweise gesperrt, um auch hier die gebotenen 1,50 Meter Abstand einzuhalten.

In den Schwimmerbecken sind die Bahnen getrennt, so dass auch dort nur hintereinander geschwommen werden kann. Eine Ansteckungsgefahr wird weder von den Vielschwimmern noch von dem Schwimmmeister gesehen. In Sachen Hygiene ist Wohlfarth nicht erst seit Corona Profi. Er sorgt dafür, dass der desinfizierende Chlorgehalt über die automatische Steuerung der Chlorgasanlage bei konstanten 0,6 Milligramm pro Kubikdezimeter Wasser liegt. „Unser Badewasser“, sagt er, „ist damit fast besser als unser Trinkwasser.“