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Indische Mutation des Coronavirus erreicht Bonn

Ansteckender als britische Variante? : Indische Coronavirus-Mutation erreicht Bonn

In einem Mehrfamilienhaus sind drei Personen mit der indischen Coronavirus-Variante infiziert. Die Stadt bittet alle Bewohner, freiwillig in Quarantäne zu gehen. Das Robert-Koch-Institut warnt vor bundesweitem Anstieg der Mutations-Fälle.

Die indische Coronavirus-Mutation ist in Bonn angekommen. Die Stadtverwaltung hat am Sonntag auf GA-Anfrage drei Infektionsfälle mit dem Virus B.1.617 bestätigt, das als noch ansteckender gilt als die britische Variante. Betroffen sind drei Bewohner eines Mehrfamilienhauses, in dem bereits Anfang Mai Corona-Fälle aufgetreten waren. Die Stadt spricht von insgesamt acht Infizierten in drei verschiedenen Wohnungen.

Dass darunter drei Fälle mit der indischen Variante sind, sei seit dem Wochenende klar, berichtete Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Erst dann hätten die Ergebnisse der Varianten-Untersuchung vorgelegen. Die Stadt lässt seit einigen Wochen alle positiven Corona-Proben in den Labors des Universitätsklinikums Bonn auf mögliche Mutationen testen (sequenzieren).

Die Bewohner aller Wohnungen des Mehrfamilienhauses sind am Sonntag noch einmal abgestrichen worden, so Hoffmann weiter. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten die infizierten Menschen in den drei Wohnungen untereinander keine Kontakte gehabt. Das Gesundheitsamt könne noch nicht sagen, wo oder wie es zu den Infektionen mit der indischen Variante gekommen sei. In welchem Stadtteil das Haus liegt, teilte die Behörde nicht mit. Die nicht infizierten Bewohner seien gebeten worden, freiwillig in Quarantäne zu bleiben.

Drastischer hatte vor etwa einer Woche die Stadt Velbert reagiert. Sie setzte 189 Hochhaus-Bewohner unter Quarantäne, nachdem dort die indische Virus-Mutante aufgetaucht war. Inzwischen ist B.1.617 in sieben Familien aus zwei Hochhäusern nachgewiesen. Nach Medienberichten sind 26 Personen betroffen. Auch in Köln gab es bereits Fälle.

Wie gefährlich ist die Mutation?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die erstmals im indischen Bundesstaat Maharashtra entdeckte Virus-Mutante als „besorgniserregend“ eingestuft. Ein Expertengremium, das die britische Regierung berät, erklärte vor kurzem, es sei „realistisch“, dass sie rund 50 Prozent ansteckender sein könnte als die ebenfalls besonders infektiöse britische Variante. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht von Hinweisen auf eine erhöhte Übertragbarkeit. Die Variante B.1.617 sei bisher nur in etwa zwei Prozent aller Infektionsfälle nachgewiesen worden, heißt es in einem RKI-Bericht zu Virusvarianten in Deutschland vom 19. Mai. Ihr Anteil sei aber in den vergangenen Wochen stetig gewachsen. Bis zur ersten Maiwoche registrierte das RKI bundesweit 142 Infektionen mit der indischen Mutante.

Wirken die Impfstoffe?

Auf der ganzen Welt führen laut Bericht Forschergruppen sogenannte Neutralisationstests durch, um zu ergründen, ob die Impfstoffe auch gegen diese Variante helfen. „Erste vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die protektive Immunität nach Impfung voraussichtlich auch gegen B.1.617-Varianten besteht“, schreibt das RKI. Eine neue Studie aus Großbritannien bestätigt das explizit für die Impfstoffe von AstraZeneca und Biontech/Pfizer.

Während seit Samstag in Bonn Außengastronomie und Geschäfte öffnen dürfen, ist die Sieben-Tage-Inzidenz wieder gestiegen. Der Wert erreichte am Sonntag 87,7, nachdem er am Freitag bei 76,7 gelegen hatte. Mit dem Ausbruch in dem Mehrfamilienhaus hat das nach Stadtangaben aber nichts zu tun. „Es handelt sich nach wie vor um ein diffuses Infektionsgeschehen“, erklärte Vize-Sprecher Marc Hoffmann. „Zu den jüngsten Infektionsfällen zählen einige jüngere und junge Menschen.“ Auswertungen vom Sonntag zeigen laut Hoffmann aber, dass die Inzidenz am Montag wieder sinken werde. Das geschieht allerdings häufig nach dem Wochenende.

In Bonn ist bislang die britische Mutation die dominierende Virus-Variante. Sie verursachte zuletzt rund 50 Prozent aller Neuinfektionen. Bisher gab es auch 44 Fälle mit der südafrikanischen Variante, die aber seit Wochen keine neuen Infektionen in der Stadt mehr ausgelöst hat.