Comedian Özgür Cebe Kabarettist zeigt im Pantheon Casino sein erstes Soloprogramm

Bonn · Zugegeben, die Frage hat es in sich: "Wenn der Islam nicht zu Deutschland gehört, Ostwestfalen aber schon, wohin gehört dann ein in Bielefeld geborener Rheinländer mit türkischen Wurzeln?" Nicht dass der Bonner Kabarettist Özgür Cebe darauf ernsthaft eine Antwort erwarten würde.

 Özgür Cebe tritt am Donnerstag mit seinem ersten Soloprogramm im Pantheon Casino auf.

Özgür Cebe tritt am Donnerstag mit seinem ersten Soloprogramm im Pantheon Casino auf.

Foto: Andreas Wosnitza

Nein, er gibt sie lieber selbst. Und zwar in seinem ersten Solo "Der bewegte Muselmann". Zu sehen am Donnerstag, 4. April, im Pantheon Casino. Erstens: "Von Ostwestfalen hab' ich eigentlich kaum 'was mitbekommen, damals war ich noch zu klein. Zweitens: Ich bin hier im Rheinland zu Hause. Ein Deutscher mit orientalischen Vorfahren".

Einer, dem das Rheinische längst in Fleisch und Blut übergegangen ist und der heute mit Freundin und Tochter in Bonn lebt. Aus Überzeugung. Auch wenn der erste Kontakt mit dieser Stadt im Alter von 14 Jahren nicht ganz unproblematisch war, wie sich der 38-Jährige erinnert.

"Ich bin in Tannenbusch zur Schule gegangen. Ich hatte da meine Leute. Solche und solche. Mit der Zeit rutscht man da eben so rein, und ich hab' als Jugendlicher auch richtig Mist gebaut." Das, so erzählt Cebe weiter, habe nach einer Prügelei in einer Zelle auf der Polizeiwache geendet. "Danach war ich kuriert. Ein für allemal. Der Verlust meiner Freiheit - wenn auch nur für ein paar Stunden - fühlte sich furchtbar an."

Gefolgt vom eisigen Schweigen daheim: "Meine Eltern haben einen ganzen Tag lang kein Wort mit mir geredet. Da wünscht man sich ja, mal angeschrien zu werden." Das wurde Özgur Cebe zwar nicht, zog aber trotzdem seine Konsequenzen und ging zu einigen seiner früheren Freunde auf Distanz. Geholfen hat dabei auch der Wechsel auf die benachbarte Waldorfschule; "mit Eurythmie und Anthroposophie für mich eine komplett andere Welt.

Und ich hatte anfangs ganz schön Schiss, dass die von nebenan rüberkommen und mich fertig machen würden." Was zum Glück nie passiert ist. Mit dem Abitur wurde es dafür allerdings auch nichts. "Was aber nicht daran lag, dass ich die Striche auf dem Ü in meinem Namen nicht tanzen konnte", wie Özgur Cebe mal ganz klarstellt.

Er ging in Stufe elf ab, arbeitete zwei Jahre bei einem Versandunternehmen in Köln, bevor sein Vater schließlich die Reißleine zog und ein Vorstellungsgespräch beim Theater an der Ruhr arrangierte. "Ich wollte da eigentlich gar nicht angenommen werden. Also gab ich mich betont lässig.

Auch diesem Typen namens Karlheinz Böhm gegenüber, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte." Heute lacht Özgür Cebe darüber. Aber so oder so sollte sich sein Weg auf die Bühne als goldrichtig erweisen. Begonnen mit ersten Nebenrollen beim Theater, gefolgt von gut zwei Jahren Fernseherfahrung als Sketchpartner von Kaya Yanar in dessen Comedy-Show "Guckst du?".

Beim Zählen kommt Özgür Cebe locker auf rund 300 Rollen. Er nahm Schauspielunterricht, hatte Gastauftritte in Fernsehformaten wie "Lindenstraße" und Cobra 11 und arbeitete nebenbei als Kaufhausdetektiv. Bevor er den ungeliebten Job - "schlecht bezahlt und leider nicht ganz ungefährlich" - an den Nagel hing. "Anfangs hab ich daran gedacht, Schauspieler zu werden.

Aber erste Auftritte als Standup-Comedian auf offenen Bühnen - zum Beispiel auch in der Bonner "Pauke", der er sich heute verbunden fühlt - änderten dann noch einmal die Richtung. Erfahrungen sammelte Cebe unter andren auch als Gastgeber der "Shöw mit Ö" im Bonner Woki. Was sein Publikum nun im Casino erwarte? "Nichts Geringeres als die drei großen drei Weltreligionen, die üblichen Vorurteile und wie man damit bricht. Musik und Gedichte." Und wie nennt man so etwas dann? "Kabady", antwortet Cebe mit einem herzlichen Lachen.

Tickets zum Preis von 16 Euro (ermäßigt zwölf Euro) gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und direkt beim Pantheon unter der Rufnummer 0228/212521.