Versammlung von Haus&Grund Bonn Was tun mit kiffenden Mietern?

Bonn · Der Präsident von Haus & Grund Deutschland Kai Warnecke sprach bei einer Mitgliederversammlung über die Pläne der Ampel-Koalition. Mitglieder informierten sich über Themen wie die Heizungsmodernisierung, Cannabis-Legalisierung und Erbstreitigkeiten.

 Kai Warnecke (l.) berichtet den Mitgliedern von Haus & Grund Bonn/Rhein-Sieg von den politischen Vorgängen in Berlin. Dirk Vianden hört aufmerksam zu.

Kai Warnecke (l.) berichtet den Mitgliedern von Haus & Grund Bonn/Rhein-Sieg von den politischen Vorgängen in Berlin. Dirk Vianden hört aufmerksam zu.

Foto: Stefan Knopp

Es gibt gute Gründe, Hauseigentümer zu sein. Idealerweise ist die Immobilie abbezahlt, man kann selbst über die Gestaltung entscheiden und hat vielleicht auch noch monatliche Mieteinnahmen. Eigentum bedeute Freiheit, sagte Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund, bei der 21. Veranstaltung des Bonner Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins im Beueler Brückenforum. Aber dieser Menschenschlag habe aktuell auch mit diversen Herausforderungen zu kämpfen, und dahingehend bot die Veranstaltung am Samstag vielen von ihnen ein bisschen Orientierung.

Warnecke spricht über die energetische Sanierung

Für einen Bonner Eigentümer von Miethäusern sind die Mietpreisbremse und die örtlichen Vergleichsmieten ein wichtiges Thema, „weil die Einnahmeseite erhöht werden muss, um die Kosten der energetischen Sanierung zu bezahlen“, wie er sagte. Die Ausgaben seien derzeit hoch und gleichzeitig werde alles dafür getan, dass die Eigentümer weniger einnehmen. Natürlich haben Mieter die Sorge, dass ohne die Mietpreisbremse enorme Mehrkosten auf sie zukommen. „Aber als Vermieter hat man ähnliche Befürchtungen“, meinte er. Letzten Endes nerve ihn die Komplexität der Bürokratie, weil es schwer sei, alles zu verstehen, umzusetzen und förderfähig Kosten erstattet.

Warnecke, der die Eigentümer auf Bundesebene vertritt, gab in seinem Festvortrag über die Wohnungspolitik der Ampel-Koalition einen Überblick über die Fördermaßnahmen, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) für die Anschaffung moderner Heizanlagen bietet. Man könne bis zu 70 Prozent der Kosten zurückbekommen, außerdem 80 Prozent der Kosten für eine fachlich kompetente und uneigennützige Energieberatung. Er empfahl die Spezialisten, die auf der Liste des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) stehen.

Heizungstausch beschäftigt Vermieter

Das Thema Heizungstausch brannte einem Vermieterpaar aus Bonn unter den Nägeln. „Das steht in einem Objekt an. Die Ölheizung ist gut 27 Jahre alt.“ Perspektivisch müssten sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen, sagten sie. Da waren sie im Fachvortrag von Sabine Breil gut aufgehoben: Die Energieberaterin bei der Bonner Energie Agentur bemühte sich, den Immobilieneigentümern mit technischen Fakten die Angst vorm Heizungstausch zu nehmen.

Peter Schmitz derweil, der nicht in Bonn wohnt, aber Miethäuser in der Bundesstadt hat und zum ersten Mal bei der Mitgliederversammlung war, interessierte sich dafür, wie es wohl mit der Grundsteuer weitergeht. „Man muss abwarten, wie sie erhöht wird.“ Diesbezüglich ist Haus & Grund laut Warnecke aktiv: Man wolle mit gut drei Millionen Einsprüchen von Eigentümern im Rücken die Regierungspläne gerichtlich beim Bundesverfassungsgericht prüfen lassen, weil man diese Maßnahme für verfassungswidrig hält – ebenso wie die erneute Verlängerung der Mietpreisbremse.

Warnecke kritisierte, das Heizungsgesetz der Ampel sei „ein desaströses Gesetzgebungsverfahren“ gewesen, dessen erste Version Haus & Grund noch habe verhindern können. Er freute sich, dass der Versuch, die Mietpreise „nach unten zu manipulieren“ und die Senkung der Kappungsgrenze nicht ins Mietrecht eingehen würden. Der Bundesjustizminister habe den Fehler eingesehen. Diese Einsicht erhoffe er sich bei der Koalition auch in Sachen Heizungsgesetz, Grundsteuer- und der Grunderwerbssteuererhöhung: Diese erschwere es jungen Menschen, Eigentum zu erwerben. „Der Ersterwerb einer Immobilie sollte immer grunderwerbssteuerfrei sein!“ Und ein unbebautes Grundstück müsse auch leer versteuert werden. Bei der Modernisierung der Heizungsanlagen rief er die Eigentümer auf, Ruhe zu bewahren und sich erst dann beraten zu lassen, wenn es nötig wird.

Eine Frage nach dem Vortrag drehte sich darum, wie Vermieter nach der Cannabis-Legalisierung mit kiffenden Mietern umgehen sollen. Das sei juristisches Neuland, sagte Warnecke: Kiffen habe jetzt den Status von Rauchen und Biertrinken, und das sei ja erlaubt, solange andere Mieter nicht beeinträchtigt werden. Aber eine Cannabis-Plantage dürfe man in der Wohnung immer noch nicht anlegen. Das Thema treibt die Eigentümer um: Auch eine andere Teilnehmerin zeigte sich unsicher, wie man sich da verhält. „Als Vermieter kann man sich glücklich schätzen, wenn man nur Nichtraucher im Haus hat.“

Es gab weitere Vorträge, zum Beispiel einen Überblick über die kommunale Wärmeplanung, die BonnNetz als Stadtwerke-Tochter derzeit erarbeitet und über Einbruchsicherheit. Daneben fand man Info-Stände von den SWB, der Energie Agentur und zur Immobilienberatung. Unter anderem herrschte viel Betrieb bei Markus und Manuela Falkenbach vom Immobilienbüro Schwarz. Sie informierten über das Erbrecht in Immobilienangelegenheiten: Immer wieder hätten Erbengemeinschaften von Eigentumshäusern unterschiedliche. „Dann ist der Makler ein super Mediator“, sagten sie. Man müsse alle Parteien an einen Tisch bekommen. „Es ist wichtig, dass jemand Externes mit Kompetenz das koordiniert.“

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