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Finanzausschuss beschließt "Beherbergungssteuer": Hoteliers besorgt wegen Bettensteuer

Finanzausschuss beschließt "Beherbergungssteuer" : Hoteliers besorgt wegen Bettensteuer

Gegen die Stimme des Bürger Bundes Bonn hat der Finanzausschuss mit großer Mehrheit eine "Beherbergungssteuer" für Hotelbetriebe beschlossen. Die Stadtverwaltung will die Abgabe nach Kölner Muster bereits zum Juli 2015 einführen.

Die Hotels sollen von jedem privat anreisenden Gast fünf Prozent des Übernachtungspreises kassieren. Gäste auf Dienstreise zahlen die Steuer nicht. Von jährlich 1,4 Millionen Beherbergungen in Bonn entfielen 20 Prozent auf Privatgäste, rechnet die Verwaltung vor. Man gehe von einem durchschnittlichen Beherbergungsentgelt von 80 Euro aus.

Stimmt der Rat in seiner Sitzung am 7. Mai erwartungsgemäß zu, könnte die im Volksmund so genannte "Bettensteuer im zweiten Halbjahr 2015 rund 560 000 Euro und im Jahr 2016 insgesamt 1,6 Millionen Euro einspielen. Andererseits gibt die Stadt auch zu, dass das Verwaltungskosten von 24 000 Euro verursachen werde: Damit die bestehende Veranlagungssoftware TFA auch die Beherbergungssteuer abwickeln könne, veranschlage man 20 Beratertage.

Was bedeutet die Steuer für den Tourismus in Bonn? Während die Tourismus & Congress GmbH "zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben" will, so Sprecherin Bettina Schmidt, reagieren die Hoteliers besorgt. "Die Beherbergungssteuer wird sich nicht positiv auf die Privatübernachtungen in der Beethovenstadt auswirken", meint Henrik Große-Perdekamp, Direktor des Maritim Hotels, als einer der großen Anbieter. Organisatorisch liefen in seinem Haus jedoch bereits die Vorbereitungen, um den Beschluss ab Sommer umzusetzen.

Einen "unheimlichen Mehraufwand an Arbeit" sieht Ute Baden, Besitzerin des Hotels Europa und Sprecherin der Bonner Gruppe des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), auf die Hotels zukommen. "Erklären Sie diese Steuer mal einem chinesischen Gast." Außerdem fürchte sie um die Attraktivität des Standorts Bonn. "Die Gäste schauen doch fast alle aufs Geld." Sie glaube kaum, dass sich die Steuer für die Stadt lohne, da man nicht von einer 100-prozentigen Auslastung der Hotels ausgehen könne.

Olaf Dreesen vom Rheinhotel Dreesen befürchtet, dass Gäste demnächst in Hotels außerhalb des Stadtgebietes umziehen. "Die privaten Gäste, die ohnehin mit kleinem Budget unterwegs sind, die wir aber eigentlich verstärkt nach Bonn locken wollen, werden durch die Mehrkosten abgeschreckt, Geschäftsreisende durch den bürokratischen Mehraufwand." Besonders "die Kleineren" im Gewerbe dürfte die Neuerung hart treffen.

"Wegen des erheblichen administrativen Aufwands kommen Mehrkosten durch Erweiterung der Hotelsoftware, Buchführung und Steuerberatung dazu", fürchtet Friederike Straeter, Chefin der Villa Godesberg. Sie werde jetzt neue Softwaretools installieren lassen. Wer solle aber die steuerbefreienden Papiere der Geschäftsreisenden aus dem Ausland, die in allen Weltsprachen geschrieben wären, überprüfen? Womit sie das Hauptproblem des Modells anspricht.

Das Presseamt Köln, wo die "Bettensteuer" seit Herbst 2014 in einer ähnlichen Form eingenommen wird, verweist auf positive Erfahrungen: Es laufe in den Hotels seit Einführung eines englischsprachigen Erklärungsformulars für die Geschäftsreisenden immer besser, so Sprecherin Inge Schürmann.

Genau das bezweifelt Christoph Becker, Geschäftsführer der Dehoga Nordrhein. "Das Ganze läuft in Köln chaotisch und wird auf dem Rücken der Hoteliers ausgetragen. Die Differenzierung zwischen Geschäfts- und Privatkunden bekommen die nicht hin", so Becker. Großkunden wie Fluggesellschaften, die für ihre Crews immer wieder neue Originalnachweise beibringen müssten, um der Steuer zu entgehen, setzten die Hotels unter Druck. Kleinere Dauerkunden suchten etwa für ihre Messemitarbeiter gleich Hotels außerhalb der Stadtgrenze.

Die Dehoga habe wie in Dortmund beim Verwaltungsgericht Klage gegen die Einführung der Steuer erhoben, sagt Becker. Beides seien Musterprozesse für Bonn. Man müsse mit einer Verfahrensdauer von zwei Jahren rechnen. Vielleicht wolle Bonn ja wenigstens diese zwei Jahre eine Bettensteuer einstreichen.