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Karstadt in Bonn: Filiale hat geschlossen - Bedauern über Schließung

Vorgezogene Schließung : Die Stimmung bei Bonns Karstadt-Angestellten ist „katastrophal“

Einen Tag früher als geplant hat die Karstadt-Filiale in Bonn am Mittwochabend endgültig geschlossen. Am Donnerstag kamen die Mitarbeiter noch einmal dort zusammen. Währenddessen laufen Verhandlungen mit Interessenten für das Haus.

Therese Thrun bringt die Gefühlslage auf den Punkt. „Die Stimmung ist katastrophal“, sagt die Betriebsratsvorsitzende der Karstadt-Filiale in Bonn am Donnerstagvormittag. Am Abend zuvor hat das Kaufhaus an der Poststraße endgültig seine Türen geschlossen – einen Tag früher als gedacht. „Es war eigentlich geplant, heute zu schließen“, sagt Thrun. Doch am Mittwochnachmittag sei dann die Anweisung gekommen, bereits am Abend zu schließen.

Die Mitarbeiter, die am letzten Tag arbeiten sollten, sind am Donnerstag trotzdem zum Kaufhaus gekommen. Ein paar Restarbeiten stehen nur noch an, erklärt Betriebsratmitglied Peter Gehrke, der in der Elektroabteilung gearbeitet hat. So entfernen sie die Absperrbänder, zudem müssen die letzten Kassen abgerechnet werden. Um Regale und Möbel müssten sich die Mitarbeiter nicht kümmern, das übernehme eine Firma, erklärt Thrun.

Hauptanliegen war für die Mitarbeiter ohnehin ein anderes. „Wir sitzen gemütlich zusammen und frühstücken“, sagt Gehrke. Peter Kox von der Bonner SPD und Günther Damm als Vertretung für den SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Hartmann hatten am Morgen Brötchen vorbeigebracht.

Zukunft von vielen Karstadt-Mitarbeitern ungewiss

44 Jahre lang hat Peter Gehrke in dem Kaufhaus gearbeitet, Therese Thrun blickt dort auf 40 Arbeitsjahre zurück. „Wir waren eine super funktionierende Familie“, sagen sie. Insgesamt gab es zehn Mitarbeiter, die mehr als 40 Jahre dort gearbeitet haben. Dass die Filiale nun schließen musste und selbst das Angebot einer 50-prozentigen Senkung der Miete durch die Stadt als Verpächter und die Aachener Grundvermögen als Vermieterin für das Haus nicht zum Fortbestand gereicht hat, hatte sie tief getroffen. „Wir gehen sehr traurig auseinander“, sagt Gehrke daher und ergänzt: „Das Familienband ist gerissen.“

Die Zukunft für viele der laut Verdi rund 165 Mitarbeiter ist immer noch unklar. Nur zehn von ihnen hätten bereits eine Anschlussbeschäftigung, teilt Thrun mit. 48 von ihnen werden in eine Transfergesellschaft wechseln. Alle anderen seien ab 31. Oktober arbeitslos. Ein halbes Jahr lang sind die 48 Mitarbeiter in der Transfergesellschaft untergebracht. „Wir hoffen, dass es auf zwölf Monate verlängert wird“, sagt Gehrke.

Bedauern herrscht auch bei Burkhard Terwedow und seiner Frau Doris. Die jahrelangen Stammkunden kommen an diesem Vormittag an Karstadt vorbei und begrüßen Gehrke, als sie ihn vor der Filiale stehen sehen. Sie kennen sich. „Die persönliche Bindung zu vielen Leuten“ sei das Besondere dort gewesen, sagt Burkhard Terwedow. Man kannte sowohl die Mitarbeiter als auch die Abteilungsleiter. „Das waren hier noch richtige Fachverkäufer“, sagt er. Ihm tun vor allem die Leute leid, die jetzt noch mehrere Arbeitsjahre vor sich haben. Sie hätten es schwer auf dem Arbeitsmarkt. „Das ist für manche Familien brutal.“

Das Ehepaar bedauert die Schließung. „Es ist schade. Wir sind schon ein wenig traurig“, sagen sie. Er ergänzt mit Blick auf das Angebot der Mietminderung: „Mehr kann man nicht machen.“

Verhandlungen mit Interessenten laufen

Der Eingang an der Poststraße ist weiter geöffnet, doch die Rolltreppe in die oberen Etagen können Kunden nicht nutzen. Ein Aufsteller mit der Aufschrift „Danke“ versperrt den Weg. „Es ist alles so leer hier“, sagt ein kleines Mädchen, das mit seinem Vater das Gebäude betritt. Dutzende leergeräumte Regale prägen das Bild, die früheren Verkaufsbereiche von Karstadt sind abgesperrt. Nur in das Untergeschoss zu den Filialen von Aldi und dm können Kunden nun noch mit der Rolltreppe fahren.

Wie es mit der Karstadt-Filiale weitergeht, ist weiter unklar. „Es hat sich nichts geändert“, sagt Sonja Nees, Sprecherin der Aachener Grundvermögen, mit Blick auf den Stand vor rund eineinhalb Wochen. Mietverträge mit möglichen Nachfolgern sind demnach noch nicht unterschrieben. „Wir sind in Verhandlungen“, sagt Nees nur. Wie das Haus künftig genutzt wird, ist ebenfalls noch offen.

Viele der Mitarbeiter kennen das Kaufhaus noch aus Zeiten, als es Hertie hieß. 1994 hatte Karstadt das Haus übernommen. Nun sitzen die Mitarbeiter ein letztes Mal dort zusammen und unterhalten sich auch über die vergangenen gemeinsamen Jahre. „Dann ist eine Geschichte zu Ende“, sagt Gehrke.