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Bonner Rat der Muslime: Irritationen um neuen Sprecher Karim Lakhal

Bonner Rat der Muslime : Irritationen um neuen Sprecher Karim Lakhal

Große Irritationen ruft derzeit nicht nur im Bonner Rat der Muslime dessen neuer Sprecher Karim Lakhal hervor: Allem Anschein nach hat der Mittdreißiger die große Syrien-Benefizveranstaltung am Donnerstag in Köln nach Kräften beworben, so jedenfalls belegen es entsprechende Einträge auf Facebook-Seiten, aber auch Videos im Internet.

Am Tag der deutschen Einheit hatten sich Jugendliche und Erwachsene bei der als Syrien-Benefizaktion ausgegebenen Veranstaltung des Vereins "Helfen in Not" in Köln an der Venloer Straße getroffen. Angekündigt waren auch salafistische Prediger, darunter solche, die einem Experten zufolge den Dschihad, den "heiligen Krieg" predigen.

Ein Vertreter des Rats der Muslime, dem bis auf die türkischen alle anderen Moscheen angehören, sagte am Freitag dem GA, dass "vielen von uns die Verknüpfung Lakhals mit den Organisatoren der Veranstaltung so nicht klar war". Man müsse jetzt erst einmal mit Lakhal reden, Anfang der Woche wolle sich der Rat dann öffentlich dazu äußern.

Lakhal selbst, der sich im Internet auch Abu Ridwan nennt und im Raum Bonn bis Ende November eine eigene Sammelaktion für Syrien durchführt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dass der umtriebige und wortgewandte Salafistenprediger Pierre Vogel bei der Benefizveranstaltung mit dabei war, gilt nach GA-Informationen als gesichert. Und als wahrscheinlich gilt, dass auch weitere radikal-islamische Prediger an der ganztägigen Veranstaltung teilnahmen.

Für die Sicherheitsbehörden war das schwierig zu beurteilen, denn das Gebäude, in dem Spenden gesammelt wurden, verfügt über eine Garage. Dort parkten die meisten Teilnehmer - und gelangten so in die Versammlungsräume, ungesehen von der Öffentlichkeit. Die musste draußen bleiben, so auch die Presse.

Beim Verfassungsschutz ist man nun mit der Auswertung beschäftigt. Genaue Erkenntnisse liegen noch nicht vor, sagte eine Sprecherin dem GA. Burkhard Freier, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, zufolge gibt es Hinweise darauf, dass solche Veranstaltungen nicht nur dem guten Zweck dienen. Häufig würden sie auch genutzt als Rekrutierungstreffen von Salafisten, um Netzwerke zu pflegen und Ideologien zu verbreiten.

Dass die Treffen teilweise lukrativ verlaufen, war bei einer Aktion Anfang April in Bonn erkennbar. Wie Videos belegen, kamen bei einer Versteigerung hohe Summen zusammen. Ein Teilnehmer zum Beispiel erstand ein Handy für mehr als tausend Euro.

Zunächst sollte die Benefizveranstaltung in der Godesberger Stadthalle stattfinden. Nach Protesten wurde der Vertrag gekündigt, die Veranstalter wichen ins Beueler Gewerbegebiet aus. Allerdings wurde - wie auch bei der Veranstaltung am Donnerstag - der Ort erst kurz vor Beginn bekannt gegeben. Ein für eine gewöhnliche Benefizveranstaltung eher ungewöhnliches Vorgehen.

Der Salafismus

Sie propagieren die Vollverschleierung von Frauen, lehnen Unterhaltungsmusik als sündhaft ab und streben nach einer islamischen Gesellschaft: Salafisten, ultrakonservative Muslime, orientieren sich in ihrem Leben an den Vertretern des frühen Islams. Sie lehnen es dementsprechend ab, die Aussagen des Islams fortzuentwickeln und den zeitlichen Umständen anzupassen.

Der Salafismus lässt sich in drei Gruppen einteilen: in die puristischen Salafisten, die in erster Linie nach einem gottgefälligen Leben streben, dann die politisch-missionarischen und schließlich die dschihadistischen Salafisten, die Gewalt im Kampf gegen die "Ungläubigen" und zur Erlangung eines islamischen Staates befürworten und legitimieren.

Scheinbar bewegt sich die größte Gruppe der politisch-missionarischen Salafisten, deren bekanntester Vertreter Pierre Vogel ist, auf verfassungskonformem Terrain, trotzdem können sie unter Umständen zur Schaffung eines "Rekrutierungspools" beitragen, der sich berufen fühlt, die - wenn nötig auch gewaltsame - Errichtung eines islamischen Staates umzusetzen, urteilt der Verfassungsschutz.