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Achim Maaz: Institut stellt Werke eines behinderten Künstlers aus

Achim Maaz : Institut stellt Werke eines behinderten Künstlers aus

Da baumeln sechs schwergewichtige blaue Figuren wie die Hampelmänner im Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn von der Decke. Kaum passen diese seltsam blick- und halslosen Wesen mit den pechschwarzen Hosen und der langen Knopfleiste am Oberkörper in die schmalen Formate.

Gequetscht, gedrückt, gepresst, können die mit endlos vielen Kugelschreiberstrichen ins weiche Papier gefrästen Männer die Ränder nicht übertreten. Im leichten Zugwind der Vernissage zeigen die blauen Schwergewichte plötzlich die Papier- und damit die eigenen Rückseiten.

Und wenn sich der Eine von ihnen hier auch noch so auf die Zehenspitzen streckt: Er wird den Rand des Blattes nicht überwinden können. Der Mensch ist gefangen. Und der Zeichner betrachtet ihn aus einer Perspektive von leicht oben, die ihn jedoch ebenfalls in diesem schmalen Zimmer eingeengt zeigt.

Das Kunsthistorische Institut stellt bis zum 25. Oktober ausgewählte Kunstwerke von Achim Maaz aus. Damit hängen sicher zum ersten Mal Bilder eines sogenannten Outsider-Künstlers in den heiligen Hallen des Instituts. "Wir erzählen hier die außergewöhnliche Geschichte eines Malers mit geistiger Behinderung, der ein Leben lang gegen Widerstände malte und der nun wegen seines plötzlichen Todes im Juli 2014 diese erste Ausstellung, die zu seinem Lebensunterhalt hätte beitragen können, leider nicht mehr erlebt", erläuterten die Einlader Julia Krings und Robert Kötter. Das Werk des 1955 Geborenen, der in heilpädagogischen Einrichtungen zuletzt in Vilich wohnte, suche in der Kunstwelt seinesgleichen.

"Erfahrungen von Eingegrenztheit und der Drang auszubrechen, dominieren auf subtile und intensive Art die Stimmung der originären und intimen Bilder", so Krings. Und Kötter betonte, dass der "Mit gestohlenen Stiften", so der Ausstellungstitel, arbeitende Maaz als Autodidakt eine völlig ungewöhnliche Sicht auf die Welt zeige.

Innerhalb eines Institutsprojekts hatten zehn Bonner Studenten Achim Maaz, der kaum sprach, ein Jahr künstlerisch begleitet. "Manchmal hat er sich regelrecht auf die Stifte gestürzt, an anderen Tage war er total unlustig", erzählten sie. Heute bedrücke sie es, dass der Verstorbene nun nicht mehr von dieser und der Parallelausstellung in der Berliner Galerie "ART CRU" profitieren könne.

Er hätte sich endlich seinen Lebensunterhalt durch Malen und nicht in der Behindertenwerkstätte verdienen können. 2012 waren Maaz-Werke schon einmal im Bonn ausgestellt worden, in der Evangelischen Akademie im Rheinland. "Einige Motive wie Schlüsselbunde zeugen von seinem Wunsch, auszubrechen - aus einem Alltag, der gezeichnet war von Fremdbestimmung und Eingesperrtsein", erklärte Julia Krings.

"Mit seinen Bildern kommunizierte er, was er nicht sagen konnte." Einerseits habe ihr Schützling das Motiv des Weglaufens in seinem Werk ausgedrückt, man beachte nur die Betonung der Beine in seinen Bildern, stimmte mit Beate Woitzik auch seine langjährige Kunsttherapeutin zu. Woitzik hatte den Autisten Maaz erst durch Malerei sprachfähig gemacht. Maaz schaffte es 2002, 2010 und 2014, für den angesehenen "EUWARD-Preis" nominiert zu werden. Andererseits zeigten die Bilder aber auch, wie Maaz die so ersehnte Außenwelt sah. "Sehen Sie hier", zeigte Woitzik auf Bildrückseiten, "draußen hätte er sich nackt und ungeschützt gefühlt."

Info

Die Öffnungszeiten des Instituts, Regina-Pacis-Weg 1, sind bis zum 25. Oktober: montags bis freitags 9 bis 16 Uhr; ab Semesterbeginn 6. Oktober: montags bis donnerstags 9 bis 20 Uhr, freitags 9 bis 18 Uhr.