Buschdorfer ziehen nach Israel Israel ist der rote Faden in ihrem Leben

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis · Vom Rhein ans Mittelmeer: Das Pfarrer-Ehepaar Kriener übernimmt die Leitung des Dialogzentrums in Nes Ammim. Die Gemeinde bedauert den Weggang. Abschiedsgottesdienst in der Dreieinigkeitskirche in Hersel.

 Tobias und Katja Kriener brechen ihre Zelte in Buschdorf ab und gehen für ein Jahr nach Israel.

Tobias und Katja Kriener brechen ihre Zelte in Buschdorf ab und gehen für ein Jahr nach Israel.

Foto: Horst Müller

„Es ist ein einziges Chaos – und es ist sehr ungemütlich“, so beschreibt Katja Kriener die Wohnsituation in Buschdorf. Ihr Mann Tobias wiegelt jedoch ab. „Es hält sich alles noch im Rahmen“, meint er. Überall stehen Kartons und Kisten herum, mit Bedacht wird ausgewählt, was eingepackt und was eingelagert wird. „Wir werden eine kleinere Wohnung beziehen und können nicht alles mitnehmen“, ergänzt der Pfarrer. In wenigen Wochen kehren beide dem Rheinland den Rücken und beginnen einen neuen Lebensabschnitt in Israel.

Nach acht Jahren in der Evangelischen Kirchengemeinde Hersel – zu der auch Buschdorf gehört – übernimmt das Theologenpaar die Leitung der Studien- und Dialogarbeit im christlichen Begegnungs- und Lernzentrum Nes Ammim. „Unsere Hauptaufgabe wird sein, junge und interessierte Menschen für die Idee von Frieden und konkreter Versöhnung zwischen den Menschen und Religionen zu begeistern und für die Mitarbeit in Israel zu gewinnen“, beschreibt Kriener die neue Herausforderung. Mit Israel betreten beide jedoch kein Neuland, im Gegenteil. „Wir kehren ein Stück nach Hause zurück“, freut sich die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern auf die neue Tätigkeit.

Tobias Kriener wurde in Beirut geboren und kam mit acht Jahren nach Wuppertal. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst als Freiwilliger bei der Aktion Sühnezeichen in Jerusalem. Später studierte er an der Hebräischen Universität in Jerusalem den Talmud und die jüdische Auslegung der Bibel. Er promoviert an der Ruhr-Universität Bochum mit einer Arbeit über antijüdische Polemik im Johannes-Evangelium.

Viele gute Bekannte im Land

Während des Studiums in Jerusalem lernte der heute 59-Jährige seine Frau kennen. Auch sie ist evangelische Pfarrerin. Von 1992 bis 2009 war Katja Kriener die Beauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland für christlich-jüdische Beziehungen. Zuletzt war sie in Köln als Studienleiterin an der Evangelischen Stadtakademie sowie als Frauenbeauftragte des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region tätig.

Sie wird in Nes Ammim die Aufgabe einer Koordinatorin für Dialoggruppen übernehmen. Sie freut sich jedoch nicht nur auf ihre zukünftige Arbeit, sondern auf „Sonne, Meer und Freunde“, verrät sie. Denn in Israel haben sie viele gute Bekannte. „Teilweise schon seit 40 Jahren. Ich habe keine Sorgen, dass wir einsam und allein sein werden. Im Gegenteil.“

Beide treten die Nachfolge von Rainer Stuhlmann an. Der ehemalige Kölner Schulreferent und langjährige Superintendent im Kirchenkreis An Sieg und Rhein ist derzeit als Studienleiter in Nes Ammim zuständig für das Programm aus Vorträgen, Ausflügen und Seminaren mit biblischen und gesellschaftspolitischen Inhalten.

Vermissen wird Tobias Kriener die Radtouren am Rhein

Ende August läuft sein Visum aus, und er kehrt zurück. „Als er uns erzählte, dass ein Nachfolger gesucht wird, mussten wir keine Sekunde überlegen. Das Thema Israel zieht sich wie ein roter Faden durch unser berufliches Leben. Diese Arbeit liegt uns beiden sehr am Herzen“, so Tobias Kriener.

„Die Evangelische Gemeinde bedauert den Weggang sehr“, erklärt Superintendent Eckart Wüster. Doch der Werdegang des Ehepaars zeige, „dass die beiden für die neue Aufgabe in Israel genau die Richtigen sind.“ Und was wird Tobias Kriener in Zukunft besonders vermissen? „Meine Radtouren“, sagt er spontan. „Die Strecke entlang des Rheins bis zum Drachenfels, nach Unkel oder Linz ist wirklich etwas ganz Besonderes. Diese Auszeit wird mir fehlen.“

In einem festlichen Gottesdienst am Sonntag, 21. August, um 11 Uhr in der evangelischen Dreieinigkeitskirche in Hersel (Mertensgasse 17) werden Katja und Tobias Kriener offiziell verabschiedet. Bei einem Empfang im Anschluss im Katholischen Pfarrheim an der Rheinstraße besteht Gelegenheit, dem Ehepaar persönlich Lebewohl zu sagen.

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