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Bonner Geschichte: Im Hochmittelalter hieß Bonn auch Verona

Bonner Geschichte : Im Hochmittelalter hieß Bonn auch Verona

Der Heimatverein Bonn veröffentlicht den 68. Band der Geschichtsblätter. Ein Beitrag befasst sich mit dem italienischen Literaturpreisträger Luigi Pirandello, der in der heutigen Altstadt lebte.

Der 68. Band der Geschichtsblätter des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins ist mit 366 Seiten und vielen Abbildungen besonders gewichtig ausgefallen ist: Heijo Klein und Norbert Schloßmacher aus dem Vereinsvorstand überreichten nun als Dank für die Unterstützung durch den Stadtbezirk eines der ersten Exemplare der Bezirksbürgermeisterin Brigitta Poppe-Reiners.

„Die Bonner Geschichte ist nicht nur sehr alt, sondern auch sehr reich“, sagte Stadtarchivar Schloßmacher. So sei es wunderbar, dass es in jedem Jahr wieder Autorinnen und Autoren gebe, die mit ihren Beiträgen helfen, die Bonner Geschichte lebendig zu halten. Auch Poppe-Reiners bekräftigte, dass Geschichte „eine lebendige Sache“ sei und die Funde, die irgendwo auftauchten, wieder in die sicheren Hände des Stadtarchivs kämen.

Schloßmacher berichtete über eine Urkunde, der er zufällig in der niederländischen Stadt Nijmegen begegnet ist. Dort wusste man wenig damit anzufangen und schenkte das wertvolle Dokument eines päpstlichen Ablassbriefes für die Stadt Vilich dem Bonner Stadtarchiv. Schloßmachers Stellvertreterin Yvonne Leiverkus untersucht und beschreibt in ihrem quellenreichen Aufsatz das Dokument aus dem Jahr 1329 und kommt zu dem Schluss, dass die Urkunde vor allem auch ein wertvolles Dokument der pragmatischen Haltung zur Frömmigkeit dieser Zeit ist.

Der ehemalige Stadtarchivar Manfred van Rey geht der Frage nach, warum in hochmittelalterlichen Quellen und Münzen Bonn gelegentlich als Verona bezeichnet wird. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass es sich um einen in dieser Zeit durchaus üblichen Versuch handelte, sich mit wohlklingenden Namen zu schmücken.

Städtepartnerschaft mit italienischem Verona

Während sich Köln mit der stolzen römischen Kaiserin Agrippina verband und das niederrheinische Xanten sich Troja nannte, entschied sich Bonn für Verona. BHGV-Vorstandsmitglied Konrad Velten schlug spontan vor, doch einmal zu untersuchen, ob man nicht eine Städtepartnerschaft mit Verona anstreben sollte. Während Poppe-Reiners solch einen Gedanken als gar nicht abwegig empfand, entwickelte Schloßmacher bereits die von ihm nicht ganz ernst genommene Vision, Beethovens Neunte in Veronas Amphitheater zur Aufführung zu bringen.

Ein Beitrag befasst sich mit der Ersterwähnung von Buschdorf im Jahr 1217. Boris Schafgans widmet ein Kapitel dem Leben und Schaffen des Architekten Hermann Eduard Maertens, der für die Pläne der 1879 eingeweihten und 1938 zerstörten Bonner Synagoge verantwortlich war. Ein Bild der Synagoge ziert übrigens den Titel der 68. Geschichtsblätter.

Biografische Studien beschäftigen sich mit den Bonner Jahren des italienischen Literaturnobelpreisträgers Luigi Pirandello, dem aus Poppelsdorf stammenden Rabbiner Max Katten und dem Heimatforscher und Musikwissenschaftler Theodor Anton Henseler. Auch die Organisation der Armen- und Wohlfahrtspflege im Bonn des 19. Jahrhunderts wird im Übergang von freiwilliger zu behördlicher Sozialarbeit genauso untersucht wie die Anfänge der Juso-Hochschulgruppe in den Bonner 1970er Jahren.

Band 68 der Bonner Geschichtsblätter ist zum Preis von 25 Euro im Buchhandel (ISSN 0068-0052) oder in der BHGV-Geschäftsstelle erhältlich. Für postalische Bestellung finden sich ein Bestellformular sowie weitere Informationen zum Verein unter www.bhgv.de