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Medizintechnik: Johanniter-Krankenhaus setzt OP-Roboter ein

Medizintechnik : Johanniter-Krankenhaus setzt OP-Roboter ein

Das Johanniter-Krankenhaus in Bonn geht neue Wege: Bei einigen Operationen werden die Schnitte nicht mehr mit eigenen Händen von den Ärzten durchgeführt.

Minimal-invasive Operationen sollen im Johanniter-Krankenhaus jetzt noch sicherer und präziser vorgenommen werden: Seit Kurzem führt die dortige Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie Eingriffe auch mit der neuesten Generation des „Da-Vinci“-Operationsroboters durch. Damit ist die Klinik die erste in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, die diese moderne Technik einsetzt.

„Wir können den Roboter mit seinen vier Armen über eine Art Joystick viel feiner steuern als eine menschliche Hand und haben dank eines 3D-Kamerasystems einen viel fantastischeren Überblick“, freut sich Professor Andreas Türler, Chefarzt der Abteilung. „Ich habe erst neulich bei einer Operation Nervengewebe gesehen, das man sonst gar nicht wahrnimmt und somit schnell mal unabsichtlich verletzen kann. Gleichzeitig lassen sich jetzt die Instrumente auf eine ganz neue Weise drehen, was etwa beim Nähen eine enorme Erleichterung darstellt. Ich bin nach diesen Erfahrungen noch begeisterter als zuvor.“

Operationen unter Aufsicht

Das DaVinci-System tritt im Johanniter-Krankenhaus derzeit vor allem bei der Laparoskopie in Aktion, also bei Eingriffen im Bauchraum. Gleichzeitig beginnt Türler 2018 mit dem Aufbau eines Robotik-Zentrums, das insbesondere auf Mastdarm-, Bauchspeicheldrüsen, Speiseröhren- und Magenkrebs spezialisiert sein soll. „Gerade bei Krebserkrankungen gilt es, das Immunsystem so wenig wie möglich zu belasten, um die Heilungschancen zu erhöhen“, erklärt Türler. „Daher sind minimal-invasive Eingriffe immer besser als offene Behandlungen, da sie eine schnellere Erholung garantieren und neueren Studien zufolge sogar die Langzeit-Überlebenschancen erhöhen. Unser Interesse besteht darin, immer komplexere Operationen auf diese Weise durchführen zu können – und dabei hilft ein Präzisionsinstrument wie der DaVinci Xi ungemein.“

Entwicklung in den 80er Jahren

Geplant sind außerdem unter der Leitung des gynäkologischen Chefarztes Professor Uwe-Jochen Göhring komplexe minimal-invasive Unterleibsoperationen, etwa bei Gebärmutterkrebs, sowie in Zukunft auch urologische Eingriffe. Trotz der zahlreichen Vorteile ist der Einsatz des DaVinci-Systems, das bereits in den 80er Jahren von Medizintechnikern des US-Militärs entwickelt wurde, in gewissen Kreisen immer noch umstritten. Vor allem die hohen Kosten werden kritisiert. Doch Türler ist sich sicher, dass sich die Anschaffung bezahlt macht. „Wir haben damit in die Zukunft investiert“, sagt er. „In der Tat sind Eingriffe mit Roboter noch immer deutlich teurer als ohne ihn, aber wenn man den Patienten dadurch besser durch die post-operative Phase bekommt, rentiert sich das.“

Zumindest in Deutschland sei zudem sichergestellt, dass Patienten keine Zuzahlungen leisten müssten, wenn der Arzt sich für eine OP mit den helfenden Armen von DaVinci entscheidet. „Derzeit gehen wir davon aus, dass wir pro Jahr etwa 150 Eingriffe mit dem neuen Gerät durchführen werden“, so Türler.