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Tai Chi: Kampfsport im Schneckentempo

Tai Chi : Kampfsport im Schneckentempo

Peter Eggen trainiert regelmäßig am Rhein mit einer Gruppe Gleichgesinnter Tai Chi.

Auf einem Stück Grün direkt am Rhein vollziehen Menschen langsame, bedächtige Bewegungen. Sie sind konzentriert und wirken irgendwie auch ein bisschen entrückt. Die vorbeigehenden Radfahrer, Spaziergänger und Jogger wirken rasant neben diesem Grüppchen, das gemeinsam in Zeitlupe verfallen zu sein scheint.

Jeden Freitag trifft sich die Tai Chi Chuan Gruppe von Peter Eggen am Rheinufer in der Nähe des Schänzchens zum Open-Air Training. Was auf den ersten Blick irritiert, ist Sinn und Zweck der Übung: "Tai Chi Chuan (Taijiquan) ist die wohl bekannteste chinesische Kampfkunst.

Sie verbindet Selbstverteidigung, Gesundheitsübung und Meditation", erklärt Eggen. Die Langsamkeit der Bewegungen hat für ihn einen besonderen Reiz. "Es setzt einen Kontrapunkt zu dieser Schnelllebigkeit, zu Stress und einem Alltag, in dem man sich leicht selbst verlieren kann.

Tai Chi Chuan stellt das bewusste Dasein und Handeln ganz in den Mittelpunkt. Wie wohltuend das gerade für Menschen in unserer Gesellschaft ist, erlebe ich auch viel bei meinen Patienten", erläutert Eggen, der auch Physiotherapeut ist. Als solcher ist er von der Idee ganzheitlicher Bewegungen, die den gesamten Körper einbeziehen, überzeugt. Tai Chi und seine Prinzipien liegen für ihn fern von verschleiernder Esoterik. Vielmehr sieht er darin ein ausgesprochen systematisch aufbereitetes Wissen, das klaren Prinzipien folgt.

Anzuziehen scheint sein Angebot auf jeden Fall recht unterschiedliche Menschen. So finden sich in dem Grüppchen Lehrer, Physiotherapeuten, Pressereferenten und Sozialpädagogen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie gerne in Gesellschaft Sport machen und einen leichten Hang zum Exotischen haben.

Im Winter und bei schlechtem Wetter treffen sie sich in Übungsräumen in der Bonner Süd- oder Altstadt. Das Training am Rhein ist jedoch etwas ganz Besonderes. "Das Schönste draußen ist, wenn du die erste Bewegung machst, und es kommt eine Windböe. Du bist einfach viel mehr mit den Elementen verbunden: Der Duft des Grases, Luft und Atem, die Erde, auf der du stehst. Das alles ist viel präsenter", sagt Eggen. Und nicht zuletzt genießen die Trainierenden, den beständigen Fluss des Rheins bei ihren Übungen im Blick zu haben.