Lösung für verschmutzte Bahnsteige gesucht Der Bonner Hauptbahnhof hat ein Taubenproblem

Bonn · Schmutz durch Tauben sind ein Ärgernis im Hauptbahnhof Bonn. Taubenhäuser könnten helfen. Aber werden die wirklich umgesetzt?

 Tauben fühlen sich in der Bonner Innenstadt besonders wohl. Am Bahnhof wird ihr Kot zum Problem.

Tauben fühlen sich in der Bonner Innenstadt besonders wohl. Am Bahnhof wird ihr Kot zum Problem.

Foto: Benjamin Westhoff

Der Bonner Hauptbahnhof ist ein Refugium für Tauben, die dort, wo sie sind, auch Dreck produzieren. Vor allem am Treppenaufgang und Geländer zu Gleis 5 sowie im Raum unter der neuen Fußgängerbrücke zu Gleis 1 nimmt der Taubendreck überhand. Der verkehrspolitischen Sprecher der Bonner Grünen, Rolf Beu, und der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Rainer Bohnet, machen darauf aufmerksam, dass sich die Tauben zu einem hygienischen Problem entwickelt hätten und Reisende der Bahn massiv störten.

Forderung an die Deutsche Bahn

In einer Mitteilung fordern sie die Deutsch Bahn (DB) auf, „Taubenhäuser aufzuhängen, in die sich die Vögel zurückziehen können. Hierdurch kann es gelingen, das Problem in den Griff zu bekommen." Sie wünschen sich außerdem Unterstützung von der Stadt Bonn für ihre gemeinsame Initiative.

Die Pressestelle der DB teilte dem GA auf Anfrage mit, dass sie bereits gegen das Problem vorgehen wolle, dies jedoch schwerer sei, als es auf den ersten Blick erscheine. So sei die Fütterung der Stadttauben durch Reisende das „Hauptproblem“, berichtete ein Sprecher. Laut Hausordnung der DB ist das Füttern von Vögeln, Nagetieren und anderen Wildtieren untersagt.

Der Sprecher erklärte, zusätzlich entstehe durch die Reisenden am Bahnhof viel Müll, unter anderem auch Essensreste, von denen sich die Tiere ernährten. Ein weiterer Grund für die Verschmutzung sei das leerstehende Parkhaus hinter Gleis 5 an der Quantiusstraße, in dem sich besonders viele Tauben angesiedelt hätten. Dieses Parkhaus soll, wie berichtet, bald abgerissen werden.

Bahn plant kein Taubenhaus in Bonn

Die Errichtung von Taubenhäusern zieht die Bahn zwar in Betracht, wobei allerdings die richtige Distanz zum Bahnhof beachtet werden müsse. Des Weiteren müsse die Ursachenbekämpfung tierschutzgerecht ablaufen, so der Sprecher der DB. Aktuell gebe es seitens der Bahn keine Planung für Taubenhäuser in Bonn. Am Wichtigsten ist aber nach Einschätzung der Bahn, die Ursache durch Einhaltung des Fütterungsverbotes in den Griff zu bekommen.

Das Taubenfüttern ist auch an anderen Stellen in der Stadt ein Problem. Immer wieder werden große Mengen Brot und Körner an Baumscheiben und auf Plätzen in der Innenstadt ausgelegt. Für die Arbeitsgruppe Stadttauben ist das Fütterungsverbot allein allerdings keine langfristige Lösung, da die Taube ein standorttreues Tier sei. „Eher verhungert sie” als an einen anderen Ort zu ziehen, erklärt der Verein auf seiner Internetseite. Zudem gebe es bei Tauben einen Brutzwang, wodurch sie unabhängig von den äußeren Bedingungen immer wieder Nachwuchs ausbrüten.

Taubenhäuser als Lösung

Als Lösung bleiben Taubenhäuser, in die sich die Tiere zurückziehen können. Dabei landen 80 bis 90 Prozent des Taubenkotes im Taubenschlag und nicht auf den Straßen, so die Arbeitsgemeinschaft. Auch kann die Population durch den Tausch der Eier gegen Gipseier kontrolliert werden. Der Bonner Verein verweist auf die Erfolge der Stadt Augsburg. Die hat nach eigenen Angaben zehn Taubenschläge und zwei Taubentürme gebaut, „in denen die Tauben versorgt und ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden".

Die Stadt Bonn, die schon in Bad Godesberg ein Taubenhaus errichtet hat, kooperiert in puncto Sauberkeit mit der Deutschen Bahn. Isabel Klotz vom Presseamt berichtete, dass die Stadt seit Langem das Konzept einer langfristigen, ökologisch ausgeglichenen und artgerechten Bestandsregulierung der Taubenpopulation mithilfe von Taubenhäusern verfolge. Der Hauptausschuss hatte die Verwaltung im März 2021 beauftragt, am Zentralen Omnibusbahnhof Bonn ein mobiles Taubenhaus zu errichten. „Die Aufstellung und auch die Organisation der Betreuung dieses Taubenhauses befindet sich derzeit in der Umsetzung“, so Klotz.

Illegale Fütterung nimmt zu

Der Erfolg der Taubenhäuser werde allerdings „durch zunehmende illegale Fütterung erschwert“. Klotz weist darauf hin, dass das Füttern von Stadttauben in Bonn grundsätzlich verboten ist. „Es werden immer wieder Verstöße gegen das Fütterungsverbot festgestellt beziehungsweise gemeldet, besonders häufig in der Unterführung zur Herwarthstraße und in den Fußgängerzonen“, so Klotz. Der Stadtordnungsdienst achte auf seinen täglichen Streifen darauf, ob die Fütterungsverbote eingehalten werden.

Die Nachverfolgung sei jedoch sehr schwierig, weil das Futter nachts illegal verteilt werde. „Die anonymen Fütterer streuen das Futter mittlerweile auch an für die Reinigungskräfte schwer zugängliche Stellen, damit das Futter nicht so leicht entfernt werden kann“, so die Mitarbeiterin des Presseamts. Seit die Stadt Anfang 2022 im Gehwegbereich der Nordunterführung/Herwarthstraße Taubenvergrämungen angebracht habe, seien keine Beschwerden mehr bekannt. Bonnorange reinige dort zudem regelmäßig.

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