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Probealarm der Bonner Feuerwehr: Heulen war gestern

Probealarm der Bonner Feuerwehr : Heulen war gestern

Rettungsdienste und Stadt rüsten sich für Gefahrenlagen. Bürger sollen so umfangreich wie möglich. Von den 140 Sirenen, die es noch zu Zeiten des Kalten Kriegs in Bonn gab, sind gerade einmal 44 übriggeblieben.

Das Feuerwehrauto fährt in Röttgen an einem Wohnblock entlang. Für den Mann, der am Balkon steht, ist die Durchsage aus dem Lautsprecher wohl zu laut. „Muss das denn sein?“, brüllt er. Im gleichen Moment flucht ein Lastwagenfahrer, der hinter dem langsamen Feuerwehrwagen fährt. Zwar ist es nur ein Probealarm, „doch von vielen ernten wir dafür nur Unverständnis“, sagt Löscheinheitsführer Ralf Broch.

Eine halbe Stunde lang heulten die Sirenen am Samstag in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, in den Lokalradios gab es Notfalldurchsagen, die Feuerwehren patrouillierten durch die Straßen. „Das ist nicht nur wichtig, um die Geräte zu testen, sondern auch um die Bevölkerung zu sensibilisieren“, erklärt Broch. Viele Menschen wüssten mittlerweile nicht mehr, was im Ernstfall zu tun sei. Zum Beispiel dann, wenn ein alle zwei Sekunden an- und abschwellender Ton erklingt.

Deswegen rüsten die Katastrophenschützer und Feuerwehren in der Region auf. „Wir versuchen, auf so vielen Kanälen wie möglich Informationen zu verbreiten“, sagt Martin Haselbauer von der Bonner Feuerwehr. So warnte die Stadt zusätzlich auf ihrer Internetseite, via Twitter, Facebook und mit der App Nina. „Dadurch können wir genaue Anweisungen geben und auf die Gefahrenlagen explizit hinweisen“, erklärt Haselbauer. Das klassische Heulen der Sirene funktioniert dann nur noch als Weckruf.

Aber auch der ist in die Jahre gekommen. Von den 140 Sirenen, die es noch zu Zeiten des Kalten Kriegs in Bonn gab, sind gerade einmal 44 übriggeblieben. Seit der Bund den Betrieb an die Kommunen abgegeben hat, werden sie wegen Sparmaßnahmen abgebaut. Haselbauer gibt offen zu, dass die Sirenen vernachlässigt wurden. „Deshalb bessern wir jetzt nach.“ In den kommenden Jahren werden aus städtischen Mitteln neue stationäre Hochleistungssirenen aufgestellt. Insgesamt sollen es 70 werden.

Die können dann nicht nur einfache Töne, sondern auch Durchsagen abspielen. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu den alten Modellen können die neuen ausgerichtet und der Schall somit gelenkt werden. Doch das System hat Schwächen. Die zeigten sich auch in Röttgen. Zwar steht die Sirene nur knapp 200 Meter entfernt, an der Hauptstraße ist sie allerdings durch den Verkehr kaum zu hören. „Sind zu Hause die Fenster zu, kriegt man davon gar nichts mit“, sagt Ralf Broch. Seine Wehr hat deshalb, wie jede der knapp 20 Löscheinheiten in Bonn, eine mobile Sirene bekommen. „Mobela“ ist so groß wie ein Fußball und kann mit einem Magnetfuß auf jedem Autodach befestigt werden.

Am Samstag wurden die mobilen Geräte erstmals mit neuen Ansagen getestet. Die sind seit Kurzem in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis identisch und wurden von Jörg Bertram, Chefredakteur von Radio Bonn/Rhein-Sieg, eingesprochen. „Wir hatten vorher eine Computerstimme, die war viel schlechter zu verstehen“, sagt Broch. Das bestätigten auch die Bürger. Durch die Einheitlichkeit können die mobilen Sirenen außerdem überall eingesetzt werden, wie etwa zuletzt beim Bombenfund in Beuel. Dann wird nur noch in Warnbezirken, die in einem dicken Ordner abgelegt sind, auf festgelegte Routen gewarnt. Beim Probelauf haben Broch und seine Kameraden wieder etwas Neues festgestellt. „Wir müssen die Sirene weiter nach hintern auf das Dach stellen, sonst blockiert das Blaulicht den Schall.“ Und je langsamer man fährt, desto besser sind die Durchsagen zu verstehen.