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Die Rodung wirkte nur kurz: Im Kampf gegen schädliche Pflanzen in Graurheindorf

Die Rodung wirkte nur kurz : Im Kampf gegen schädliche Pflanzen in Graurheindorf

Nachdem die Herkulesstauden in Graurheindorf gekappt wurden, wachsen sie schon wieder nach. Die Berührung kann schmerzhaft sein. Das Tiefbauamt will sich jetzt um das Problem kümmern.

Zugegeben: Sie sieht wirklich hübsch aus mit ihren gezackten Blättern und den Dolden. Doch sie ist eine äußerst gefährliche Schöne – die Herkulesstaude. Drei dieser Pflanzen hat Kanute Nikolaus Koch nun bei seiner Fahrt von Hersel zum Bootshaus in Graurheindorf entdeckt. Sie stehen kurz vor dem Ortseingang am Rapsfeld am Milchgasserweg.

Koch kennt sich mit der Pflanze gut aus: Durch sein Hobby hat er sie schon häufig am Rheinufer entdeckt und sich auch selbst schon verletzt. Eine kurze Berührung reichte. „Man merkt erst mal nichts“, sagte Koch. Doch als Licht, sprich Sonne, auf die Haut kam, fing es an zu jucken. Wochenlang. Im schlimmsten Fall drohen laut Koch, der Mitglied im Landschaftsbeirat der Stadt ist, Verbrennungen zweiten Grades – samt Blasenbildung.

Verantwortlich ist dafür der Saft aller Pflanzenteile. Er mag sich gar nicht ausdenken, was passiert, wenn Kinder in kurzen Hosen in Graurheindorf spielen und plötzlich durch die Stauden streifen. Deshalb rief er schon zweimal bei der Stadt an, ohne dass jemand die Pflanzen entfernte. Nun rückte offenbar doch jemand aus und mähte das Gras am Wegesrand. Die Herkulesstauden wurden gekappt. Es blieben aber Reste, die sich nach Kochs Ansicht bald wieder erholen dürften. Die müssten tief genug aus dem Boden geholt werden. Laut Landwirtschaftskammer NRW trennt man etwa zehn bis 15 Zentimeter unter der Erdoberfläche die Wurzel vom Vegetationskegel ab. Am besten sollte man dabei einen Ganzkörperschutz tragen.

Auch das Bonner Amt für Stadtgrün hat nun bestätigt, dass die Pflanze, auch Riesen-Bärenklau genannt, giftig ist. Nun will sich das Tiefbauamt vor Ort schlau machen, auf welche Weise die Gefahr gebannt werden kann. Denn die drei Herkulesstauden wachsen streng genommen auf dem Feld – also nicht im öffentlichen Raum, in den sie aber hineinragen. Laut Presseamt will die Stadt aber dafür sorgen, dass sie entfernt werden. Auch im Bonner Umland, etwa an den Rändern von Landstraßen, ist das Problem bekannt.

Die Vermehrung der aus dem Westkaukasus stammenden Herkulesstaude geschieht nach Angaben der Landwirtschaftskammer nicht über die Wurzeln, sondern über die große Anzahl von Samen: „Ausgewachsene Pflanzen können 10 000 bis 50 000 schwimmfähige Samen bilden, die unter optimalen Bedingungen acht bis zehn Jahre keimfähig sind.“ Wie berichtet, ist die Staude vor allem an Sieg und Agger zur Plage geworden. In den vergangenen Jahren wurden schon Tausende von ihnen entfernt.