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Kandidaten aus Bonn von Freie Wähler, Die Basis, Die Partei, MLDP

Bundestagswahl im September : Das sind die fünf Bonner Kandidaten kleiner Parteien

In den Bundestag wollen aus Bonn auch ein Satiriker und ein Marxist einziehen. Die fünf Direktkandidaten der kleineren Parteien im Porträt.

Neben den Bundestagskandidaten aus Bonn der altbekannten Parteien treten bei der Wahl am 26. September fünf weitere Direktkandidaten an.

Jutta Acar geht für die Freien Wähler ins Rennen. Die ehemalige Bundesbeamtin (mittlerweile im „engagierten Vorruhestand“, wie sie selbst sagt) sitzt für den Bürger Bund Bonn in der Bad Godesberger Bezirksvertretung. Die 63-Jährige will sich für einen besseren Nahverkehr einsetzen und sieht die vielen Bauvorhaben in der Stadt kritisch, die „investorengetrieben“ seien und auf Dauer aus ihrer Sicht Grün- und Freiflächen vernichteten.

Gregor Berneiser hat sich für die Basisdemokratische Partei Deutschland (kurz: die Basis) aufstellen lassen. Der 45-Jährige ist verheiratet und hat zwei Söhne. Von sich selbst sagt er, er sei als Strategieberater von Banken lange Jahre „Teil des Systems und ein Turbo-Kapitalist“ gewesen. Sein Engagement bei der Basis habe das Ziel, „diese kranke Gesellschaft zu heilen und in dieser Zeit der Spaltung Brücken zu bauen“. Aus seiner Sicht habe sich die Politik von den Bürgern entfernt. Unkonventionelle Meinungen würden nicht mehr wahrgenommen. Die Basis wurde im Juli 2020 aus Protest gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen gegründet und benennt vier Säulen als Bestandteil ihres Programms: Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz. Die Bundeszentrale für politische Bildung ist der Auffassung, die Partei sei im Parteienspektrum nicht eindeutig verortbar und agiere „populistisch“. Auch seien unter den Mitgliedern Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker zu finden.

● Auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLDP) stellt mit Roger Stamm einen Direktkandidaten für die sogenannte Internationalistische Liste. Der 68-jährige Vater zweier Töchter will, wie er sagt, „gegen den Krisenstrudel des Kapitalismus aktiv werden“ und die Menschen für die Idee des Sozialismus erwärmen. „Ich stehe für eine gesellschaftliche Perspektive – auch im klaren Gegensatz zur rückwärts gerichteten AfD oder den egoistischen Querdenkern“, sagt Stamm. Der Bundesverfassungsschutz beobachtet die 1982 gegründete Kleinpartei MLPD mit der Begründung, sie strebe nach dem revolutionären Sturz der „Diktatur des Monopolkapitals“ und nach der Errichtung der Diktatur des Proletariats für den Aufbau des Sozialismus als Übergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft. Das widerspreche der freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Moritz Van den Bergh sitzt bereits für „Die Partei“ in der Bonner Bezirksvertretung. Seine wichtigsten Themen, die er im Fall seiner Direktwahl für die Satirepartei benannte, beschreibt er mit den Worten: „Bonn groß denken, Bonn Stärken, Bonn Verschönern, und Bonn auch einfach in einen Ort zu verwandeln an dem wir gut und gerne sterben.“ Der 32-Jährige gibt an, arbeitslos zu sein und sich in seiner Freizeit gerne mit Metal-Musik und Bier zu befassen. Im Bonner Kreisvorstand übernimmt er die Position des „Ministers für Kultur, Okkultismus und Seelenheil“.

● Als Bezirksbürgermeister repräsentierte Reinhard Limbach, Geburtsjahr 1960, bis zur letzten Kommunalwahl die Stadt. Viele Jahre gehörte der Immobilienkaufmann mit CDU-Parteibuch unterschiedlichsten Bonner Fachausschüssen an. Dann aber trat er aus der Partei aus und den Liberal-Konservativen Reformern bei, um für die LKR als Direktkandidat anzutreten. Gründer der LKR ist Bernd Lucke, der 2013 entscheidenden Anteil an der Gründung der Alternative für Deutschland (AfD) hatte, sie dann aber verließ, weil sie ihm zu deutschnational wurde. Wie Limbach dem GA sagte, habe er die LKR mittlerweile verlassen. Da er die Kandidatur formal nicht zurückziehen könne, werbe er nicht mehr für seine Person.

Die Stadt Bonn ist Wahlkreis 96 von insgesamt 299 Wahlkreisen im Bundesgebiet. Am 26. September können Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Erststimme einen Direktkandidaten wählen. Wer die einfache Mehrheit erzielt, zieht direkt ins Berliner Parlament ein. Mit der Zweistimme wird die Partei gewählt. Der zuletzt gewählte Direktkandidat war Ulrich Kelber von der SPD, der während der Wahlperiode Bundesdatenschutzbeauftragter wurde und aus dem Parlament ausschied.