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Homeoffice: So erlebt Chefin vom Dienst Sylvia Binner ihren Arbeitstag

Puschen statt Pumps : So erlebt unsere Chefin vom Dienst das Homeoffice

Durch das Coronavirus müssen derzeit viele Deutsche ins Homeoffice ausweichen. Unter ihnen ist auch Sylvia Binner, Chefin vom Dienst beim General-Anzeiger. Wie erlebt sie die derzeitige Situation?

Arbeiten im Homeoffice klingt gut, ist aber dann doch eine Gewöhnungssache. Gerade, wenn die Heimarbeit so plötzlich über einen hereinbricht. So plötzlich wie das Coronavirus, das Schweiz-Rückkehrer wie mich und meinen Mann zur Vorsicht unter Quarantäne stellt. Jens Spahn sei Dank, der es in seiner Rolle als Bundesgesundheitsminister für geboten hält, dass nicht nur Reisende, die aus Krisengebieten wie Südtirol zurückkommen erstmal separiert gehören. Und mein Mann, der vor der Schweiz in Tirol weilte, steht sowieso gleich doppelt unter Verdacht. Und für uns beide heißt das: doppeltes Homeoffice.

Seitdem glühen die Drähte. Stundenlange Meetings absorbieren Datenmengen, Ladekabel überall, denn auch der Stromverbrauch steigt kräftig an. Im Einsatz zwei Laptops, zwei iPads, vier iPhones und die ganze bunte Welt der Büro-Anwendungen, Konferenztechniken und Kommunikationskanäle. Zugegriffen über Citrix oder Pulse, Videokonferenzen über GoToMeeting oder Teams, Telkos oder Skype, Slack, WhatsApp und und und

Das geht von morgens – heute startete das erste Online-Meeting unserer brandneuen Büropartnerschaft um 8.30 Uhr -- und das Ende des Arbeitstags ist um 17 Uhr noch nicht in Sicht. Langeweile? Fehlanzeige. Pause machen ebenfalls.

Homeoffice klingt so kuschelig. Ist es aber meistens nicht. Auch wenn die Versuchung groß scheint, die Disziplin etwas schleifen zu lassen. Zum Beispiel bei der Kleidung. Sieht doch keiner, wenn sich der Heimarbeiter im Jogginganzug an den Computer setzt. Wer das denkt, hat die Rechnung ohne die inzwischen so beliebten Videokonferenzen gemacht. Wie sieht es da aus, wenn der Kollege Anzugträger dem Chef verschlafen und zerzaust entgegenblickt? Welchen Eindruck hinterlässt die sonst immer aus dem Ei gepellte Kollegin, wenn sie sich ungeschminkt und im Sweatshirt am Frühstückstisch sitzend zuschaltet?

Da ist Haltung gefragt – gepaart mit Oberhemd oder korrektem Blüschen. Ob allerdings unter dem Tisch die Leggings Bequemlichkeit verströmt oder die Jogginghose signalisiert, dass wir die Kontrolle über unser Leben zu verlieren drohen? Wer weiß das schon? Und Karl Lagerfeld, der uns einst modische Korrekt predigte, interessiert es ganz sicher nicht mehr. Puschen statt Pumps lautet im Homeoffice die Etikette. Die Freiheit nehmen wir uns.

Bleibt die technische Ausstattung, an der dann noch zu feilen wäre. Da rächt es sich, dass Drucker und Bildschirme längst als anachronistische Platzfresser ausrangiert worden sind. Nehmen wir‘s sportlich: Das ist nun wirklich das papierfreie Büro – ohne jeden Pardon. Aber mit dem Paar großer Monitore, das im Büro auf dem Schreibtisch steht, ließe sich die heimische Bürowelt natürlich ad hoc deutlich bequemer und hellsichtiger gestalten.

Und spätestens ab Tag zwei des Doppelbüros wäre auch Platz dafür. Denn nach dem Start vis a vis am gemeinsamen Tisch – hier ist meine Hälfte, da deine – sorgt inzwischen ein Mindestabstand für reibungsloserer Abläufe und das Herausregeln technischer und zwischenmenschlicher Interferenzen.

Bleibt die Frage nach dem Feierabend. Wann hört der Arbeitstag im zweifachen Homeoffice auf? Irgendwie erst dann, wenn der letzte fertig ist mit seinen Aufgaben. Dann klappen die Laptops zu. Alle Geräte saugen über Nacht Kraft an der Steckdose und die Menschen erobern ihren Lebensraum zurück. Den Wintergarten, den Esstisch und was sich sonst noch so unter der Bürotechnik verbirgt.