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Mit fünf Personenschützern in der Redoute: Islamkritiker beim Verein Lese-Kultur Bad Godesberg

Mit fünf Personenschützern in der Redoute : Islamkritiker beim Verein Lese-Kultur Bad Godesberg

Der mit einer Fatwa belegte Islamkritiker Hamed Abdel-Samad spricht mit GA-Redakteur Rüdiger Franz über die Gefahren des politischen Islams.

Es war wie in einem Thriller. Als der deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad aus einem der zwei Wagen des Staatsschutzes in ein Godesberger Restaurant eilte, sicherten fünf drahtige BKA-Beamte sein Leben: vom Wagen aus, am Eingang und in der Gaststätte. Abdel-Samad ist wegen islamkritischer Publikationen von ägyptischen Salafisten mit einer Fatwa belegt, und das bedeutet: Er ist zum Abschuss freigegeben.

Eben hatte der 45-Jährige auf Einladung des Vereins Lese-Kultur Godesberg in der voll besetzten Redoute über die Gefahren des politischen Islam diskutiert. Jetzt suchte er in einem Nebenraum einen Platz mit dem Rücken zur Wand, von dem aus er den Eingang im Blick hatte, und stellte sich den Fragen im GA-Gespräch: eloquent, aber immer deutlich angespannt. Er denke halt oft an den indischen Literaten Salman Rushdie, der wegen der „Satanischen Verse“ über Jahrzehnte um sein Leben fürchten musste, bekannt er.

Nun sei er in derselben Situation, aber hierzulande habe eigentlich nur Sigmar Gabriel für ihn Partei ergriffen, hatte Abdel-Samad in der Redoute gesagt. Im Restaurant betonte er, er stehe zu seiner Entscheidung, den Islam öffentlich zu kritisieren – mit allen Konsequenzen: „Ich bin nach Europa gekommen, um sagen zu können, was ich denke.“ Und das im Übrigen auch der AfD gegenüber, auf deren Einladung er 2015 eingegangen sei. „Das verlief dann aber anders, als die das erhofft hatte.“ Er habe eindringlich gewarnt, die Partei müsse sich von ihrem extremen Rand trennen.

Er freue sich, dass in der Redoute eine niveauvolle Diskussion gelaufen sei, erklärte er. Moderator und GA-Redakteur Rüdiger Franz hatte dort das Publikum gewarnt, sich auf „Risiken und Nebenwirkungen“ gefasst zu machen. Was Abdel-Samad voll erfüllte.

Der Staat soll klare Kante zeigen

Sein Thema sei nicht nur seinem Buchtitel gemäß: „Ist der Islam noch zu retten?“ Sondern erfragt auch: „Ist Europa noch zu retten?“ Er glaube nicht, dass sich Deutschland à la Thilo Sarrazin abschaffe, sondern dass es sich spalten könnte, wenn die Politik nicht umsteuere. Es sei ein Fehler, Salafisten und türkischen Islamisten, die Teile der Bevölkerung radikalisierten, auch weiterhin nicht Einhalt zu gebieten.

Integration müsse auch dazu führen, dass Menschen sich mit Deutschland identifizierten. „Wie kann es also sein, dass gut ausgebildete Bürger unsere Freiheiten nutzen, um Diktator Erdogan zuzujubeln oder Salafisten und Terroristen zu werden?“, fragte Abdel-Samad unter viel Beifall.

Der Staat müsse klare Kante zeigen, wenn sich Extreme zu Magnetfeldern entwickelten, und genau prüfen, wohin seine Fördergelder gingen. „Die größte Gefahr für eine Demokratie ist, wenn die Mitte weiter gleichgültig bleibt“, gab Abdel-Samad mit auf den Weg. Aber auch, dass ein Integrationskonzept für alle gestrickt werden müsse, die aus dem System herausfielen. „Also auch für Kevin und Jacqueline.“