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Ehrung für Hirnforscher: Kampf gegen das Vergessen

Ehrung für Hirnforscher : Kampf gegen das Vergessen

Die meisten Menschen arbeiten mit 80 Jahren nicht mehr, manche leiden in diesem Alter gar an Alzheimer. Bei Heiko Braak ist es genau anders herum: Der Hirnforscher arbeitet auch mit 80 noch – in der Forschung gegen Alzheimer.

Der Preis ist gestiftet von der Piepenbrock Unternehmensgruppe und wird vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) verliehen. Er ist mit 60.000 Euro dotiert. Zur Preisverleihung mit Moderator Eckart von Hirschhausen kamen etwa 200 Gäste ins LVR-Landesmuseum.

Wer auch immer an diesem Abend auf die Bühne trat – alle hatten nur Gutes über den Preisträger zu sagen. Seit 2009 forscht Braak mit seiner Ehefrau Kelly Del Tredici-Braak an der Universität Ulm. Mittlerweile ist er emeritiert und arbeitet dort als Seniorprofessor weiter. Besonders beschäftigt er sich mit dem menschlichen Gehirn und dessen Veränderungen bei neurodegenerativen Erkrankungen. Die zeichnen sich vor allem durch den Verlust von Nervenzellen aus, wie etwa bei Alzheimer oder Parkinson. Die Folge sind meist Demenz oder Bewegungsstörungen.

Braak hat Tausende von Gehirnen verstorbener Menschen untersucht, um Veränderungen daran festzustellen. Die Entwicklung der Gehirne von Alzheimer-Patienten teilte Braak anhand seiner Untersuchungen in verschiedene Phasen ein – eine ähnliche Aufteilung veröffentlichte er auch zu Parkinson. Seine Klassifizierungen sind heute weltweit anerkannt und dienen vielen anderen Forschern als Grundlage.

Preis wurde zum vierten Mal verliehen

Doch was bringt einen 80-Jährigen dazu, immer weiter zu forschen? „Heute interessiert mich die mögliche Schutzwirkung, die Training auf das junge Gehirn hat“, sagte Braak, „etwa auf ein Kinderhirn, das gerade erst die Muttersprache lernt. Ich vermute, dass etwa das frühe Erlernen eines Musikinstruments einen erheblichen Schutz gegen die Alzheimerveränderung im Gehirn bewirkt.“ Musik nimmt auch im Leben des Forschers eine wichtige Rolle ein – er spielt Klavier.

Der „Hartwig Piepenbrock-DZNE Preis“ wurde zum vierten Mal verliehen. Mit ihm wird alle zwei Jahre die herausragende Forschung über neurodegenerative Erkrankungen ausgezeichnet. Die Piepenbrock Unternehmensgruppe, die Dienstleistungen wie Gebäudereinigung und Instandhaltung anbietet, stiftet den Preis im Andenken an ihren ehemaligen geschäftsführenden Gesellschafter Hartwig Piepenbrock, der 2013 an den Folgen einer Demenzerkrankung starb.

Mittlerweile führt dessen Sohn Olaf Piepenbrock die Geschäfte: „Mein Vater war ein erfolgreicher Unternehmer, aber auch ein Kunstliebhaber. Bis er an Demenz erkrankte, wurden mit diesem Preis eigentlich Skulpturen ausgezeichnet“, erklärte er. „Später haben wir uns aber entschieden, mit der Auszeichnung Anreize für Wissenschaftler zu setzen, weil es ein hartes Brot ist, über Jahre an so einem Thema zu forschen.“ Das dürfte Forscher Heiko Braak bestätigen.