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Ringvorlesung Pädagogik an der Alanus Hochschule: Im freien Spiel die Welt erfahren

Ringvorlesung Pädagogik an der Alanus Hochschule : Im freien Spiel die Welt erfahren

„Kinder sollten sich frei, ohne Vorgaben entfalten können“, sagt Kunstpädagogin Nicole Berner (34) von der Alanus Hochschule in Alfter. Dazu bräuchten sie nicht viel mehr als ein großes Blatt und Farben. Und Eltern, die ihren Kindern Freiräume lassen. Am 26. April hält sie darüber einen Vortrag.

Der Himmel ist blau, die Sonne hat ein lachendes Gesicht, an den Bäumen hängen rote Äpfel, auf einem Ast sitzt eine Eule. Bunt und fröhlich ist das Bild, das auf dem Tisch liegt. Und stimmig für eine Sechsjährige, findet Nicole Berner. Die Juniorprofessorin für Kunstpädagogik an der Alanus Hochschule erkennt kreatives Potenzial: „Mit der Eule hat sie ein eigenes Bildzeichen entwickelt und für sich etwas Neues geschaffen.“ Eine kreative Leistung. Das Potenzial dazu sei bei jedem angelegt, es müsse nur gefördert werden, mal mehr, mal weniger. „Lass uns spielen... – Die Förderung kreativer Potenziale bei Kindern“, hat Berner ihren Beitrag zur Ringvorlesung „Kinder, Kinder!“ überschrieben.

Die Frage nach dem Wie ist schnell beantwortet. „Kinder sollten sich frei, ohne Vorgaben entfalten können“, sagt Berner. Dazu bräuchten sie nicht viel mehr als ein großes Blatt und Farben. „Wichtig sind auch viele unterschiedliche Materialien.“ Zum Ausprobieren. Das kann im Kleinkindalter dann auch einmal der Mittagsbrei sein, der auf dem Tisch verschmiert wird. „Das Kind setzt damit eine Spur, erfährt sich selbst“, erklärt Nicole Berner. Es folge seinem natürlichen Drang, sich auszudrücken. Und erkennt dabei: „Ich bin da – und kann die Welt verändern.“ Solche, meist sehr sinnlichen Primärerfahrungen seien wichtig für die kindliche Entwicklung. „Ohne es zuvor erlebt zu haben, weiß ein Kind nicht, dass sich ein Stein rau anfühlt oder dass er warm wird, wenn er in der Sonne liegt“, so Berner. Das müsse es erst selbst erfahren. „Daher ist es wichtig, dass Kinder auch die Gelegenheit dazu haben.“

Ein großer Kreis, zwei kleine Kreise in seiner Mitte, darunter ein waagerechter Strich – ein Gesicht. Es sitzt auf zwei Strichen. „Das sind die Anfänge des Kopffüßlers“, erklärt Nicole Berner das Werk einer Dreijährigen. Die hat ihrem Alter entsprechend drumherum viel experimentiert. Davon zeugen Kleckse in fast allen Farben. „Die Kinderzeichnungsforschung unterscheidet Entwicklungsphasen“, sagt die Kunstpädagogin. Die seien nicht bei allen Kindern gleich. Während manch ein Dreijähriger seinen Werken schon ein Oben und Unten gibt, sammelten andere noch haptische Erfahrungen.

Kinder schaffen etwas für sich Neues

„Jedes Kind muss sich Farben und Formen selbst erarbeiten“, sagt Nicole Berner. Meist fange es mit einem Kreis an. Dabei gehe es noch nicht um ein realistisches Abbild der Welt. Kinder seien sehr bei sich und hätten einen unmittelbaren Zugang zu ihrem Werk. „Sie schaffen etwas für sich Neues“, beschreibt Berner die kreative Leistung. Eltern könnten diesen Prozess unterstützen, indem sie ihren Kindern viel Freiraum lassen und sie dabei unterstützen durchzuhalten. „Das fördert Ideenreichtum, Flexibilität und die Fähigkeit, um die Ecke zu denken“, sagt sie.

Von Ausmalbildern hält die Kunstpädagogin ebenso wenig wie von fertigen Lego-Bausätzen. „Sie geben zu viel vor, hemmen das Kind, es muss sich nichts selbst erarbeiten.“ Das sei mit Blick auf die Kreativität schwierig. Berner rät nicht grundsätzlich von Lego ab, plädiert aber für freies Bauen, ohne Anleitung. „Dem Kind eröffnen sich so tausend Möglichkeiten, von denen es seine eigene realisieren kann.“ Es muss aber gar kein Baustein sein. Ein Karton oder ein Stück Kreide reichen aus, um sich daraus eine eigene Welt zu schaffen. Auf dem Pflaster entstehen mit Kreide Häuser, immer wieder neu. „Diese Erfahrungen sind wichtig für Kinder“, so Berner. Sie könnten sich im freien Spiel ausprobieren. Eine Möglichkeit, die sie später im realen Leben nicht mehr haben.

Die Vorträge

Erziehung und Bildung sind zentrale Themen in der Gesellschaft. Eltern und Pädagogen sehen sich mit komplexen Fragen und Herausforderungen konfrontiert. Die Ringvorlesung „Erziehungsfragen und pädagogische Herausforderungen der Gegenwart“, die von der Alanus Hochschule mit Unterstützung des General-Anzeigers veranstaltet wird, greift zentrale pädagogische Fragestellungen auf und beleuchtet sie vor dem Hintergrund der erziehungswissenschaftlichen Forschung mit einem klaren Fokus auf die Herausforderungen der Praxis.

Die Vorträge sind öffentlich und finden jeweils dienstags von 19.15 bis 20.45 Uhr im Foyer der Alanus Hochschule, Campus II, Villestr. 3, in Alfter statt.