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Ingo Thiée: Strafverteidiger aus Bonn nach Covid-19-Erkrankung

Mafia-Prozess unterbrochen : Bonner Strafverteidiger Ingo Thiée stirbt nach Covid-19-Erkrankung

Einer der an Covid-19 erkrankten Verteidiger im Düsseldorfer Mafia-Prozess ist gestorben. Das bestätigte eine Sprecherin des Duisburger Landgerichts am Donnerstag auf Anfrage. Danach handele es sich um einen 76-jährigen Anwalt aus Bonn.

Der bekannte Bonner Strafverteidiger Ingo Thiée ist am Montagabend in der Bonner Universitätsklinik gestorben. Das bestätigte der Sohn des Verstorbenen, Philipp Thiée, dem General Anzeiger am Donnerstag auf Anfrage. Thiée erlag den Folgen einer Corona-Infektion. Der Anwalt hatte unter anderem den Organisator eines spektakulären Überfalls auf einen Goldtransport bei Ludwigsburg verteidigt, an dem auch der Bonner Rapper Xatar beteiligt war.

Zuletzt verteidigte Thiée einen der Angeklagten in einem Aufsehen erregenden Düsseldorfer Mafia-Prozess: Vor dem Landgericht Duisburg müssen sich derzeit 14 mutmaßliche Mitglieder oder Unterstützer der Ndrangheta verantworten, nachdem in Belgien, den Niederlanden und Deutschland rund vier Tonnen Kokain sicher gestellt worden waren. Aus Sicherheitsgründen findet der Prozess allerdings nicht in der Ruhrmetropole, sondern einige Kilometer weiter südlich in einem besonders geschützten Bereich des Düsseldorfer Oberlandesgerichts statt.

Der wegen der Corona-Infektion eines Angeklagten ohnehin unterbrochene Prozess soll dennoch am 4. Januar fortgesetzt werden, sagte die Gerichtssprecherin. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Anwalt im Gerichtssaal infiziert habe. Die Luft werde dort sechseinhalb Mal pro Stunde ausgetauscht und es gebe weitere Schutzmaßnahmen.

Da der Angeklagte, dessen Anwalt starb, noch einen weiteren Verteidiger hat, sei seine ordnungsgemäße Verteidigung trotz des Todesfalls sichergestellt.

In dem Prozess müssen sich mutmaßliche Mafiosi der derzeit mächtigsten Mafia-Gruppe der Welt wegen Kokainhandels in großem Stil verantworten. Die 'Ndrangheta soll große Teile des weltweiten Kokainhandels kontrollieren. Insgesamt sind 14 Männer angeklagt. In dem Verfahren geht es unter anderem um den Handel mit insgesamt 680 Kilogramm Kokain. Das Gericht hat für den Prozess 90 Verhandlungstage angesetzt.

Der Prozess hatte bereits eine Zwangspause einlegen müssen, weil einer der Angeklagten eine Corona-Quarantäne abwarten musste. Dann war ein Staatsanwalt während der Verhandlung aus dem Saal gerufen worden, weil er Kontakt zu einem coronapositiven Polizisten hatte. Dann waren zwei Verteidiger positiv getestet worden, darunter der nun Verstorbene. Schließlich hatte sich auch noch ein Angeklagter angesteckt.

Der Vorsitzende Richter der 4. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht Klaus Reinhoff kennt Thiée bereits sein gesamtes Berufsleben lang: „Er war ein Bonner Urgestein, auf dessen Wort man vertrauen konnte“, sagte der Schwurgerichtsvorsitzende dem GA. „Er wird uns fehlen.“ Thiées Sohn Philipp, der bereits seit über zehn Jahren mit seinem Vater zusammenarbeitete, will die gemeinsame Kanzlei weiterführen.

(dpa)