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Impftermine in Bonn: 1000 Impftermine sind unbelegt

Diskussion um überschüssige Impfkontingente : Tausend Impftermine in Bonn sind noch unbelegt

Das Impfzentrum im Rhein-Sieg-Kreis ist ausgelastet, in Bonn hingegen sind in der kommenden Woche noch tausend Termine frei. Die Stadt will daher Impfungen der 70- bis 80-Jährigen vorziehen, das Land hat prüft jedoch eine andere Möglichkeit.

Während in Bonn in der kommenden Woche noch rund 1000 Impftermine frei sind, ist das Impfzentrum im Rhein-Sieg-Kreis ausgelastet. Das Land NRW prüft nun, ob Impfdosen, die in der Bundesstadt nicht abgerufen werden, dem benachbarten Landkreis zur Verfügung gestellt werden können.

Da die Gruppe der über 80-Jährigen in Bonn fast vollständig geimpft ist, wartet die Stadt dringend auf eine Entscheidung des Landes, wie Bonns Feuerwehr-Chef Jochen Stein bei einer Pressekonferenz am Freitag erklärte. Man habe vorgeschlagen, die Gruppe der 70- bis 80-Jährigen für die Impfung freizugeben. „Aus unserer Sicht ist das dringend erforderlich“, sagte Stein. Die Auslastung im Bonner Impfzentrum liege in der nächsten Woche bei gerade einmal 50 Prozent. Er appelliert deshalb an die noch fehlenden rund 3500 Seniorinnen und Senioren über 80 Jahren, sich immunisieren zu lassen. Die Zahl entspricht in etwa 20 Prozent der Altersgruppe.

Alterstruktur ist wohl die Ursache

Das NRW-Gesundheitsministerium hatte nach eigenen Angaben am Freitag vergebens versucht, den Bonner Krisenstab zu erreichen. Laut eines Sprechers sei nicht vorgesehen, die Impfung der 70- bis 80-Jährigen vorzuziehen, weil das nicht den Richtlinien der Impfverordnung entspreche. Stattdessen wolle man prüfen, die überschüssigen Impfkontingente in andere Impfzentren wie das im Rhein-Sieg-Kreis zu verlagern, weil dort derzeit mehr benötigt werde. Nach Bonn geliefert wurde der Impfstoff noch nicht. In mehreren NRW-Kommunen gebe es derzeit das Phänomen, dass die Gruppe der über 80-Jährigen fast vollständig immunisiert sei, was wahrscheinlich an unterschiedlichen Altersstrukturen liege.

Einen genauen Starttermin für die 70- bis 80-Jährigen dafür gibt es noch nicht, zuletzt wurde der Zeitraum Ende April/Anfang Mai genannt. Laut Jochen Stein würde auf Landesebene darüber beraten, nacheinander einzelne Jahrgänge zuzulassen, und nicht wie zuvor die komplette Altersgruppe. „Das hat zu Stau auf der Technikseite geführt.“

Impfzentrum im Rhein-Sieg-Kreis ist ausgelastet

Aus dem Rhein-Sieg-Kreis erreichen den GA Hinweise von Lehrkräften, Erzieherinnen und Tagesmüttern, dass sie sich vergeblich um einen Impftermin bemühen. Das Impfzentrum des Kreises in Sankt Augustin ist ausgelastet, es bleiben nach Auskunft von Landrat Sebastian Schuster nur vereinzelt Impfdosen übrig.

Für den kommenden Donnerstag sind Sonderkontingente für die Berufsgruppen der zweiten Priorität reserviert, also auch aus Schulen, Kitas und Tagespflege. Laut Schuster lassen sich die zusätzlichen Impfungen aber nur schwer planen, weil Informationen zum Impfstoff-Nachschub fehlen. Wer zu einer priorisierten Personengruppe gehört, wird dort geimpft, wo der Arbeitsort ist. Impfwillige, die im Rhein-Sieg-Kreis arbeiten, können deshalb nicht auf freie Termine in Bonn ausweichen. Bei über 80-Jährigen gilt das Wohnortprinzip.

Eigenes Meldeportal für Bonner Erzieher

Während alle, die älter als 80 sind, einen Termin über das Internetportal www.116117.de oder die Rufnummer 0800/11611701 vereinbaren müssen, hat die Stadt Bonn für die anderen impfberechtigten Personengruppen ein eigenes Online-Impfportal geschaltet. Darüber seien in einer Woche rund 5000 Erstimpfungen von Ärzten, Erziehern, Lehrern, Hebammen und Polizisten mit Biontech und Moderna gelaufen. Weitere 6400 Termine sind bis Ende März vereinbart. Täglich anfallende Restdosen werden spontan verimpft. Nachdem zunächst der Rettungsdienst an der Reihe war, sind es nun Polizisten, von denen schon zwei Drittel immunisiert sind. Laut Stein sollen danach Mitarbeitende des Impfzentrums, zum Beispiel von der Zugangskontrolle, die zur dritten Prioritätengruppe gehören, folgen. Berufsfeuerwehrleute, die dort ebenfalls helfen, hatten zuletzt kritisiert, trotz viel Kontakt zu Impfzentrums-Besuchern nicht geimpft zu werden. Zu den Gruppen, die jetzt geimpft werden, zählen auch Personen in Kitas, der Tagespflege sowie in Grund- und Förderschulen. 890 Beschäftigte aus Kitas (weitere 1400 Termine vereinbart), 670 Beschäftigte der Grund- und Förderschulen (2100 Termine) und 130 Personen in der Kindertagespflege (330 Termine) haben bereits die Erstimpfung erhalten. Probleme hatte es in letzter Zeit bei Anmeldungen der verschiedenen Gruppen gegeben. Während bei über 80-Jährigen das Wohnortprinzip gilt – sie müssen in Bonn gemeldet sein – gilt bei den Sondergruppen wie Lehrern das Arbeitsstättenprinzip. Sie nur geimpft, wenn sie in Bonn arbeiten, wobei sie durchaus woanders wohnen können.