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Krieg in der Ukraine: Hilfstransport bringt ukrainische Kinder nach Bonn

Krieg in der Ukraine : Hilfstransport bringt ukrainische Kinder nach Bonn

Schockiert ist Nelly Grunwald, Geschäftsführerin des Vereins für Gefährdetenhilfe, immer aufs Neue, wenn sie einen Hilfstransport in die Ukraine begleitet. Das Leid der Menschen in den umkämpften Gebieten geht ihr nahe. Diesmal hat sie sich mit dem in Bonn lebenden Ukrainer Vitaliy Krusch auf den Weg gemacht.

Nicht zum ersten Mal hat Nelly Grunwald einen Hilfstransport in die Ukraine begleitet. „Aber ich bin immer noch schockiert, wenn ich mit den Menschen vor Ort spreche. Man kann nur erahnen, wie sehr diejenigen, die in den umkämpften Regionen leben, seit Monaten leiden“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins für Gefährdetenhilfe (VFG).

Erneut ist ein von dem in Bonn lebenden gebürtigen Ukrainer Vitaliy Krusch organisierter Konvoi Richtung Sokal in der Region Lviv gestartet. Dabei brachte die Delegation aus der Bundesstadt auch ein Fahrzeug in die Ukraine, das der VFG zur Verfügung gestellt hat. „Das Auto haben wir in unserer Werkstatt zuvor generalüberholen lassen“, berichtet Nelly Grunwald nach ihrer Rückkehr in Bonn. Unterstützt wurden der Transport außerdem von Dieter Brandes und Matthias Straub vom Verein Menschenfreude aus Alfter. Seit Ausbruch des Kriegs fuhren unter der Federführung von Vitaliy Krusch bereits fünf Hilfskonvois Richtung Ukraine.

Sechs Fahrzeuge mit sieben Tonnen Hilfsgütern

Diesmal waren die insgesamt sechs Fahrzeuge mit rund sieben Tonnen Hilfsgütern - Lebensmittel, Medikamente, medizinische Geräte, Kleidung, Schulmaterial und Feldbetten - beladen. Bestimmt waren sie für Kiew, Lviv sowie Orte in der Ost- und Südukraine. Die humanitären und medizinischen Güter sowie die Fahrzeuge spendeten neben dem Verein für Gefährdetenhilfe die Bonner Uniklinik und der Verein Menschenfreude. Vorherige Hilfstransporte wurden finanziell auch durch die Aktion Weihnachtslicht des General-Anzeigers unterstützt.

In der Stadt Sokal steuerte die Delegation direkt ein regionales Krankenhaus, eine Therapieeinrichtung für Drogen- und Alkoholabhängige sowie ein Inklusivzentrum an. Dort leben Kinder mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung. Ihnen wollte die Bonner Delegation die Spenden persönlich überreichen und sich über die Arbeit der Einrichtungen vor Ort informieren. Ein weiteres Ziel war ein Heim, in dem Menschen, die aus der Ostukraine geflüchtet sind, untergebracht werden.

Kriegstrauma und Suchtfolgen

Die Geschäftsführerin des Vereins für Gefährdetenhilfe interessierte sich besonders für die Hilfe, die Suchtkranke bekommen. „Wir haben uns informiert, wie man lokale Therapieeinrichtungen in Zukunft gezielt unterstützen kann“, berichtet Nelly Grunwald im GA-Gespräch. Denn trotz des Krieges wolle man sich besonders um die Menschen kümmern, die neben den traumatischen Erlebnissen durch den Krieg auch mit den Folgen ihrer Sucht zu kämpfen haben. Inzwischen gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Verein für Gefährdetenhilfe, der Initiative Solidarität Bonn-Ukraine und der Stadt Sokal.

Auf dem Rückweg nahmen die Bonner acht Flüchtlinge aus der Ost- und der Südukraine, darunter drei Kinder, mit nach Deutschland. Sie wurden von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Bonn aufgenommen und leben mittlerweile bei Familien.

78 Ukrainer nach Deutschland gebracht

Seit Beginn des Krieges hat Vitaliy Krusch gemeinsam mit vielen Mitstreitern bereits mehr 160 Tonnen medizinische und humanitäre Hilfsgüter, 25 Fahrzeuge, darunter 15 Rettungswagen, in umkämpfte Regionen gebracht. Für 78 Ukrainer – darunter mehr als 40 Kinder – organisierte er den Transport aus Polen und der Ukraine nach Deutschland. „Die Begegnung mit den Menschen und die vielen emotionalen Reaktionen auf unseren Besuch haben mich sehr berührt“, sagt Grundwald nach ihrer Rückkehr.