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Hunde bei Polizei Bonn: Tiere aus dem Tierheim werden ausgebildet

Kollegen auf vier Pfoten : Hunde aus dem Tierheim machen Karriere bei der Bonner Polizei

Die Bonner Polizei hat zwei Hunde aus dem Bonner Tierheim adoptiert. Nun bilden die Beamten die beiden Tiere zu Polizeihunden aus. Hund Aris verfügt dabei offenbar über ganz besondere Begabungen.

Was für eine Bilderbuchkarriere. Bis vor kurzem war Aris noch ein arbeitsloser Kerl mit viel zu viel Energie aber kaum Zukunftsperspektiven. Er lebte ins Blaue hinein, wusste nichts mit sich anzufangen und hatte keine Chance zu zeigen, welche Talente wirklich in ihm stecken.

Heute hat sich sein Leben von Grund auf verändert: Aris steht mit allen vier Beinen mitten im Leben und freut sich jeden Tag darauf, im Job alles zu geben. Mehr noch: „Er will beschäftigt werden und hat einen überdurchschnittlichen Arbeitswillen“, lobt Andreas Schirmbeck, Leiter der Diensthundestaffel, seinen neuen Mann im Team.

Im vergangenen Herbst adoptierte die Bonner Polizei den Malinois-Rüden vom Bonner Tierheim. Dort hatten die Pfleger schnell erkannt, dass Aris über besondere Begabungen verfügt und dringend eine sinnvolle Aufgabe braucht. Eine Einschätzung, die die Bonner Polizei nach den ersten Treffen teilte. „Ihn zeichnete seine besonders schnelle Lernfähigkeit aus“, erinnert sich Schirmbeck. Eine Tugend, mit der sich Aris schließlich für eine Karriere bei der Bonner Polizei qualifizierte. Ähnlich wie zuvor schon Sheela, die bis vor etwa zwei Jahren ebenfalls im Tierheim lebte und heute mit ihrer feinen Nase Rauschgiftverstecke erschnüffelt.

Das Tierheim meldet sich in der Regel bei der Polizei, wenn Hunde in den Zwingern leben, die sich nach Ansicht der Pfleger für eine Ausbildung zum Diensthund eignen. Doch guter Wille allein zählt nicht. „Ein Polizeihund muss selbstbewusst und spielfreudig sowie durch nichts zu erschüttern sein“, erklärt Thorsten Behlau, vom Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) in NRW. Das Landesamt ist eine der drei Landesoberbehörden der Polizei und unter anderem für die Fortbildung der Diensthunde und Diensthundführer zuständig. Dort werden jährlich 60 bis 75 Tiere ausgebildet. Insgesamt verfügt die Polizei landesweit über rund 300 Kollegen auf vier Pfoten, die Bonner Polizei hat aktuell elf Diensthunde.

Aris ist für die Polizei im Einsatz. Foto: Polizei Bonn

Bevor Aris allerdings durchstarten konnte, musste er eine Art Hunde-Assessment-Center bestehen. Denn ehe sich die Behörde für den Kauf des Tieres entscheidet, müssen die Kandidaten ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen. Entspricht der Hund dabei den Anforderungen, so erhält er zunächst den Status Diensthund auf Probe. In dieser Testphase stehen neben einer intensiven Gesundheitsprüfung verschiedene Übungen an, bei denen genau beobachtet wird, ob der Hund das Zeug für den Einsatz bei Kontrollen oder Razzien hat. Die anschließende Ausbildung steht dann auf drei Pfeilern: Nasenarbeit, Gehorsamsübungen und Schutzdienst. Bis ein Kommando sicher erlernt und befolgt wird, sind in der Regel etwa 5000 Wiederholungen notwendig.

„Bleibt er auch in ungewöhnlichen und stressigen Situationen ruhig? Bleibt er gelassen, wenn es laut wird oder viele Menschen vor Ort sind? Auch die Spiel-Motivation ist ein wichtiger Faktor. Ein ausgeprägter Spieltrieb ist wünschenswert. Verliert ein Hund schnell das Interesse an einem Spielzeug und lässt sich so gar nicht dafür begeistern, dann ist er eher nicht für den Dienst geeignet“, erklärt Behlau. Die Lehre dauert zwischen 18 und 24 Monaten und schließt mit der Polizeidiensthund-Prüfung ab.

Im Dienst bleiben die Hunde dann etwa bis zum neunten oder zehnten Lebensjahr. „In dieser Zeit leben sie bei ihrem Diensthundführer, er begleitet den Hund quasi sein ganzes Leben lang. Die beiden sind ein Team, das eine ganz besondere Beziehung zueinander hat. Deshalb sucht sich ein Hundeführer seinen Hund auch selbst aus und gibt ihm einen Namen. Das muss einfach passen“, so Behlau.

Gepasst hat es bei Aris und Sheela und ihren jeweiligen Diensthundeführern in Bonn. „Die Hunde sind dankbar, dass sie endlich eine Aufgabe bekommen und gehen förmlich darin auf“, bestätigt Andreas Schirmbeck, Leiter der Bonner Diensthundestaffel. Denn oft würden Malinois aus reiner Überforderung der Besitzer im Tierheim abgegeben.

Mit frühestens sechs Jahren kann ein Diensthund in Rente gehen. Der Eintritt in den Ruhestand ist abhängig von der Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Tieres. Ihren Lebensabend verbringen sie meist bei dem Diensthundeführer zu Hause. Sie bleiben jedoch Eigentum des Landes NRW und müssen mindestens einmal jährlich zu einer tierärztlichen Untersuchung.

„Wir freuen uns sehr für Aris, der bei uns völlig unterfordert war und nun eine tolle Aufgabe hat. Super, dass die Polizei auch vierbeinige Kollegen aus Tierheimen adoptiert“, freuen sich die Mitarbeiter des Albert-Schweitzer-Tierheims darüber, dass der Rüde nun ein „aufregendes und abwechslungsreiches Leben“ hat.