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Impfung gegen Corona in Bonn: Intensivpfleger auf Impf-Odyssee

Probleme bei der Terminabsprache : Intensivpfleger aus Bonn auf Impf-Odyssee

Für einen Bonner Intensivpfleger besteht ein hohes Risiko, sich bei der Arbeit mit Corona zu infizieren. So entschloss er sich, um einen Impftermin zu bitten. Der Beginn eines zermürbenden Telefonmarathons.

Carsten Hermes ist ein gefragter Mann. Als Intensivpfleger mit Masterstudium in Pflege arbeitet der 43-jährige Bonner nach eigenen Angaben als freiberuflicher Berater, Dozent und Autor und ist unter anderem Spezialist in den Fach- und Funktionsbereichen Delir (Verwirrtheit) und Frühmobilisation. Hermes ist viel im In- und Ausland unterwegs, um Ärzte und Pflegekräfte auf Intensivstationen zu trainieren und auch bei der Pflege der Patienten tatkräftig mitzuhelfen. Sein Risiko, sich mit Corona zu infizieren, ist also hoch. Ende Dezember wollte er sich bei der Hotline beim Bonner Gesundheitsamt erkundigen, wann er die Möglichkeit für einen Impftermin erhalten würde. Was er dann über viele Tage am Telefon erlebte, erinnerte ihn dann eher an Slapstick, berichtete er dem GA.

„Ich habe zunächst gewartet, wie die Impfreihenfolge ist“, sagt Hermes, der auch Sprecher der Sektion Pflege innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin ist. Aufgrund der knappen Impfdosen, die den Krankenhäusern bisher für ihr Personal bereitgestellt wurde, sei ihm klar gewesen, dass er als Freiberufler nicht in einer Klinik geimpft werden könne. „Dort ist man ja froh, wenn man genügend Dosen für die eigenen Leute hat. Das kann ich auch gut nachvollziehen.“

Hermes wählte also am Jahresende zunächst die Corona-Hotline des Gesundheitsamtes, wo er allerdings an die allgemeine Servicenummer 116 117 verwiesen wurde. Damit nahm die Geschichte ihren Lauf. Weil er dort darauf hingewiesen wurde, man sei zunächst nur für die über 80-Jährigen zuständig, rief er die Zentrale des Bonner Gesundheitsamtes an. „Hätte ich die Hotline des städtischen Gesundheitsamtes wieder angerufen, hätte man mich ja erneut an die 116 117 verwiesen“, sagt er.

Einer Dame am Telefon des Gesundheitsamtes schilderte er sein Anliegen, daraufhin gab sie ihm eine Telefonnummer, an die er sich wenden könne. Froh, einen Schritt weiter zu sein, wählte er diese, doch niemand hob ab. Parallel habe er mehrmals zwei verschiedene E-Mail-Adressen beim Gesundheitsamt angeschrieben, die die Telefonistin in der Zentrale ihm genannt hatte. Ebenfalls keine Reaktion.

Hermes wandte sich nach einigen Tagen erneut an die Zentrale des Gesundheitsamts. „Die Frau war dann offensichtlich so überfordert, dass sie das Gespräch an eine Kollegin abgab. Diese versuchte mich dann erneut mit der angeblich für mich zuständigen Sachbearbeiterin zu verbinden, hatte aber ebenfalls keinen Erfolg.“ Die Frau habe ihm berichtet, sie habe die Kollegin eben noch gesehen, sie müsste also noch im Hause sein. Doch so oft der 43-Jährige die ihm angegebene Nummer die nächsten Tage auch wählte, niemand ging ran. „Ich wunderte mich schon sehr, dass nur eine Mitarbeiterin für Fälle wie mich zuständig ist“, sagte er.

Tage später habe ihn dann doch noch ein Mitarbeiter der städtischen Feuerwehr zurückgerufen und ihm gesagt, er sei jetzt für ihn zuständig. „Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Situation zurzeit für alle Beteiligten schwierig ist“, sagt der Intensivpfleger rückblickend. Aber koordiniert sei dieses Vorgehen bei der Stadt Bonn offensichtlich nicht, kritisiert er.

Stadtsprecherin Monika Hörig räumte auf GA-Nachfrage ein, dass es sich bei dem doch recht kuriosen Vorgang offensichtlich um ein Missverständnis bei der Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes gehandelt haben müsste. Sie habe Carsten Hermes wohl eine falsche Ansprechpartnerin vermittelt. „Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung.“ Selbstverständlich stünden deutlich mehr Mitarbeiter für alle Fragen rund um Corona unter der städtischen Hotline 7175 zur Verfügung. Aufgrund der nun vermehrt aufkommenden Anfragen zum Impfen gegen Corona sei das Personal für die Hotline jetzt zudem aufgestockt worden und täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr, also zu den Öffnungszeiten des Impfzentrums, erreichbar.

Für Hermes hat sich die Angelegenheit inzwischen erledigt. Kürzlich kam der erlösende Anruf: Der 43-Jährige wurde noch am Nachmittag desselben Tages im Bonner Impfzentrum im WCCB geimpft. „Ich kann nur an alle appellieren, sich ebenfalls impfen zu lassen“, sagt Hermes, der während seiner Arbeit auf den Intensivstationen schon viele an Corona schwer erkrankte Personen betreut hat.