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Karneval: Vereine in Bonn in Sorge um Straßenkarneval

Absage von Saalveranstaltungen „alternativlos“ : Karnevalsvereine in Sorge um nächste Session

Bonner Karnevalsvereine befürchten, auf einem Großteil der Kosten in der kommenden Session sitzenzubleiben. Sitzungskarneval soll kein zweites Gangelt werden.

Eigentlich sollen sie ja gute Laune bringen und lästige Sorgen für einige Stunden vertreiben. Doch je näher die Karnevalssession rückt, desto größer wird das Kopfzerbrechen, das die traditionellen Sitzungen, Saalveranstaltungen und Umzüge den Verantwortlichen der Bonner Karnevalsgesellschaften bereiten. Am Freitag äußerten Vertreter mehrerer Bonner Vereine gegenüber dem General-Anzeiger ihre Bedenken.

Eine generelle Absage von Innenveranstaltungen durch die Politik halten sie für „alternativlos“. Die nämlich könnte sie vor Regressforderungen von Künstlern bewahren. Vom Festausschuss Bonner Karneval erhoffen sie sich in dieser Frage offenbar mehr Unterstützung.

Es muss schon ernst sein, wenn Vertreter der größten und mehrerer kleinerer Bonner Karnevalsgesellschaften implizit ein offizielles Verbot ihrer „höchsten Feiertage“ im Jahr fordern. Doch Roman Wagner (Wiesse Müüs) und seine Mitstreiter tun genau das. Denn einerseits treibt sie die Frage um, wie Saal-, aber auch Freiluftveranstaltungen in Zeiten der Corona-Pandemie unter Einhaltung aller Vorschriften ablaufen sollen. Vor allem aber befürchten sie, dass Abstandsregeln in den Hallen die Gästezahlen derart in die Knie zwingen, dass sich zwischen Aufwand und verbleibendem Ertrag riesige Lücken auftun, die die Vereine in die Verschuldung treiben.

Abstandsregeln sorgen für Finanzsorgen

In Sorge: Die Vereinsvertreter Joachim Fandel, Thomas Janicke, Wolfgang Orth, Roman Wagner, Jürgen Klasen und Frank Hofmann. Foto: Benjamin Westhoff

Die Programme für die Veranstalter stehen, die Künstler sind gebucht und werden im Zweifelsfall auf der vereinbarten Gage bestehen – auch wenn beispielsweise im Maritim bei Kosten von über 60 000 Euro nicht wie üblicherweise mehr als 2000 mitfeiern, sondern sich wegen der Abstandsregeln nur einige Hundert Jecke in den Tischreihen verlieren. „Wir haben Programmkosten von 150.000 Euro“, verdeutlicht Roman Wagner die Dimensionen. Vor diesem Hintergrund erhoffe man sich schnell Rechtssicherheit.

Neben die Fürsorgepflicht für die Gäste trete die Sorgfaltspflicht bei der Verwaltung von Vereinsgeldern, sagt auch Wolfgang Orth, Kommandant der Bonner Stadtsoldaten. Neben den finanziellen Aspekten seien praktische Dinge zu bedenken: „Karneval lebt nun einmal von Geselligkeit und Stimmung. Werden die Hygienevorschriften da bis zuletzt einzuhalten sein?“, fragt Orth. Vor allem für die kleinen Vereine sei die Situation „existenzbedrohend“, rechnet Frank Hofmann (Bönnsche Funkentöter) am Beispiel der Mehrzweckhalle Duisdorf vor, wo man die Sitzplätze schlimmstenfalls von 540 auf 130 reduzieren müsste – während das bereits gebuchte Programm weiterhin vollständig aus Eintrittsgeldern bestritten werden muss.

Bonn soll kein zweites Gangelt werden

Eines wollen die Karnevalisten auf jeden Fall verhindern: als „zweites Gangelt“ für Schlagzeilen zu sorgen. „Viele unserer Stammgäste haben auch einfach Angst davor“, gibt Thomas Janicke, Kommandant der Ehrengarde, zu bedenken. Und Joachim Fandel, Präsident des Kleinen Senats, fragt sich mit Blick auf die Praxis, wie ein Tambourcorps oder eine Tanzgruppe auf den Bühnen die Abstandsregeln einhalten sollen. „Wir können also nicht einfach blauäugig in die Session marschieren“, resümiert Jürgen Klasen, Präsident der Durschlöscher.

All das wollen die Vereine jetzt auch dem Festausschuss vor Augen halten. Dass die Präsidentin ihres Dachverbandes in dieser Woche mehr oder weniger unverdrossen eine abgespeckte Form von Elftem Elften und Sitzungskarneval ins Spiel gebracht und von einer Absage abgeraten hat, birgt aus Sicht der Vereine Gesprächsstoff. Ihr Verdruss ist unüberhörbar, ein Vertreter fasst es so zusammen: „Statt Alleingängen erwarten wir, dass man da gemeinsam marschiert und nach Lösungen sucht.“