Endenicher Kirchengemeinde Interesse an der ökumenischen Woche steigt

ENDENICH · Das ist einer der Unterschiede zwischen Neuem und Altem Testament: Während Paulus in einem seiner Korintherbriefe dafür eintritt, dass man sich nicht streiten möge, gibt es im älteren Bibelteil viele Beispiele für eine imposante Streitkultur.

 Pfarrer Uwe Grieser, Pastoralreferentin Ruth Effertz und Pfarrer Ronald Klein (von links).

Pfarrer Uwe Grieser, Pastoralreferentin Ruth Effertz und Pfarrer Ronald Klein (von links).

Foto: Horst Müller

Das war eine Erkenntnis, die der evangelische Pfarrer Uwe Grieser von der Endenicher Trinitatiskirche aus der ökumenischen Woche mitnahm. "Man kann vom Judentum lernen, sich zu streiten, ohne sich zu trennen." Aber, fügte sein katholischer Kollege Ronald Klein hinzu, "streiten kann man nur mit offenem Visier". Das solle nicht anonym geschehen, wie es das Internet leider ermöglicht.

Dies war das Thema, das die beiden Endenicher Kirchengemeinden für ihre ökumenische Woche gewählt hatten, die am Freitagabend zu Ende ging. Die sei sehr gut besucht gewesen, sagte Pfarrer Klein, der die Woche mit dem leitenden Pfarrer Alfons Adelkamp von Sankt Maria Magdalena von katholischer Seite durchgeführt hatte. "Wir hatten mehr Besucher als im Vorjahr."

Die Woche begann mit einer Hanns-Dieter-Hüsch-Hommage "für einen humorvollen Streiter" am Montag, es folgte ein Bibelabend rund um Paulus' Versuch einer Streitschlichtung in Korinth, eine Führung durch die altkatholische Namen-Jesu-Kirche mit rund 50 Personen und die beliebte "MahlZeit" am Donnerstag: Während des kleinen Abendessens wurden Texte von Bertolt Brecht, Ulla Hahn, Karen Armstrong und anderen vorgetragen.

Natürlich gab es laut Grieser auch Texte aus der Bibel und - "Mutig, wie wir sind" - auch aus dem Koran. Das gemeinsame Essen, Schweigen und Zuhören erfreue sich immer größerer Beliebtheit, sagte Klein.

Den Abschluss machte am Freitag ein ökumenischer Gottesdienst in Trinitatis, der von der Jugendband der Trinitatiskirche sowie den Chören beider Kirchen begleitet wurde. In der Predigt trat Klein für "mehr Mut" in Sachen Kanzeltausch ein: Es solle möglich sein, dass katholische Pfarrer gelegentlich sonntags in evangelischen Kirchen predigen dürften, und umgekehrt.

"Damit man mehr Gelegenheit hat, einander zuzuhören." Von evangelischer Seite sei das kein Problem, sagte Grieser, die katholische Kirche verbiete das. Beiden Pfarrern wäre es recht, wenn Papst Franziskus auch in dieser Angelegenheit für eine Überraschung gut wäre.

Mit einem Umtrunk endete die ökumenische Woche. Die hat in Endenich schon eine lange Tradition. "Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander", sagte Grieser über die beiden Kirchen. Das hat dort eine besondere Ausprägung. "Ich habe keine Dienstwohnung", so Klein, "sondern wohne zur Untermiete bei der evangelischen Trinitatiskirche." So lebt man Ökumene.

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