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Warntag in Beuel: In Beuel tönten wenigstens die Sirenen

Warntag in Beuel : In Beuel tönten wenigstens die Sirenen

Vom bundesweiten Warntag sind viele Bürger überrascht worden. Die Warn-Apps meldeten diesen eine halbe Stunde zu spät. Bundesinnenministerium spricht von einem Fehlschlag.

„War’s das jetzt?“, ruft ein älterer Kunde beim Bäcker in der Nähe des Konrad-Adenauer-Platzes in Beuel leicht pikiert über die Theke, den Blick zur Tür gewandt. Es ist 11.13 Uhr, und gerade ist das dritte Sirenensignal für Beuel-Mitte am „Warntag 2020“ verstummt. Er ist froh, seine Bestellung nun ohne die akustische Belästigung von draußen durchführen zu können. Die Verkäuferin begrüßt den ersten bundesweiten Warntag: „Das kann ja nicht schaden. Die Nina-Warnapp hab ich jetzt auch schon seit einem halben Jahr auf dem Handy“, verrät sie und geht wieder zur Tagesordnung über.

Eine  Viertelstunde zuvor herrscht auf dem Platz vor dem Beueler Bezirksrathaus der wochentägliche Alltagstrott. An der Kreuzung zögern Autofahrer nicht, vermeintliche Verkehrsstörer mittels Hupe anzutreiben. In wenigen Minuten wird vom Dach eines Gebäudes in der Friedrich-Breuer-Straße ein Warnsignal ertönen, das das Hupen deutlich übertönen wird.

Hier scheint zu funktionieren, was in anderen Teilen Deutschlands gründlich daneben geht. Die Deutsche Presseagentur berichtet am Donnerstag, dass der erste bundesweite Warntag „deutliche Lücken bei der Alarmierung der Bevölkerung offenbart“. Zum einen habe er gezeigt, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gebe, zum anderen kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Im Ergebnis: Wäre es ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen. Das Bundesinnenministerium bezeichnete den Probealarm denn auch offen als „fehlgeschlagen“. Grund sei ein technisches Problem gewesen. „Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet“, kündigte das Ministerium in Berlin an.

Fünf Minuten nach elf kam die Nachricht im Radio

Radiozuhörer bekommen um etwa fünf Minuten nach elf die Warndurchsage zu hören. „Die Feuerwehren in Bonn und Rhein-Sieg-Kreis können sich jederzeit in unser Programm einschalten“, erklärte am Tag zuvor Jörg Bertram, Chefredakteur von Radio Bonn/Rhein-Sieg.

Trotz der bundesweiten Kampagne vor dem Warntag ist in Beuel nicht jedem Bürger bewusst, was geschieht. „Ne, das sagt mir gerade gar nichts“, gibt ein Passant vor einem Lebensmittelladen zu, „aber ich bin mal gespannt“.

Zwei Jugendliche mit Handy in der Hand gestehen ebenfalls, noch nichts vom Warntag oder der Warnapp Nina gehört zu haben. „Ich habe tausend Apps auf meinem Handy, aber keine Nina“, sagt einer. Dann ertönt die Sirene auf dem Dach zum ersten Mal. Es ist ein lautes und lang anhaltendes Heulen. Manche Leute schauen nach oben, einige halten sich die Ohren zu.

Kaum jemand nimmt wirklich Notiz vom Alarm. Ein Mann im beigefarbenen Anzug sagt: „Ich halte das alles, wenn überhaupt, für Panikmache. Wir hatten ja schon solche Probealarmtage. Jetzt ist es bundesweit, was soll’s?“

Rathaussirene ist eine von 64 im Stadtgebiet

Die Sirene auf dem Dach des Gebäudes gegenüber dem Rathaus ist eine von insgesamt 64 städtischen Alarmgebern in der Stadt. „Ob noch alle funktionieren, wissen wir gar nicht. Schon gar nicht bundesweit. Auch um das rauszufinden, führen wir den Warntag durch“, erklärte BBK-Referatsleiter Hendrik Roggendorf.

Die Beueler Sirene funktioniert gut und ist laut, sehr laut. „Internationaler Warn-Was?“, ruft ein Mann einem anderen  fragend zu, als das zweite Signal ertönt. Zwar führen andere Länder wie Österreich oder die Niederlande schon lange und regelmäßig landesweite Probealarme durch. „Ich fühle mich sicher in Deutschland“, erklärt eine freundliche Passantin. „Aber die Nina-App hab ich schon seit über zwei Jahren. Die ist auch praktisch bei Unwetterwarnungen. Dann können wir die Sonnenschirme im Garten rechtzeitig in Sicherheit bringen.“

Sie ist eine acht Millionen Nutzern. Ginge es nach dem BBK, können noch weitere dazukommen. „Die Infrastruktur von Nina ist mittlerweile auf 40 Millionen ausgelegt. Der Warntag soll auch als Werbung für die App dienen“, so Roggendorf.

Als das dritte und letzte Signal des Vormittags ertönt, sieht man am Konrad-Adenauer-Platz genervte Gesichter. Womöglich ein Zeichen eines bestehenden Sicherheitsgefühls der Bevölkerung. Eine Auswertung des ersten Warntages soll nun folgen.