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Heinsberg-Studie von Streeck: Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt nicht gegen Virologen

Nach Strafanzeige : Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen gegen Bonner Virologen Streeck ab

Die Bonner Staatsanwaltschaft nimmt keine Ermittlungen gegen den Bonner Virologen Hendrik Streeck auf, nachdem eine Strafanzeige gegen ihn eingegangen war. Es sei kein strafbares Verhalten erkennbar.

Nach Prüfung einer Strafanzeige gegen den Bonner Virologen Hendrik Streeck hat die Bonner Staatsanwaltschaft die Aufnahme von Ermittlungen abgelehnt. Es sei kein strafbares Verhalten festgestellt worden, das Ermittlungen rechtfertigen würde, sagte Pressesprecher Sebastian Buß dem GA am Freitagmorgen. Auf Twitter kündigte der Anzeigensteller an, Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen.

Bei der Bonner Polizei war zuvor eine Strafanzeige gegen den Bonner Virologen Hendrik Streeck eingegangen. Auch der Bonner Staatsanwaltschaft liegt das Schreiben seit Donnerstagmorgen vor. Diese hatte am Donnerstag angekündigt, die Strafanzeige zunächst zu prüfen. Die Prüfung einer Anzeige ist üblich. Erst in einem weiteren Schritt entscheidet die Staatsanwaltschaft dann, ob die Anzeige stichhaltig ist und ob überhaupt Ermittlungen aufgenommen werden.

Nach GA-Informationen handelt es sich bei der Anzeige um ein 100 Seiten umfassendes Dokument. Der Verfasser, der sich selbst als Wissenschaftler ausgibt und nach ersten Erkenntnissen in einer Stadt bei Stuttgart lebt, soll Streeck darin unter anderem vorwerfen, im Zusammenhang mit der Heinsberg-Studie Forschungsergebnisse erfunden und Falschangaben gemacht zu haben. Die Uni Bonn wollte den Vorgang mit Blick auf das schwebende Verfahren nicht kommentieren.

Parallel zu der Anzeige berichtet die Wirtschaftszeitschrift „Capital“ auf ihrem Online-Portal über angebliche „neue Ungereimtheiten“ im Zusammenhang mit der Heinsberg-Studie. In dem Artikel geht es unter anderem um scheinbar widersprüchliche Angaben zu Daten, an denen der Ethik-Ausschuss der Uni Bonn Grünes Licht für die Durchführung der Studie gegeben habe. In Frage gestellt wird auch die Schnelligkeit des Ethik-Verfahrens. Außerdem habe sich nach Veröffentlichung eines Zwischenberichts ein Hinweisgeber aus der Wissenschaft an die Uni Bonn und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gewandt. Sein Vorwurf gleichfalls: „Erfindung von Forschungsergebnissen“, weil die Forscher um Streeck bei der Studie keine Daten erhoben hätten – und sich die Forscher weigerten, ihm ihre Rohdaten zur Überprüfung bereit zu stellen. Nach Angaben von „Capital“ überprüft die DFG die Vorwürfe. Ob es sich bei dem anonymen Hinweisgeber und dem Urheber der Anzeige gegen Streeck um dieselbe Person handelt, ist unklar.

Der Direktor des Uniklinikums Bonn, Wolfgang Holzgreve, hatte am Donnerstag vor einer Überbewertung des Vorgangs gewarnt. „So etwas gibt es halt“, sagte Holzgreve dem General-Anzeiger. „Jeder hat das Recht eine Anzeige zu stellen.“ Besorgt zeigte sich Holzgreve eher wegen der zunehmenden Vorwürfe gegen Wissenschaftler. „Es ist schon erstaunlich, was Menschen heute aushalten müssen. Manche Virologen haben ja sogar Morddrohungen bekommen. Ich glaube, damit müssen wir leben.“

Streeck ist Professor für Virologie und leitet das Institut für Virologie und HIV-Forschung an der Uniklinik Bonn. Seine Heinsberg-Studie hatte nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse für Furore gesorgt, weil unter anderem damit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) seinen Lockerungskurs im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen begründet hatte. Bald gab es aber auch Kritik an der  Methodik der Studie, ihren Resultaten sowie den Schlussfolgerungen der Landesregierung. Streeck selbst hat sich neben dem Berliner Virologen Christian Drosten als einer der einflussreichsten Ratgeber für die Politik etabliert.