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„Du siehst nicht aus wie Audrey Hepburn“: Heide Keller stellt neues Buch in Bonn vor

„Du siehst nicht aus wie Audrey Hepburn“ : Heide Keller stellt neues Buch in Bonn vor

In ihrem Buch schildert Heide Keller ihren Weg vom rheinischen Elternhaus zum Traumschiff. Das mündet regelrecht in Liebeserklärungen an Eltern, Großeltern, Tanten und ihre jüngeren Geschwister.

Kaum dass Heide Keller an diesem Leseabend im Contra Kreis erschien, waren schon die „Bravo“-Rufe ihrer Fans zu hören. Auf genau dieser Bühne hat die Diva, die über Jahrzehnte beim ZDF als Chefstewardess Beatrice vom „Traumschiff“ aus in die Wohnzimmer der Nation kreuzte, unzählige Theatererfolge gefeiert. „Ich war lebenslang ein bisschen in ihn verliebt. Aber das werde ich nie zugeben“, zitierte Keller aus ihrem neuen Buch „Traumzeit und andere Tage“ eine charmante Hommage an Contra-Kreis-Chef Horst Johanning, der im Parkett lächelte. Statt in blitzweißer Beatrice-Uniform stand sie bei diesem Heimspiel im eleganten Hosenanzug im Scheinwerferlicht. Und eigentlich hatte „die Keller“ das Fischen nach Komplimenten gar nicht nötig: „Blöd, wenn man beim Auftritt beschissen aussieht. Ich hoffe, das ist heute nicht der Fall.“

Liebeserklärungen mit Humor gepfeffert

Ein langgezogenes „Nein“ ging sofort die Reihen. Und es konnte losgehen mit Kellers Zeitreise durch ihre Vita. „Hier sitz` ich und kann nicht anders“, begann sie grinsend frei nach Martin Luther. In den ersten Sitzreihen waren wichtige Menschen ihres Leben platziert. Und plötzlich erdete sich die Lady ohne jede Allüre als leidenschaftlicher Familienmensch.

Sie verlas regelrechte Liebeserklärungen an die Eltern, Großeltern, Tanten und ihre jüngeren Geschwister. Wenn sie sie natürlich auch mit dem ihr eigenen spitzen Humor pfefferte: „Meine Probleme mit den Männern fingen früh an“, leitete sie etwa die Passage über die Geburt des Brüderchens ein. „Männer sind nicht immer das, was man sich von ihnen verspricht“, kam hinterher, auch wenn es hier um ein schrumpeliges Neugeborenes ging. Im Publikum wurde geschmunzelt.

Keller entpuppte sich aber auch als scharfzüngige Beobachterin der Ränke, die sich auf den Bühnen der Welt zu entwickeln pflegen. Dabei wollte das Mädchen aus gutbürgerlicher rheinischer Familie, das von den barfüßigen Stars an der Cote d'Azur träumte, schon immer Schauspielerin werden. Obwohl der Jugendfreund ihr steckte: „Du siehst aber nicht aus wie Audrey Hepburn.“ Die immer fraulichere Keller fragte sich trotzdem zum Düsseldorfer Schauspielhaus durch – und eroberte irgendwann auch ihre Traumrollen: die Julia, die Heilige Johanna und Irma la Douce. „Mein Romeo hieß Thomas“ ließ Keller die Beziehung zum späteren Ehemann anklingen. „Die Liebe ist immer geblieben, aber unsere Kräche waren bühnenreif“, garnierte sie das.

Aufs Traumschiff brachte sie ihre Schlagfertigkeit

Und dann trat Wolfgang Rademann sowohl in ihr Leben als auch in ihre Lesung – „ein Herz auf zwei Beinen“. Der eigenwillige Starproduzent war seinerzeit auf der Suche nach „der allerersten Sahne von Schauspielern“. „Was mich an Ihnen irritiert: Keine Sau kennt Sie“, habe er sie berlinernd provoziert. „Wenn Sie mich jetzt nicht nehmen, kennt mich weiter keine Sau“, habe sie dem „Traumschiff“-Macher schlagfertig geantwortet. Den Rest kennt die Fernsehwelt.

Und schließlich ortete sich Keller, die Privatperson, noch in liebevollen Worten in „meinem Muffendorf“. Von Winzerin Irene Diederichs, der „heimlichen Königin meines Dorfs“, schwärmte sie. Diederichs in der ersten Reihe freute sich. Und auch das „schönste Blumengeschäft der Welt“, Blumen Thalheim in der Muffendorfer Hauptstraße, bekam eine Hommage: Drei Frauengenerationen hätten den Laden zu einem „Dorfplatz wie in südlichen Ländern“ geformt. „Hier kann ich mir meine Blumen der Woche einzeln aussuchen und trage sie dann glücklich heim“, seufzte Keller. Und war plötzlich ganz Mensch.

„Traumzeit und andere Tage“ ist im Handel für 19,99 Euro erhältlich.